"Was die NATO verschweigt"

LIBYEN. Rede von Mousaa Ibrahim am 12. Januar in London
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Wie Linda Housman in der englischsprachigen Pravda-Ausgabe vom 14.1. berichtet (http://english.pravda.ru/world/africa/14-01-2015/129514-moussa_ibrahim-0/), hielt Dr. Mousaa Ibrahim am 12. Januar in London in den Gremienräumen des Parlaments (Westminster) seit dem sogenannten Fall von Tripolis via Internet seine erste Rede vor einer internationalen Presse. Dr. Ibrahim war im Jahre 2011 zur Zeit der NATO-Aggression gegen Libyen Hauptpressesprecher der libyschen Jamahirija-Regierung und wird immer noch von den NATO-Mächten gesucht.

Dr. Ibrahim richtete zunächst einen politischen und moralischen Appell an die Köpfe und Herzen der Zuhörer. Er spreche auch im Namen der Libyschen Nationalen Volksbewegung (Libyan Popular National Movement), die sich Anfang 2012 als der politische Zweig der Jamahirija gegründet habe und von der Mehrheit der Libyer unterstützt werde (http://lizzie-phelan.blogspot.de/2012/02/breaking-news-founding-declaration-of.html). „Wir sind Grüne Libyer, wir unterstützen unseren Bruder und Führer Muammar Gaddafi and wir haben eine friedliche Initiative begonnen, um unser Land von Al-Kaida-Gruppen und NATO zurückzuerobern.“

Weiter führte Dr. Ibrahim aus, dass die Berichterstattung des Kriegs gegen Libyen eine einzige Lügen-Kampagne der Medien gewesen sei. So sei während des ganzen Konflikts die rassistische Lüge von schwarzafrikanischen Söldnern verbreitet worden, um die Jamahirija zu dämonisieren. Tatsächlich wurde während des achtmonatigen Krieges kein einziger afrikanischer Soldat gefangen genommen. Stattdessen ließen sich sogenannte NATO-„Rebellen“ mit dunkelhäutigen Libyern abbilden, die dazu gezwungen wurden, die grüne Flagge der libyschen Jamahirija zu essen.

Eine weitere Medienlüge sei die Behauptung gewesen, 10.000 friedliche Demonstranten wären von Gaddafi-Kräften getötet worden. Auf dieser Lüge basierten die UNSC-Resolutionen 1970 und 1973 und ebenso die heuchlerische Aussage von US-Präsident Obama, dass, hätte man nur einen Tag länger gewartet, in Bengasi ein Massaker verübt worden wäre, das die ganze Region betroffen und das Gewissen der ganzen Welt belastet hätte. Später musste jedoch sogar Mustafa Abdul Jalil (ehemaliger Vorsitzender des Nationalen Transitional Council der NATO-„Rebellen“) zugeben, dass vor der NATO-Intervention nur acht Protestierer den Tod fanden und nicht wie behauptet 10.000.

Der Westen wurde um die Einsetzung einer Wahrheitsfindungskommission gebeten, um die von den Medien verbreiteten falschen Behauptungen zu prüfen. Während genug Geld da gewesen sei, um diesen Krieg gegen Libyen zu führen, hätte das Geld für eine Wahrheitsfindungskommission nicht gereicht.

Libyen sei das wichtigste Mitglied der Afrikanischen Union und die treibende Kraft für die arabische Einheit gewesen. Der Westen hätte gewusst, dass Gaddafi niemals in seinen Anstrengungen nachgelassen hätte, Afrika und die arabische Welt zu vereinen. So habe zum Beispiel Frankreich Libyen gebeten, das Projekt einer einheitlichen afrikanischen Währung wegen seiner „destabilisierenden“ Wirkung zu stoppen.

Im Moment sei es das angestrebte Ziel des Westens, Libyen in drei Teile aufzuspalten, um diese dann sowohl in geografischer als auch politischer Hinsicht schwache Region einer totalen Kontrolle unterwerfen zu können.

Kurz ging Dr. Ibrahim auf die Anschläge der letzten Woche in Frankreich ein. So würden arabischsprachige Medienberichte davon ausgehen, dass die Pariser Terroristen, die letzten Sommer von Syrien nach Frankreich zurückgekommen sind, auch in Libyen gewesen und dort ausgebildet worden seien. Dies könne durchaus zutreffen, denn viele ausländische Kämpfer seien Mitte 2012 von Libyen nach Syrien gereist.

Dr. Ibrahim beendete seine Rede mit dem Hinweis, dass derzeit zwei Millionen Libyer – das heißt ein Drittel der Bevölkerung – im Exil lebten, oft unter erbärmlichen Bedingungen. „Aber wir wollen nicht nur klagen, denn wir haben die Möglichkeit, diese Krise im Rahmen eines nationalen Dialogs, an dem alle Libyer beteiligt werden, zu lösen. Ich kann nicht versprechen, dass dies reibungslos verläuft. Aber ich glaube, dass das Grüne Libyen die Oberhand gewinnen wird.“

(https://www.facebook.com/events/1523875777897346/)

Veranstalter war der Journalist und politische Analyst Hafsa Kara-Mustapha. Weitere Teilnehmer waren Dr. Mabruk Derbash, Professor an der Universität von Tripolis und politischer Kommentator. Er gab an, in vielerlei Hinsicht gegen Gaddafi gewesen zu sein, sich nun aber die durch die Jamahirij verursachten Probleme zurückwünsche, die man angesichts dessen, was aus Libyen geworden ist, gar nicht mehr als Probleme bezeichnen könne. Ein weiterer Sprecher war Sukant Chandan, Koordinator der Trikontinentalen Antiimperialistischen Plattform und politischer Analyst, der 2011 während der NATO-Aggression dreimal aus Libyen berichtet hatte.

Anmerkung: Im Oktober 2012 widersprach Dr. Ibrahim Berichten aus dem Pressebüro des libyschen Premierministers über seine Gefangennahme. Er befände sich nicht einmal im Land. Diese Berichte seien nur der Versuch, von den Verbrechen des Regimes in Bani Walid abzulenken. Libyens stellvertrentender Premierminister Mustafa Abushagur entschuldigte sich anschließend auf Twitter für die Berichterstattung über die angebliche Gefangennahme.

Dr. Ibrahims jüngerer Bruder wurde im Alter von 25 Jahren durch einem britischen Apache-Gunship in Zawija getötet.

13:56 15.01.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Angelika Gutsche

Reisen führten Angelika Gutsche unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan. Viele Reportagen fanden Veröffentlichung.
Angelika Gutsche

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