Martin Bujard und Sven Rahner
01.08.2012 | 16:16 7

Zeit neu denken

Lebensverläufe Trotz gestiegener Lebenserwartung und höherer Produktivität erleben wir eine enorme Zeitknappheit. Ein Plädoyer für mehr Freiräume zur Gestaltung von Arbeit und Leben

Zeit neu denken

Immer weniger Zeit für Selbstbestimmung: Das sollte sich ändern

Foto: Joel Saget / AFP / Getty Images

Ist Glück eine Frage des Geldes oder hängt es nicht eher mit Zeitwohlstand zusammen? Elternzeit, Familienzeit, Pflegezeit, Weiterbildungszeit, Auszeit, Qualitätszeit - schon diese kurze Aufzählung macht deutlich, dass dem Faktor Zeit in unserer modernen Gesellschaft eine besondere Rolle zukommt, wenn es um die Verwirklichung persönlicher Lebensvorstellungen geht. Umfragen verdeutlichen die Zeitknappheit vieler Menschen, das hohe Stressempfinden und den Wunsch nach einer besseren Zeitbalance. Dabei steigt die Lebenserwartung - wir haben also mehr Lebenszeit als früher. Öffnet man nun die Perspektive auf den gesamten Lebensverlauf, ergibt sich eine enorme Chance, diesen Zeitkonflikt zu reduzieren. Darüber hinaus ist eine adäquate Zeitpolitik für wichtige gesellschaftspolitische Ziele wie die Geburtenentwicklung und die Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland relevant.

Dennoch fehlt es immer noch an einem politikfeldübergreifenden institutionellen Rahmen für eine gerechte, selbstbestimmte und flexible Verteilung von Zeit im Lebensverlauf. Einige zentrale gesellschaftliche Entwicklungen, die hinter den öffentlichen Debatten um den Wandel von Arbeit und Demografie liegen, lassen sich durch eine konsistente Lebensverlaufspolitik und damit einer besseren Vereinbarkeit von Bildungs-, Berufs- und Familienbiografie positiv beeinflussen.

Politik und Wirtschaft hinken hinterher

Die Möglichkeiten und Ansprüche unserer hochmodernen Gesellschaft sind gewachsen und die Lebenswege von einer großen Pluralität geprägt. Jedoch haben sich die ökonomischen und politischen Strukturen nur unzureichend an diese Vielfalt angepasst; die Strukturen sind rigide und haben gelegentlich suboptimale Wirkungen. Das ist ein zentraler Grund, warum der Fortschritt der letzten Jahrzehnte nicht zu der höheren Lebensqualität geführt hat, die möglich wäre. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Rush-Hour des Lebens, die die Situation für viele 25- bis 40-jährige Frauen und Männer kennzeichnet: Sie haben nur wenige Jahre, um den Berufseinstieg, die berufliche Etablierung, Wohnortswahl, Partnerwahl und Familiengründung zu erreichen. Diese Herausforderung ist heute schwieriger als in den vorangegangenen Jahrzehnten, da die berufliche Etablierung später im Lebensverlauf erfolgt, das Einkommen vergleichsweise zu älteren Generationen gering ist und ein hohes Maß an Mobilität und zeitliche Flexibilität erwartet wird.

Andererseits sind die beruflichen Möglichkeiten in den letzten Jahrzehnten gewachsen, insbesondere für junge Frauen, die beruflich besser qualifiziert sind als ihre Mütter und Großmütter. Diese neue Konstellation beinhaltet nicht nur Entscheidungskonflikte der jungen Generation, sondern hat auch erhebliche gesamtgesellschaftliche Implikationen: Sie ist maßgebliche Ursache des Geburtenrückgangs, der zu erheblichen Verwerfungen in den Sozialversicherungen und zu Fachkräfteengpässen führt. Die niedrigen Geburtenraten Deutschlands, die seit den 1970er Jahren ein Drittel unter Bestandserhaltungsniveau liegen, haben zu Beitragserhöhungen und Rentenkürzungen geführt.

Eine höhere Geburtenrate ist ein gesamtgesellschaftliches Ziel, das die Legitimation einer familienpolitischen Maßnahme zusätzlich verstärken kann. Primär sollte es allerdings darum gehen, Wahlfreiheit herzustellen, denn gegenwärtig ist die Entscheidung für Kinder oft eine Entscheidung gegen berufliche Chancen. Da sich über 90 Prozent junger Frauen grundsätzlich Kinder wünschen und der Wunsch nach beruflicher Teilhabe ebenso groß ist, scheint die Wahlfreiheit faktisch nicht gegeben, wenn 22 Prozent der Frauen lebenslang kinderlos bleiben und ein Großteil der Mütter nicht erwerbstätig ist bzw. in Stellen arbeitet, die unter ihrer Qualifikation liegen. Dies ist eine zentrale Herausforderung für die Gleichstellung von Frauen und Männern.

Eine neue Balance von Arbeit und Leben

Der Rückgang der Bedeutung der sozialversicherungspflichtigen Vollzeiterwerbstätigkeit als Normalarbeitsverhältnis und die Zunahme von Leiharbeitsverhältnissen, Werkverträgen und Formen prekärer Beschäftigung erschweren die Lebensplanung. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) machte unlängst in einer Studie auf die besondere Schieflage im Niedriglohnsektor aufmerksam. Die Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor arbeiten laut dieser Erhebung im Schnitt fast 45 Wochenstunden. Ein Viertel versucht gar mit über 50 Wochenstunden den Rückstand zu den monatlichen Durchschnittsverdiensten aufzuholen. Die Beschäftigten müssen im Gegenzug mit erhöhten Gesundheitsrisiken rechnen. Eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt, dass sich der Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse bei den 30- bis 40-Jährigen in den letzten 15 Jahren verdoppelt hat.

Aktuelle Erkenntnisse über psychische Belastungen am Arbeitsplatz verweisen ohnehin darauf, dass es rund vier Jahrzehnte nach Einführung des staatlichen Programms zur "Humanisierung des Arbeitslebens" durch den damaligen Bundesbildungsminister Hans Matthöfer erneut an der Zeit ist, die Balance von Arbeit und Leben wieder stärker in den Fokus staatlichen Handelns zu nehmen. Einer Untersuchung des Bundesarbeitsministeriums von April 2012 zufolge ist der Anteil derjenigen Krankheitstage, die auf psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen entfallen, im Verhältnis zu allen Arbeitsunfähigkeitstagen seit 2001 von 6,6 auf 13,1 Prozent gestiegen. Als Ursachen hierfür werden die zunehmende Arbeitsbelastung und der Stress am Arbeitsplatz genannt. Unter den Betroffenen sind auch viele Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter, die sich mit den Auswirkungen der unsteten Gestaltung der Arbeitsverhältnisse, etwa durch den ständigen Wechsel von Arbeitsort und zeitlich befristeten Arbeitsverträgen konfrontiert sehen. Darüber hinaus haben die Betroffenen zumeist einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsförderungsmaßnahmen.

Die schlimmsten Belastungen betreffen mit dem Gesundheitswesen und den Sozial- und Erziehungsberufen ausgerechnet diejenigen Branchen, in denen schon jetzt die Fachkräfte ausgehen und Engpässe das Erreichen wichtiger gesellschaftspolitischer Ziele nahezu unmöglich machen. Der volkswirtschaftliche Schaden ist jetzt schon erheblich: Die Kosten für Behandlung, Prävention und Rehabilitation von psychischen Erkrankungen, die auf Belastungen am Arbeitsplatz zurückzuführen sind, beliefen sich 2011 auf rund 6,3 Milliarden Euro.

freie Lebensplanung als soziale Frage

In das Zentrum von Gerechtigkeitsfragen werden in Zukunft daher vermehrt Fragen rücken, welche die ungleich verteilten Flexibilitäts- und Mobilitätsanforderungen auf der einen Seite und Verwirklichungschancen sowie Lebensplanungsmöglichkeiten auf der anderen Seite zum Thema haben. Der Wandel von Arbeit und Demografie beinhaltet aber nicht nur Risiken, er kann auch zu neuen Durchsetzungsspielräumen für familienorientierte Arbeitszeiten und Auszeiten in besonders belastenden Lebenssituationen auf der betrieblichen Ebene führen. Ebenso kann damit ein Ausbau sozialer Rechte wie ein Recht auf Weiterbildung und Nachqualifizierung auf der politischen Ebene einhergehen. Die beruflichen Möglichkeiten - insbesondere die gestiegenen Optionen von Frauen - könnten im Zuge der demografischen Entwicklung dafür sorgen, dass die gängigen Personalentwicklungs- und Rekrutierungsschablonen deutscher Unternehmen zunehmend in Bewegung geraten. Klar ist, dass viele klein- und mittelständische Unternehmen mit geringen Personalentwicklungskapazitäten Unterstützung für eine fortschrittliche Personalpolitik brauchen. Dazu gehört ein verlässlicher gesetzlicher Rahmen für eine Lebensverlaufspolitik.

Prinzipiell gibt es einige Entwicklungen, die zu mehr zeitlichem und monetärem Wohlstand führen sollten: Die Lebenserwartung nimmt zu, ebenso die Produktivität, dazu ermöglichen technische Innovationen schnellere Mobilität und dezentrale Arbeit. Fortschritt bedeutet, solche Strukturen in Sozialstaat und Arbeitsmarkt zu schaffen, dass diese Entwicklungen auch die Lebensqualität der Menschen verbessern. Dazu ist ein breiter, ineinander greifender und sich gegenseitig ergänzender lebensverlaufsorientierter Maßnahmenmix notwendig, der eine Verzahnung von Berufs-, Bildungs- und Familienbiografie ermöglicht. Ein solcher Lebensverlaufsansatz kombiniert eine Familienpolitik, die ganztägige Betreuungsangebote von der Kita bis zum Schulabschluss bereitstellt und Fürsorgephasen für beide Eltern etabliert, mit einerBildungspolitik, die modulartig und berufsnah ein lebenslanges Lernen ermöglicht, und einerArbeitsmarktpolitik, die temporäre Auszeiten und Teilzeitarbeit in bestimmten Lebensphasen so fördert, dass die Flexibilisierung nicht zu Karrierenachteilen führt.

An Ideen und Konzepten zur familien-, bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Unterstützung bei der selbstbestimmten Gestaltung neuer Familienkonstellationen, Bildungs- und Arbeitsbiografien fehlt es freilich nicht. Bislang mangelt es jedoch an der politischen Aufnahmefähigkeit und der konkreten Umsetzungskonsequenz. Auch stehen viele kluge Konzepte und anwendungsorientierte Forschungsergebnisse noch zu unverbunden im politischen Raum. Eine systematische Zusammenführung der lebensverlaufspolitischen Anknüpfungspunkte aus den familien-, arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Diskursen könnte weiterhelfen.

Das Modell des Vorsorgenden Sozialstaats

Der Siebte Familienbericht im Jahr 2006 verankerte konsequent die Lebensverlaufsperspektive in der familienpolitischen Reformdebatte und verdeutlichte die zentrale Bedeutung des Nebeneinanders von Zeit, Geld und Infrastruktur als familienpolitische Trias, um Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Der Erste Gleichstellungsbericht (2011) entwarf ein entsprechendes gesellschaftspolitisches Leitbild und stellte die Kategorie der Zeitsouveränität in den Mittelpunkt einer Systematisierung der Lebensverlaufspolitik. Den Weg einer solchen Lebensverlaufspolitik zu beschreiten, bedeutet, sozialpolitisch garantierte individuelle Strategien aufzugreifen und in einem übergreifenden, erwerbsorientierten Gesellschaftskonzept weiterzuentwickeln. Denn Integration in den Arbeitsmarkt kann als eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe gelten.

Im Zentrum sollte dabei stehen, Orientierung in Zeiten der Unsicherheit zu bieten, Brücken in den Arbeitsmarkt zu bauen und den Einzelnen Freiräume zur Gestaltung von Arbeit und Leben zu geben. Dieses Ziel lässt sich sehr gut in das politikfeldübergreifende, normative Bezugssystem des Vorsorgenden Sozialstaats einbetten, das auf konzeptionellen Arbeiten von Amartya Sen und Wolfgang Schroeder aufbaut. Der Kerngedanke liegt darin, auf den Feldern der Bildungs-, Familien-, Gesundheits- und Integrationspolitik ungleich verteilten Startchancen frühzeitig entgegenzuwirken sowie vielfältige über den Lebensverlauf verteilte erneute Ausbildungs- und Qualifizierungschancen anzubieten. Das Modell der Beschäftigungsversicherung, das von Günther Schmid in die arbeitsmarktpolitische Debatte in Deutschland eingebracht wurde, bietet dafür als lebensverlaufsorientierter bildungs- und arbeitsmarktpolitischer Ansatz eine konkrete Konzeptionalisierung an.

Dreh- und Angelpunkt einer systematisch ausgestalteten Lebensverlaufspolitik könnte, neben dem Recht auf Weiterbildung und einer lebensbegleitenden Qualifizierungsberatung, ein persönliches Entwicklungskonto mit individuellen Ziehungsrechten zur Finanzierung von Auszeiten für Weiterbildung, Fürsorge, Familie sowie präventive Gesundheitsmaßnahmen bilden. Flankiert werden müsste diese Weiterentwicklung der Arbeitslosenversicherung durch eine fortschrittliche Zeitpolitik, die staatlich gefördert und rechtlich ausgestaltet für die notwendige Planungssicherheit sorgt und in den Betrieben durch Arbeitszeitkonten oder tarifvertragliche Regelungen umgesetzt werden könnte. Der bildungspolitische Reformprozess ist dahingehend weiter voranzutreiben, dass in einer gemeinsamen Kooperation von Bund und Ländern modulartige und berufnahe Elemente gestärkt und die Gleichwertigkeit von schulischer und beruflicher Bildung weiter ausgebaut werden können. Ziel muss es sein, die Übergänge von Ausbildung in Arbeit und Weiterbildung sowie die Durchlässigkeit des Bildungssystems insgesamt zu verbessern.

Familienpolitik ist auch Zeitpolitik

Die Familienpolitik sollte nicht nur die explizite Zeitpolitik, sondern auch die finanziellen Transfers und die Betreuungsinfrastruktur an den speziellen Erfordernissen von Familien im Lebensverlauf orientieren. Da Studien zeigen, dass das Haushaltseinkommen bei Familien mit kleinen Kindern besonders niedrig ist, sollte hier ein Schwerpunkt gesetzt werden. Auch ein Umbau kindbezogener Leistungen zu einer Kindergrundsicherung ist eine Option. Eine konsequent lebensverlaufsbezogene Betreuungs-Infrastrukturpolitik sollte zeitnah die Lücken schließen, auf die Familien regelmäßig stoßen: fehlende Betreuung in den Ferien, der gelegentlich vorkommende Halbtagsschock, den Familien erleiden, wenn sie nach Jahren in der ganztägigen Kita auf ein Halbtagsschulsystem treffen.

Bei der Zeitpolitik sind Elterngeld und Elternzeit ein Lichtblick einer lebensverlaufsorientierten Familienpolitik. Wie Studien des BiB und des DIW zeigen, erhöht sich dadurch die Zeit für Kinder in der Babyphase ebenso wie das durchschnittliche Einkommen, zudem erhöht sich die berufliche Rückkehrquote.Derartige Familienzeitmodelle ließen sich auf den gesamten Lebensverlauf ausdehnen, sodass z.B. sechs Monate zusätzlich zur Elternzeit flexibel in kleineren Abschnitten bis zum 18. Geburtstag eines Kindes genommen werden können. Der springende Punkt bei dieser Zeitpolitik ist, dass sich die Zeitsouveränität vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer verschiebt. Bezogen auf Familien heißt das, dass der Arbeitsmarkt stärker auf den Zeitbedarf von Eltern Rücksicht nimmt als umgekehrt.

Diese Zeitpolitik betrifft Väter und Mütter gleichermaßen, und da die familienbedingten Unterbrechungen bei vielen Müttern zu erheblichen beruflichen Nachteilen führen, ist die Gleichstellung auch eine Frage der Lebensverlaufspolitik. Einerseits sollte der berufliche Wiedereinstieg erleichtert werden, andererseits sind Anreize für Männer, wie sie das Elterngeld bietet, hilfreich. Lebensverlaufspolitik ist zudem eine kulturelle Frage: Die Akzeptanz für temporäre Erwerbsunterbrechungen bei beiden Geschlechtern und in den Betrieben ist der Schlüssel für den Wandel.

Die gestiegenen Anforderungen in den wissensbasierten Arbeitsmärkten der Zukunft müssen keinesfalls der Zeit für Familie und Freizeit im Wege stehen. Die Lebensverlaufsperspektive weist auf die zentrale Ressource "Zeit", die weitaus besser verteilt ist als die Ressource "Geld". Die kohärente Kombination von Lebensverlaufspolitiken der Bereiche Familie, Bildung und Arbeitsmarkt sollte dabei helfen, diese Ressource besser zu nutzen. Die meisten von uns haben heute genug Zeit für eine gute Ausbildung, ein Berufsleben entsprechend ihrer Fähigkeiten und das Aufziehen von Kindern. Die Voraussetzungen sind Offenheit für die Weiterqualifikation und beruflichen (Wieder-)Einstieg sowie Verlässlichkeit hinsichtlich von Einkommen, Infrastruktur und Arbeitsplatz. Eine solche Lebensverlaufspolitik hat durchaus ihren Preis. Jedoch wirkt sie sich nicht nur auf das individuelle Wohlbefinden positiv aus, sondern birgt auch gesamtgesellschaftliche Vorteile, da sie die Arbeitsmarktbeteiligung vieler Menschen - gerade von Frauen und Älteren - erhöhen kann, langfristig die Geburtenrate steigert und das Qualifikationsniveau verbessert. All diese Prozesse sind ein großer Hebel, um die staatlichen Einnahmen über einen Zugewinn an Sozialabgaben und Steuern zu erhöhen - daher ist der gesellschaftliche Fortschritt einer konsistenten, politikfeldübergreifenden Lebensverlaufspolitik gut mit langfristigen ökonomischen Wachstumszielen zu verbinden.

 

Eine Kooperation mit dem Fortschrittsforum

Martin Bujard ist Senior Researcher am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Er ist Koordinator in der Akademiegruppe "Zukunft mit Kindern". Sein Schwerpunktthema ist Familienpolitik.

 

Sven Rahner ist Politikwissenschaftler und Doktorand am Lehrstuhl Politisches System der BRD an der Universität Kassel. Zuvor war er als Fachreferent für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik im Deutschen Bundestag tätig. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe Arbeit und Leben des Fortschrittsforums.

 

Das 95-köpfige Fortschrittsforum arbeitet unter der Leitung von Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin, Angelika Gifford, Direktorin von Microsoft Deutschland und Ernst Ulrich von Weizsäcker, Leiter des International Resource Panels der UNEP. Es stellt die Frage, wie Fortschritt neu definiert werden kann und wie unser Wohlstandsmodell ökonomisch und ethisch tragfähig gestaltet werden kann. Partner sind die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Otto-Brenner-Stiftung, die Hans-Böckler-Stiftung und das Progressive Zentrum in Berlin.

Kommentare (7)

Nietzsche 2011 01.08.2012 | 21:01

„Zeit neu denken“ Irreführender Titel – suggeriert, dass wir Herr der Zeit sind. Zeit ist aber Sein, welches ohne Menschen und deren ZEITBESTIMMUNG auskommt.

„Umfragen verdeutlichen die Zeitknappheit vieler Menschen,“Diese Umfragen geben den subjektiven Befund wider, dass Menschen meinen, über zu wenig Zeit selbst bestimmen zu können. Dem liegt vermutlich keine objektivierbare Zeitmessung zugrunde.

„Dabei steigt die Lebenserwartung - wir haben also mehr Lebenszeit als früher“Das ist zunächst der Ausgangspunkt, der leider verlassen wird. Wenn die Woche nun mal 72 h hat und wir ein „Normalarbeitsverhältnis“ von 40 h annehmen – die Mehrheit arbeitet glücklicherweise keine 50 h -, so stellt sich doch die Frage, was in den 132 h geschieht. Seit Jahren steigt die Fernsehdauer; seit Jahren verstärkt sich der Trend, dass Jugendliche ihrer Langeweile mit spontanen „facebook-Partys“ begegnen usw. Wir haben mehr Freizeit; nur können die wenigsten – aus objektiven aber auch subjektiven Gründen – diese Zeit nicht gestalten.„erschweren die Lebensplanung“

„wenn 22 Prozent der Frauen lebenslang kinderlos bleiben“kann man dafür nicht ausschließlich (!) der Gesellschaft die Schuld geben. Manche Frauen wollen keine Kinder bzw. finden nicht den Partner, mit dem sie Kinder haben wollen.

Insgesamt liest sich der Beitrag wie ein Auszug aus dem Parteiprogramm der . . . . (jeder denke sich eine Partei hinzu)

chrislow 04.08.2012 | 09:28

Ich denke die Gedanken im Artikel hier noch einmal kurz zusammengefasst zu haben:

Zeitwohlstand, Familienzeit, Qualitätszeit, Fachkräftebasis (Sicherung der), Humanisierung (des Arbeitslebens), Maßnahmenmix (lebensverlaufsorientierter), Lebensverlaufspolitik, Verwirklichungschancen, Rekrutierungsschablonen, Lebensverlaufsorientierung, Flexibilisierung, Familienkonstellationen (selbstbestimmten Gestaltung "neuer"), Lebensverlaufsperspektive, Zeitsouveränität, Gesellschaftskonzept (erwerbsorientierte), Teilhabe (gesellschaftliche), Vorsorgender Sozialstaat, Qualifizierungschancen, Beschäftigungsversicherung, Lebensverlaufspolitik (systematisch ausgestaltete), Zeitpolitik, Durchlässigkeit des Bildungssystems, Familienpolitik, Familienpolitik (lebensverlaufsorientiert), Familienzeitmodelle, Arbeitsmarktbeteiligung, Lebensverlaufspolitik (politikfeldübergreifende)

Aber ... wie zum Teufel klingt das denn...? (in der Wahrnehmung)

MicEva 05.08.2012 | 19:47

Ich frage mich ein bisschen, was meine (offensichtlich männlichen) Vorkommentatoren wohl mit ihren teils unverständlichen, zumeist unsachlichen Aussagen bezwecken wollen... naja, ich finde den Artikel sehr gelungen, weil er endlich einmal eine Zusammenfassung wesentlicher arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Punkte und Zahlen nennt und gleichzeitig gute und neue Ideen aufgreift, um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie politisch umzusetzen. Nun müssen die regierenden Fraktionen dies "nur noch" aufgreifen. Vielen Dank für einen gelungenen Beitrag den beiden Autoren!