gelse

Greif niemals in ein Wespennest, doch wenn du greifst, dann greife fest.
gelse
RE: Gewerbe und Politik | 15.11.2018 | 16:24

Wer entscheidet darüber, ob über ein Regierungsprojekt abgestimmt oder autoritär entschieden werden soll?

Hat irgendein freies Gewissen mal gesagt: "Über die Euro-Einführung kann nur das Volk entscheiden!"?

Oder: "Über die Agenda 2010 kann nur das Volk entscheiden!"?

Bätschi sag ich da nur

RE: Mückenlobby gesucht | 15.11.2018 | 16:17

>>Wie groß ist der Bodensee ?<<

536 Quadratkilometer. Nicht an einem Tag, aber alle eineinhalb Jahre geht ein Bodensee weg.

RE: Sinnlose Homöopathiekritik | 15.11.2018 | 12:26

>>Das kann man natürlich abtun aber wenn ich die Wahl hätte zwei Wochen mehr Leben zu bekommen, würde ich das wählen.<<

Ich würde erst mal nach der Qualität des längeren Lebens fragen ehe ich mich entschiede.

RE: Die prekäre Gesellschaft | 15.11.2018 | 12:20

>>Aber wer in seinem angenehmen, geglaubten gehobenen Status und Besitzstand möchte hierzu schon Veränderungen zulassen!?.<<

So wie es ganz oben nur sehr Wenige mit sehr grossem Vermögen und entsprechender ökonomischer Macht und Definitionsmacht Ausgestattete geben kann, so hat auch die Mittelschicht eine begrenzte Aufnahmefähigkeit. Nicht nur, weil die Oberen eben nur eine begrenzte Anzahl Oberdiener brauchen, sondern weil auch die Prekären gebraucht werden: Wer würden denn die mies bezahlten „einfachen Arbeiten“ verrichten, wenn alle aufsteigen könnten?

Und wenn doch, würden dann die Aufsteiger nicht den schon Etablierten ihre Pöstchen streitig machen? Ja, sie müssten es, denn sonst steigen sie ja nicht auf.

Daraus ergibt sich: Sozialer Aufstieg für Alle in einer hierarchischen Gesellschaft ist eine Fiktion, eine Möhre, die man dem Esel vor die Nase hängt. Besser fragen wir doch, wie eine unhierarchische Gesellschaft erreichte werden kann: Jede/r nach seinen/ihren Fähigkeiten, Jedem/Jeder nach seinen/ihren Bedürfnissen.

RE: Bahnzai! | 15.11.2018 | 11:37

>>Für den Bau eines vierspurigen kreuzungsfreien Fernstrassennetzes wurden Gewinne von der Reichsbahn abgezogen.<<

Ergänzung dazu: Das "Autobahn"-Projekt war von der Regierung Brüning ab 1930 als "Arbeitsbeschaffungsmassnahme" deklariert.

Im Jahre 1903 erreichte ein Elektrotriebwagen auf der Versuchsstrecke Berlin-Zossen 210 Km/h. Damals stand sozusagen der ICE ante portas.

Hätte man 1930 der Reichsbahn ihr Geld gelassen, dann hätte auf der Grundlage des Hochgeschwindigkeitstriebwagens schon damals der ICE entwickelt werden können. Mit Entwicklung und Bau von schnellen Zügen plus Trassenbau für die hohe Geschwindigkeit wären mindestens genau so viele Arbeitsplätze entstanden wie mit der Autobahn.

RE: Gewerbe und Politik | 15.11.2018 | 11:04

>>Die Menschen dürfen dann noch darüber mitentscheiden, wer als Bundeskanzler mithilft, diese Parasiten zu füttern.<<

Wobei das eben keine Sachentscheidung ist: Wir wissen ja durchaus, dass wir mit wechselnden Regierungen dahin gekommen sind wo wir heute sind.

Die Sachentscheidungen aber setzen voraus, dass man sich mit der Sache auseinander setzt. Am Beispiel der oben erwähnten Braunkohle: Wer Kohlekraftwerke abschaffen will, sollte sich mit den Möglichkeiten der Bereitstellung von Elektroenergie, mit technischen Möglichkeiten der Einsparung und, bei technischen Änderungen z. B. bei Verkehr/Transport einer möglichst geringen Verbrauchssteigerung befassen. Das heisst, wer technisch klug entscheiden wollte (und darum geht es bei der Frage Kohle oder nicht) muss die Scheu vor technischen/physikalischen Fragestellungen überwinden. Technisch unwissend bleiben zu wollen ist hier genauso fatal wie alle Entscheidungen einer am finanziellen Infusionsschlauch der Kapital-Lobby hängenden Regierung zu überlassen.

Das gilt für alle Entscheidungen, wer z. B. über das Gesundheitswesen entscheiden will, sollte sich medizinische Grundkenntnisse aneignen, usw.

Wenn man erst mal begriffen hat was man nicht weiss, ist es nicht besonders schwer Wissenslücken zu füllen, weil man die Details ja demokratisch beauftragten kontrollierten Expertenräten überlassen könnte.

Solange man nichts wissen muss, weil ja eh alles von oben entschieden wird läuft es eben so wie es läuft.

Der kapitalistische Staat hat die Aufgabe die Parasiten zu füttern, und die erfüllen seine Diener gewissenhaft. Wir könnten es anders wollen. Überlegen wir also, wie wir unseren Staat aufbauen wollen würden, wenn wir in mal Besitz nähmen.

RE: Gewerbe und Politik | 15.11.2018 | 10:56

>>Jeder Kleinstunternehmer verlangt von seinen Mitarbeitern Loyalität.<<

Ja. Es kein Arbeitsvertrag bekannt, in dem steht: "der/die Mitarbeiterin ist an keine Aufträge und Weisungen gebunden und nur seinem/ihrem Gewissen unterworfen"

Und es kein Arbeitsvertrag bekannt, der Lohnarbeitern 4 Jahre Vertrauensvorschuss ohne Eingreifmöglichkeit gewährt.

Das ist der Unterschied zwischen oben und unten: Der Arbeitskraftkäufer legt vertraglich seine "oben" - Stellung fest, als Besitzer der Produktionsmittel. Das GG entlässt die Bürger aber nicht aus der Untertanenrolle: Sie dürfen in freien geheimen Wahlen entscheiden, wer ihren Schaden mehrt und Nutzen von ihnen wendet, aber das muss genügen.

RE: Bahnzai! | 15.11.2018 | 09:08

>>…selbst innerhalb des vergleichsweise kleinen Deutschland – geflogen und auf Autobahnen herumgerast, während das Eisenbahnnetz schrumpft.<<

Und das in der dichtbesiedelten BRD. In Japan wurde nie davon ausgegangen, dass das Automobil das Hauptverkehrsmittel sein solle. Deswegen wurde der Bahnverkehr konsequent ausgebaut, Streckenabbau kam niemals in Frage. Die Benützbarkeit eines Bahnsystems hängt nur teilweise von der Geschwindigkeit auf Langstrecken ab, genauso wichtig ist die Erreichbarkeit. Hier wird Geld in teuren, verkehrstechnisch fragwürdigen Projekten wie S21 oder münchner S-Bahntunnel versenkt: Geld, dass für den Ausbau des Bahnnetzes in der Fläche fehlt.

Das bahnfeindliche Regierungsprinzip lässt sich bis in die 1930er Jahre zurückverfolgen: Für den Bau eines vierspurigen kreuzungsfreien Fernstrassennetzes wurden Gewinne von der Reichsbahn abgezogen. Womit der seltsam anmutende Begriff „Auto-Bahn“ erklärt ist.

Auch die Verkehrswegepläne der BRD stellten stets die Förderung des Automobilverkehrs in den Vordergrund. Nicht nur wurde das Autobahnnetz zügig weiter ausgebaut, auch Städte wurden massiv umgebaut um den Massenautomobilverkehr aufnehmen zu können. Unabhängig davon, welche Parteien gerade regieren, war und ist der Verband der Automobilindustrie der übergeordnete Entscheider. Manche nennen das Korruption, aber das ist natürlich politisch unkorrekt.

Auch im europäischen Vergleich zeigt sich, dass dort wo ein dichtes Bahnnetz mit integriertem Fahrplan existiert dieses Angebot gerne angenommen wird.

Ausserdem nützt es eben nichts, wenn man einerseits zwar theoretisch in 4 Stunden von München nach Berlin käme, praktisch aber wegen unzureichender Wartung der Zug ausfällt.

RE: Der Busch brennt | 14.11.2018 | 13:02

„Pünktlich wie die Eisenbahn!“ Der Spruch war mal üblich wenn jemand einen Termin auf die Minute genau einhielt. Heute gibt es über die Deutsche Bahn AG den anderen Spruch: „Wartung heisst, man wartet bis etwas kaputtgeht gibt dann Verspätung für unbestimmte Zeit oder den Zugausfall bekannt“. In der Schweiz und in Japan sind die Züge immer noch pünktlich wie die Eisenbahn. Man staunt, versteht es nicht und fragt sich: „Wie machen die das bloss?“

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Interessant finde ich einen Rückblick in das Jahr 1958:

https://www.youtube.com/watch?v=kWQH--ubZJU

Es wird klar, dass die technische Weiterentwicklung sehr wesentlich von der Behörde Bundesbahn angeschoben wurde, dass die Umsetzung durch die Bahn AG aber auf mangelhaftem technischem Niveau erfolgte: Massive Verspätung und Komplettausfälle von Zügen sind ein typisches Symptom der Bahn AG.

Als problematisch wurde dargestellt, dass die Bahn trotz der Verpflichtung, bei jedem Wetter und jedem Auslastungsgrad ihre Verkehrs- und Transportdienstleistung zur Verfügung zu stellen hat und im Personenverkehr Sondertarife für Schüler, Studenten, Berufspendler und kinderreiche Familien bieten muss; dass sie aber trotzdem als unsubventionierter Wirtschaftsbetrieb für alle Kosten selber aufkommen musste. Das führte zu Lästereien über die defizitäre Bundesbahn in Medien, die natürlich nichts über die Gründe sagten. Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft hat das Problem nicht gelöst, sondern nur verschoben.

Wenn öffentliche Verkehrsmittel eine gesellschaftswichtige Aufgabe zu erfüllen haben können sie nicht als profitorientierte Firma betrieben werden. Das funktioniert weder bei Verkehrsmitteln noch bei Krankenhäusern, Schulen oder Wasserwerken. Wie wir heute durchaus wissen.

Interessant finde ich die damalige Einschätzung, dass die Erwartungen an Haltbarkeit von Bahnfahrzeugen den technischen Fortschritt behindere: Weniger robuste Technik erfordert mehr Kontrolle und Wartung, das aber kann eine den Personalstand stets am unteren Limit haltende profitorientierte AG nicht leisten. Wie sich schon am Eschede-Unfall zeigte.

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In einigen Städten sind die öffentlichen Verkehrsmittel fahrscheinfrei. Die Kosten sind wahrscheinlich nicht so hoch wie es auf den ersten Blick scheint: Kosten für Fahrscheinautomaten und Kontrollen entfallen. In einer gesamtgesellschaftlichen Rechnung sind auch die geringeren Kosten für Bau und Instandhaltung der Strassen, die Verkehrspolizei, die Arbeitsausfälle durch Unfälle etc. gegenzurechnen: Wenn alle schwarzfahren wird das Schwarzfahren billiger.

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Dass dringend mehr für die Verlegung von Verkehr und Transport getan werden muss, neben Verkehrsvermeidung, halte ich auch für richtig. Ein wichtiges Argument dafür ist, dass das System Metallrad/Metallschiene für die gleiche Transportleistung wesentlich weniger Energie verbraucht als der Strassenverkehr. Elektromobilität auf Schienen erfordert also weniger Energiebereitstellung als auf der Strasse. Dazu kommt die geringere Unfallrate und die potentiell hohe Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs, wie in einigen Ländern ja bewiesen wird.

RE: Sollen sie doch Ratten jagen | 14.11.2018 | 12:30

Noch ein Aspekt: Als die "S"PD/Grün-Regierung ihre Hetzkampgane gegen "die faulen Arbeitslosen" zur Einführung des Hartz4-Systems startete, da hetzten viele meiner damaligen Arbeitskollegen mit Schröder/Müntefering/Metzger begeistert mit. Kurz darauf kam der Insolvenzverwalter in die Firma. Da wurde den Leuten plötzlich klar, dass sie möglicherweise bald selber zu dem faulen Pack gehören, über das sie eben noch abgelästert hatten.