Islamismus ist rechts

Religion und Extremismus Warum wird ein Unterschied zwischen rechtem und islamischem Extremismus konstruiert?Die Religion ist der Ursprung allen rechten Denkens!
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Immer wieder, zum Beispiel in dem aktuellen Debattenbeitrag "Alle Religionen haben ein Gewaltproblem", fällt mir auf, dass rechter und islamischer Extremismus gegenübergestellt werden. Warum nur? Es gibt viele Gründe, Islamismus ganz klar als rechts zu verorten.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass am Anfang der Links-Rechts-Dichotomie eine Rechte stand, die Macht und Einfluss der Religion erhalten wollte - auch als ideologische Stütze der Adelsherrschaft, aber nicht nur. Ein Blick in die islamisch geprägte Weltregion zeigt außerdem, dass dort als rechts in allererster Linie die Religiös-Konservativen gelten - im Gegensatz zu Sozialisten, Liberalen und (auch!) Nationalisten, soweit sie säkular denken.

Aber auch inhaltlich macht es Sinn, den Islamismus als eine durch und durch rechte Strömung zu sehen - zumindest wenn man als Kern der Links-Rechts-Dichotomie den Gegensatz von Materialismus und Idealismus sieht (was ich jedenfalls tue). Die meisten Religionen haben nicht in erster Linie ein Gewaltproblem (wie im Beitrag erwähnt), sondern vor allem ein Jenseits-Problem: Wenn das Leben "hier auf Erden" nur - wie in den abrahamitischen Religionen - ein Vorspiel ist, eine Vorbereitung, ein Test, oder gar - wie im Buddhismus - eine Art Hölle, aus der man sich herauszuarbeiten versucht, dann spielt eine Verbesserung der menschlichen Lebenumstände in der realen Welt kaum eine Rolle. Ausbeutung, Diktatur und Krieg; Klimakatastrophe, Ressourcenerschöpfung und Pandemien - aus Sicht der Religion alles nebensächlich, weil diesseitig, verglichen mit der "Ewigkeit" nur vorübergehend, und womöglich auch einfach "Schicksal" oder "Gottes Wille".

In den "europäischen" Religionen fällt heute dieser rechte Ursprung nicht mehr so auf, weil sie sich zum Teil bereits in schlichte Sozialverbände verwandelt haben, in denen Metaphysik keine große Rolle mehr spielt. Dass speziell der Islam sich so schwertut mit einer solchen Anpassung, liegt auch an dem theologischen Grundproblem, dass als Autor des Korans Gott selbst gilt (der seinem "Sekretär" Muhammed quasi nur aufs visionäre Diktiergerät gesprochen hat). Eine Neuinterpretation der heiligen Schrift ist in dieser Logik nicht hinnehmbar, weil dann Menschen Gott etwas in den Mund legen würden. Hier liegt der logische Ursprung des islamischen Fundamentalismus, und die Unterstützung islamischer Reformtheologen wäre daher das Wichtigste, was in dieser Richtung unternommen werden könnte.

Aber: Idealistisch sind auch die "europäischen" Religionen weiterhin geprägt, und damit leisten sie einen großen Beitrag zur Verbreitung des Prinzips "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg" - von dort ist es dann aber nicht weit zum "Triumph des Willens", zu den "alternativen Fakten" oder der Aussage "Wer Arbeit will, findet auch welche". Es muss sich eben jemand, der davon geprägt ist, "nur noch" radikalisieren (und nicht seine Einstellung um 180° drehen). Das lässt sich auch nicht dadurch entkräften, dass Faschisten meist areligiös auftreten - was sie ablehnen, ist ja nur die äußerliche Erscheinung der Religion, während sie den Wesenskern aller Religionen zutiefst verinnerlicht haben: Den Idealismus, also die Einstellung, dass Geist und Wille, Ideen und Identitäten es sind, von denen die materielle Welt geprägt wird statt andersherum.

Warum also die Gegenüberstellung von rechtem und "islamischem" Extremismus, wo doch Religion an sich schon rechts ist, ja geradezu der Ursprung aller rechten Ideen?

Eine Vermutung wäre, dass damit im journalistischen Tagesgetümmel unbewusst einfach das Framing der "Rechten" (im Sinne von völkischen Nationalisten) übernommen wird, die in Europa dem Islam den Krieg erklärt haben. Doch handelt es sich dabei ja eigentlich nur um eine unbedeutende inner-rechte Auseinandersetzung, und die linke Publizistik täte gut daran, der Gesellschaft den wirklichen und viel größeren Gegensatz klarzumachen, der zwischen allen - religiösen oder säkularen, aber immer idealistischen - Rechten einerseits besteht, und der materialistischen Linken andererseits, die das zusammengesponnen Geistige aus dem unverrückbar Handfesten heraus erklärt.

Oder sollte es gar so stupid sein, dass die bis heute verwendete Einteilung des Verfassungsschutzes in linken, rechten und "ausländischen" Extremismus das hier wirkende Framing darstellt? Man möchte es nicht glauben, aber wer weiß? Der Hang der Linken zum "korrekten" Sprachgebrauch und ihr immer drängenderer Versuch, die Regeln des öffentlichen Sprechens zu prägen, macht vielleicht auch anfällig dafür, sich generell an geltenden Sprachregelungen zu orientieren.

13:17 14.11.2020
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Geschrieben von

Lt. Commander Geordi LaForge

If it works the way I think it will, once the invasive program starts spreading, it'll only be months before the Borg suffer total systems failure.
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