Wenn die feurigen Mädchen die schönen Jünglinge zeichnen dürften, wie sie wohl könnten, wenn es erlaubt wäre

UNVERMUTETE MESALLIANCEN Eine Betrachtung im Blickwechsel über die Bilder von Paula Modersohn-Becker und Käthe Kollwitz
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Zwei Bilder hängen da, als hätten sie einen Namen. Das eine, sagen wir, heißt Käthe; das andere Paula. Einmal eine Mutter, sichtlich angehärmt, ein Kleinkind im Arm, Bleistift, das Kind ist in ein Tuch gebettet, hält die Augen geschlossen, die Mutter schaut es an, das Thema ist klar. Armut. Und wieder eine Mutter, wieder ein Kind, aber alles ist anders. Der Blick der Mutter fällt in eine Leere, die sich zu Füßen der Betrachterin, des Betrachters öffnet. Auch hier hält das Kleinkind seine Augen zu, aber mit Lust, denn die Mutter gibt ihm die Brust. Die Mutter schaut das Kind nicht an, denn es geschieht etwas zwischen den Beiden, an dem niemand anderes teilnimmt.

Bei Käthe Kollwitz gibt es dies auch: zwei Lebewesen, die einander f