George

Interessierter Zeitgenossel
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RE: Das Prinzip Führung | 07.04.2009 | 23:23

Führungsschwäche im gesellschaftlich-stategischen Sinn ist gewiß ein Merkmal Frau Merkels. Als geradezu wohltuend empfinde ich aber, dass Sie sich kaum bemüht, anders als ihr Vorgänger im Amt, beim Publikum eine Illusion von Führungsstärke zu erzeugen.

Erstaunlich aber finde ich, dass Führung gerade jetzt reklamiert wird., da der Westen am Kulminationspunkt einer nahezu 10-jährigen Entwicklung steht. Dieser Prozess brachte seither stetig wachsende chinesische Export- und US- Importüberschüsse hervor. Die Finanzierung dieses wachsenden Ungleichgewichts erfolgte durch die überwiegende Anlage der Exporterlöse Chinas in US- Staatsanleihen. Zugleich verschuldeten sich US-Privathaushalte zunehmend, wobei lokale Banken ihre Kreditrisiken mittels Finanzinnovationen weltweit streuten.

Dieses Vorgehen brachte weiten Teilen der beteiligen Gesellschaften mehr Wohlstand, wenngleich nur auf Zeit und um den Preis enormer Verschuldung. In Zeiten des Problemaufbaus verlangte im Westen, soweit mir ersichtlich, niemand nach Führung bzw. Problemlösung, Vielmehr herrschte dort, in dieser Zeit weitgehender gesellschaftlicher Konsens, der für strategisch ausgerichtete Maßnahme schwerlich Raum ließ.

Die derzeitige Lage Chinas als Haupt-Gläubiger des Westens unterscheidet sich hinsichtlich der damit einhergehenden wirtschaftlichen Optionen fundamental von der des weitgehend optionslosen Westens. Die Führungsqualität chinesischer Akteure mag daher weniger deren Originalität als vielmehr der langfristig angelegten Politik ihres Landes geschuldet sein. Bestätigt sich dies, würden diese Vorgänge allerdings ein wenig günstiges Licht auf die Problemlösungskapazität pluralistisch verfasster Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme werfen.