RE: Ein Skandal ohne Ende | 29.07.2016 | 21:44

Hallo Konny, 12.000 Euro im Monat kostet eine 24-Stunden-Assistenz. Diese Kosten kommen bald auf die meisten der durch Folgeerkrankungen immer weiter in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkten Conterganopfer zu. Grünenthal ist meiner Auffassung nach moralisch verpflichtet, für diese durch Folgeerkrankungen verursachten Schäden aufzukommen, da der Staat seit Anfang 2013 durch die Erhöhung der Conterganrenten die Kosten der Ursprungsschäden bezahlt. Zweifel habe selbstverständlich auch ich, denn Grünenthal ist Schuldner und welcher Schuldner zahlt schon gerne ausstehende Rechnungen. Es kann und darf aber nicht sein, dass ausgerechnet der Verursacher der Schäden sich vom Acker macht. Die Contergangeschädigten-Vertretungen werden, so denke ich, erfolgreich bei ihrem Einsatz für ein gerechtes Schmerzensgeld sein, wenn sich Politiker, wie zum Beispiel Dr. Ilja Seifert, für sie einsetzen.

RE: Ein Skandal ohne Ende | 29.07.2016 | 12:34

Besorgniserregend finde ich besonders, dass sich aufgrund der abnehmenden Körperkräfte und den hierdurch verursachten Gelenkerkrankungen die körperlichen Beeinträchtigungen der Contergangeschädigten im Laufe der Zeit noch vervielfältigen werden. Viele der Betroffenen haben schon jetzt das subjektive Gefühl, sich im Körper eines 80-jährigen zu befinden. Zum Beispiel in 10 Jahren werden sich bei gleichbleibender Entwicklung der Folgeschäden weitere drastische Verschlechterungen abzeichnen, so dass die Mehrheit auf eine 24-Stunden-Assistenz angewiesen sein wird.

Zeitnah sollte es deshalb zu Verhandlungen zwischen Grünenthal und den Conterganorganisationen kommen, die ein Schmerzensgeld zum Ergebnis hat, mit der jede derartige Assistenz bezahlt werden kann.

In einem Dialog auf Augenhöhe sollte man sich an einem Runden Tisch zusamensetzen.

RE: Ein Skandal ohne Ende | 28.07.2016 | 20:25

Ich denke, dass für die noch lebenden Eltern der Opfer eine offizielle Entschuldigung durch die Bundesregierung wichtig ist, denn sie haben oft die traumatische Erfahrung machen müssen, dass ihnen insbesondere in den 60ern von Mitmenschen eine Mitschuld an den Behinderungen der schwergeschädigten Contergankinder gegeben wurde.

Es liegt mir aber besonders am Herzen, dass seitens der Regierung nun rasch alle Schritte unternommen werden, um den Opfern mit großzügigen jährlichen Pauschalen bei der Bewältigung des Alltags zu unterstützen. Viele Geschädigte leben isoliert. Zum Beispiel ein behindertengerechtes Auto würde ihr Leben ein Stück weit erkeichtern.

RE: Der Contergan-Skandal schlägt wieder Wellen | 28.06.2016 | 15:52

@ Martin Franz

(...) "und wen hat der 'Rest' zu interessieren?!"

Die gesamte deutsche Bevölkerung war von dem Conterganskandal und dem damit verbundenen Behördenversagen betroffen, denn es hätte wirklich jede in Deutschland lebende Familie treffen können, weil es Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre noch keine Schwangerschaftstests gab und die Mütter zudem nicht wissen konnten, dass Contergan hochgiftig war, denn das wurde der ahnungslosen Bevölkerung ja verschwiegen. Deshalb ist es auch für jeden Bürger von aktuellem Interesse zu erfahren, wie auf der einen Seite heute mit den Überlebenden umgegangen wird und auf der anderen Seite das unglaubliche Versagen der Aufsichtsbehörden aufgeklärt wird.

Eine andere Frage interessiert mich ebenfalls: Wieso hatten die Medien damals nicht darüber berichtet, dass seit 1958 unfassbar viele Babys mit ungewöhnlichen Behinderungen zur Welt kamen? Erst 1961 wurde die Bevölkerung gewarnt. Falls hier die NRW-Landesregierung sowie die Bundesregierung Einfluss auf die Redaktionen von Fernsehsendern und Tageszeitungen genommen haben, könnte das in vergleichbaren Fällen heute immer wieder geschehen, denn der Einfluss der Pharmaindustrie auf politische Entscheidungsträger scheint dann zur Zeit des Conterganskandals sehr viel größer gewesen zu sein, als so mancher heute denken mag.

RE: Der Contergan-Skandal schlägt wieder Wellen | 27.06.2016 | 22:54

Die neue Studie zum Conterganskandal wird sicherlich zahlreiche Contergangeschädigte sehr betroffen machen, weil sie entscheidende Fragen tabuisiert. Zwei davon sind: Wieso haben das Land NRW und die Bundesregierung nicht spätestens gehandelt als das Medikament in den USA verboten wurde und warum durfte Grünenthal in Deutschland Contergan trotz dieses Verbots weiterhin mit Sprüchen wie "Contergan - So harmlos wie ein Zuckerplätzchen" bewerben?