Zehn Thesen zum Profi-Sport

Debatte Die Corona-Pandemie hat nicht nur Auswirkungen auf die gern zitierte Fußball-Bundesliga, es sind alle professionell betriebenen Sportunternehmen betroffen.
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In "Sportschau" und "Sportstudio" werden sportpolitische Perspektiven zunehmend sendefähig. Im Sinne des Agenda-Setting hier also zehn Thesen zur Diskussion:

1. Profi-Sport ist ein Zweig der Freizeitindustrie. Daher sind der Sport und die ihn professionell Ausübenden auswechselbare Dienste, die von Angestellten erbracht werden. Am erzielten Gewinn partizipieren Profi-Sportler nur nachrangig.

2. Wie jeder Arbeitgeber haben auch Unternehmen der Freizeitindustrie die Gesundheit ihrer Angestellten zu schützen und zu fördern. Insbesondere gilt das für die potenzielle Ansteckung mit bislang nur symptomatisch behandelbaren Krankheiten.

3. Angestellte Sportler können nicht gezwungen werden, ihre Gesundheit, somit ihre professionelle Karriere, durch Risikoverhalten aufs Spiel zu setzen.

4. Verantwortungsvolle Spieler-Manager berücksichtigen die Gesundheit ihrer "assets" in langfristiger Perspektive, indem sie gegenüber Vereinsunternehmen entsprechende Vertragsanpassungen verlangen, z.B. zur Zahlung einer lebenslangen Rente im Falle einer arbeitsbedingten Lungenfunktionseinschränkung.

5. Das Verhalten von Profi-Sportlern hat eine öffentliche Signalfunktion, z.B. bei betrügerischem Verhalten wie Doping, aber auch bei Risikoverhalten. Verantwortungsvolle Exekutiven berücksichtigen dies bei der Verordnung rechtlicher Rahmenbedingungen.

6. "Geld schießt Tore", d.h. die behauptete Chancengleichheit von Vereinsunternehmen hinsichtlich sportlicher Leistungsfähigkeit ist zurzeit nicht gegeben.

7. Es ist ein üblicher Marktprozess, dass Marktanteile und -positionen sich ändern, insbesondere durch externe Schocks. Dass Anbieter, hier also Vereinsunternehmen, insolvent werden und den Markt verlassen, gehört prinzipiell dazu.

8. Es gibt kaum finanzielle Verflechtungen zwischen dem professionellen, gewinnorienten Sport und dem gemeinnützigen Amateursport. Gewinneinbußen oder Insolvenzen haben daher kaum Auswirkungen auf Hobbysportler.

9. Der Amateursport finanziert sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge. Diese sind zumeist Jahresbeiträge und fluktuieren nicht durch externe Schocks auf Märkten des Profisports.

10. Es ist keine kommunal-, landes- oder bundespolitische Aufgabe, Anbieter von Sportdienstleistungen, also Vereinsunternehmen, zu subventionieren.

13:47 04.05.2020
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Geschrieben von

ger

Staatsbürger und Demokratieförderer
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