Die Kunst der vollendeten Tatsache

Thüringer Orchester Der Thüringer Kulturminster Benjamin-Immanuel Hoff will erneute Strukturveränderungen für die Orchester und Theater. Mit den Vertretern der Beschäftigten spricht er nicht
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Benjamin-Immanuel Hoff ist ein durchaus geschickter Rhetoriker, das muss man ihm lassen. Jedoch bei den erneut anstehenden Strukturüberlegungen zu den Thüringer Orchestern und Theatern schätzt er die die Aufstellung der Protagonisten falsch ein: Er spricht vom „Trialog“ zwischen Land mit Intendanten und Kommunen. Mal ehrlich: Minister und Staatssekretäre (Land), Oberbürgermeister und Landräte (Kommunen) und Intendanten haben alle befristete Verträge/Mandate und man hat seit 1990 schon viele von ihnen kommen und wieder gehen sehen. Das wird auch so bleiben. Andererseits: Die überwiegend aus der thüringischen Kleinstaaterei (Alleinstellungsmerkmal!) entstandenen und dadurch besonders traditionsreichen Orchester und Theater und ihre Beschäftigten (!) waren oft schon vor ihnen da und sind häufig auch nach den Abgängen der Protagonisten des „Trialogs“ immer noch da. Ebenso wie das Publikum, die Freunde und Förderer, die Wählerinnen und Wähler…

Kurzer Rede kurzer Sinn: Wer als Minister den Beschäftigten der Orchester und Theater und ihrer Berufsverbände (Gewerkschaften) nicht absolut auf Augenhöhe begegnet, wird einen schweren Stand haben. Allein der ansatzweise Versuch, vollendete Tatsachen aus dem „Trialog“ am Ende den Beschäftigten zu präsentieren, sollte eigentlich nicht Maßstab einer rot-rot-grünen Landesregierung sein. Da reicht es auch nicht, mal im Landestheater Eisenach auf einer Betriebsversammlung aufzulaufen oder Smalltalk mit der Thüringer Orchesterkonferenz zu halten. Die nächsten Wochen werden in Thüringen mal wieder spannend. Politisch, medial und rhetorisch.

11:00 21.08.2015
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Geschrieben von

Gerald Mertens

Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung e.V., Leitender Redakteur der Zeitschrift "das Orchester", Rechtsanwalt
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