GeroSteiner
11.12.2011 | 23:00 17

200 und 500 Euro - eine Vertrauenskrise, verursacht durch Unkenntnis

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied GeroSteiner

Gestern war ich nett. Ich habe einem Menschen in Not einen Zweihundert-Euroschein gewechselt, weil er ihm zu groß war für die Currybude. Dafür sind dann wirklich alle meine kleinen 10, 20 und ein ganzer 50 Euro-Schein draufgegangen, aber es hat geklappt.

Heute Morgen beim Bäcker reichten die wenigen Münzen für die Brötchen nicht aus. Als ich den 200 Euro-Schein zückte, um zu bezahlen, da kam prompt ein: "Es tut mir leid, ich darf keinen 200 Euroschein annehmen". Mir fiel in dem Augenblick ein, dass ich an mehreren Tankstellen an der Zapfsäule auch schon das ein oder andere mal einen Hinweis las, wonach 200 und 500 Euro-Scheine nicht angenommen werden können. Da mein Geldautomat üblicherweise keine 200 Euro-Scheine ausgibt, war das bis jetzt auch nie ein Problem.

Warum werden diese 200 und 500 Euro-Scheine nicht oder nur so schwer akzeptiert? Immerhin handelt es sich dabei doch um eine gesetzliches Zahlungsmittel. Im "Vertrag zur Arbeitsweise der Europäischen Union" heißt es in Artikel 128, Absatz 1: "Die von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten sind die einzigen Banknoten, die in der Union als gesetzliches Zahlungsmittel gelten." Das gilt selbstredend für alle Noten ohne Ausnahme?

Leider nicht ganz. In Deutschland ist die Pflicht zur Annahme von einigen Noten und Münzen abdingbar.

Was heißt das jetzt genau? Das heißt, dass es zulässig ist, wenn eine bestimmte Schuld nicht mit Bargeld erfüllt werden kann. In diesem Fall muss der Gläubiger der Schuld ein Angebot zur Zahlung mittels Banknoten oder Münzen nicht akzeptieren. Kreditkarte oder Überweisung wären immerhin noch eine Alternative. Die Pflicht des Gläubigers zur Annahme von Bargeld kann eingeschränkt werden. Beispielsweise die Menge an zu akzeptierenden Münzen oder die Größe einer Banknote.

Die von Tankstellen praktizierte Verfahrensweise, durch Aushang an der Zapfsäule die Annahme von 200 und 500-Euro-Scheinen abzulehnen, ist also tatsächlich zulässig.

Auf der Suche nach den Gründen kommt man sehr schnell zu dem Punkt, dass diese Praxis offensichtlich der Angst vor Falschgeld geschuldet ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die wenigstens Menschen Kenntnis von den Sicherheitskennzeichen in den Euro-Noten haben, wenn man sie direkt darauf anspricht. Die meisten halten sie ins Licht und schauen - ja, wonach eigentlich? Viele wissen von einem Wasserzeichen, kennen aber nicht die wesentlichen Elemente des Wasserzeichens. In einigen Läden (Konsumtempeln) beobachte ich seit geraumer Zeit Testgeräte oder Stifte, mit denen Fälschungen erkannt werden sollen.

Dabei ist es gar kein Voodoo, und gar nicht so schwer, die Sicherheitskennzeichnung von Banknoten schnell zu überprüfen, so dass man auch als Laie sicher sein kann, kein Falschgeld in Händen zu halten. Es wundert mich seit je her, dass seitens der EZB nicht Schulungen angeboten werden oder Werbefilme dazu im Fernsehen laufen.

Welche Arten von Sicherheitskennzeichen gibt es? Wir unterscheiden bei Geldscheinen, genau wie bei Personaldokumenten (Führerschein, Personalausweis, Pass, Visa, etc.) drei Sicherheits-Ebenen, die von Sicherheitsexperten "Level" genannt werden.

Dabei handelt es sich um:

Level 1: Sicherheitsmerkmale, die mit bloßem Auge erkennbar sind.

Level 2: Sicherheitsmerkmale, die mit einfachen Hilfsmitteln erkennbar sind.

Level 3: Sicherheitsmerkmale, die im forensischen Labor erkennbar sind.

Im Folgenden will ich kurz auf die Sicherheitsmerkmale von Level 1 und 2 bei Geldscheinen hinweisen, so dass Sie als Laie schon mehr als 99% der Fälschungen ausschließen können, wenn Sie diese Merkmale überprüfen.

Level 1 und 2 Merkmale befinden sich bei den Banknoten schon im Papier. Das Papier von Geldscheinen ist aus Baumwolle hergestellt. Es fühlt sich griffig und fest an und unterscheidet sich in der Haptik (mit dem Tastsinn) bereits deutlich von normalem Schreibmaschinenpapier.

Eine schnelle Überprüfung ist ebenfalls anhand verschiedener "Kippeffekte" auf jeder Banknote möglich. Als da wären:

der Film-Folienstreifen, der Perlglanz-Druckstreifen, das silberne Film-Folienpatch mit farbigem Wechselspiel, das optisch variable Farbelement in den Wertzahlen der Banknote.

Hier Details zu weiteren Sicherheitsmerkmalen der einzelnen Banknoten (mit Animation):

5-Euro Schein Vorderseite
5-Euro Schein Rückseite

10-Euro Schein Vorderseite
10-Euro Schein Rückseite

20-Euro Schein Vorderseite
20-Euro Schein Rückseite

50-Euro Schein Vorderseite
50-Euro Schein Rückseite

100-Euro Schein Vorderseite
100-Euro Schein Rückseite

200-Euro Schein Vorderseite
200-Euro Schein Rückseite

500-Euro Schein Vorderseite
500-Euro Schein Rückseite

Vielleicht helfen Ihnen die Informationen dieses Beitrag, beim Erhalt von Banknoten die eigene Sicherheit zu erhöhen, und das Risiko zu verringern, Falschgeld ausgehändigt zu bekommen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (17)

blog1 12.12.2011 | 17:53

zu dem Beitrag fallen mir zwei Geschichten ein.

Zwei Gauner treffen sich. Sagt der Eine "Kannst Du mir einen 30-Euroschein wechseln? Ja klar, sagt der Andere "Hier hast Du zwei 15-Euroscheine".

Gestern habe ich mir doch tatsächlich wieder einmal Günter Jauchs Talkrunde angeschaut. Hier wurde ein Trailer eingespielt, in dem doch tatsächlich ein Professor der Helmut-Schmidt Universität in Hamburg darüber philosophierte, den so genannten "Nordeuro" einzuführen. Innerhalb von 2 Tagen können alle Bürger der zum Nordeuro gehörenden Länder ihre Scheine bei den Banken zu Nordeuroscheinen "stempeln" lassen. Ich habe mich gefragt, ob dann 200 bzw. 500 Euroscheine überhaupt akzeptiert werden. Das wäre doch zu blöd, wenn diese Scheine ungültig würden.

Aber vielleicht haben die deutschen Sicherheitsbehörden einen Deal mit den Mineralölkonzernen, der Geldwäsche keinen Vorschub zu leisten. Es soll ja Leute geben, die aus Platz- oder Gewichtsgründen große Scheine bevorzugen. Da lob ich mir doch den bargeldlosen Zahlungsverkehr unter den Banken. Aber die trauen sich nicht mehr aus Unkenntnis sondern aus Kenntnis.

tlacuache 12.12.2011 | 21:34

Fitnessgründe?
Keine Sorge, bald muss man mit Schubkarren voller €-Scheine sein Brot beim Bäcker zahlen, danach wehe dem, der keinen Kleingarten hat um seine Tomaten Zwiebeln gegen Brot einzutauschen.
Aber Bundesregierung und Opposition tut das alles nur ihrem Wähler zuliebe, sie sagt nur nix:
"Volksge"schund"heit".
Mann muss bei Rente ab 72 die Leute auch ein bisschen in Bewegung halten, sonst rosten die noch ein...

Aber auch der "2% hat alles Bevoelkerungsteil" wird nicht geschont, der muss bald Goldbarren aus dem Keller holen, erste Bandscheibenvorfälle in gediegenen Vorstätten sind schon bei hiesigen Orthopäden Aktenkundig...

GeroSteiner 12.12.2011 | 22:39

Hartgeld hat bei einer Inflation den Vorteil, dass der Materialpreis irgendwann über dem aufgedruckten Wert liegt. Kupfer geht immer gut weg.

Dagobert Duck hat das schon damals verstanden.
"Ich liebe es, wie ein Seehund hineinzuspringen und es in die Luft zu werfen, dass es auf meinem Kopf prasselt."
http://www.duckipedia.de/images/thumb/8/8c/Dago01_hineinspringen.JPG/250px-Dago01_hineinspringen.JPG
http://www.duckipedia.de/images/thumb/0/06/Dago03_glatze_prasseln.JPG/230px-Dago03_glatze_prasseln.JPG

GeroSteiner 12.12.2011 | 23:00

Nachschlag FED.

(...) how the Federal Reserve creates money out of nothing. It is a four step process:

The Federal Open Market Committee approves the purchase of United States Bonds*.
The bonds are purchased by the Federal Reserve.
The Federal Reserve pays for these bonds with electronic credits to the seller's bank, these credits are based on nothing.
The banks use these deposits as reserves. They can loan out over ten times the amount of their reserves to new borrowers, all at interest.

* Bonds are simply promises to pay or Government IOU's. People purchase bonds in order to get a secure rate of interest. At the end of the term of the bond, the government repays the bond, plus interest and the bond is destroyed.

Let's look at an example of how this works with a Federal Reserve purchase of $1,000,000 of bonds. This then gets turned into over $10,000,000 in bank accounts. The Federal Reserve in effect creates 10% of this totally new $10,000,000 and the banks create the other 90%.

To reduce the amount of money in circulation this process is simply reversed. The Federal Reserve sells these bonds to the public and the money flows out of the purchaser's local bank. Loans must be reduced by ten times the amount of the sale, so a Federal Reserve sale of $1,000,000 in bonds, results in $10,000,000 less money in the economy.
Quelle: THE FRENCH CONNECTION, "The History of the Money Changers" by Andrew Hitchcock.