200 und 500 Euro - eine Vertrauenskrise, verursacht durch Unkenntnis

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Gestern war ich nett. Ich habe einem Menschen in Not einen Zweihundert-Euroschein gewechselt, weil er ihm zu groß war für die Currybude. Dafür sind dann wirklich alle meine kleinen 10, 20 und ein ganzer 50 Euro-Schein draufgegangen, aber es hat geklappt.

Heute Morgen beim Bäcker reichten die wenigen Münzen für die Brötchen nicht aus. Als ich den 200 Euro-Schein zückte, um zu bezahlen, da kam prompt ein: "Es tut mir leid, ich darf keinen 200 Euroschein annehmen". Mir fiel in dem Augenblick ein, dass ich an mehreren Tankstellen an der Zapfsäule auch schon das ein oder andere mal einen Hinweis las, wonach 200 und 500 Euro-Scheine nicht angenommen werden können. Da mein Geldautomat üblicherweise keine 200 Euro-Scheine ausgibt, war das bis jetzt auch nie ein Problem.

Warum werden diese 200 und 500 Euro-Scheine nicht oder nur so schwer akzeptiert? Immerhin handelt es sich dabei doch um eine gesetzliches Zahlungsmittel. Im "Vertrag zur Arbeitsweise der Europäischen Union" heißt es in Artikel 128, Absatz 1: "Die von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten sind die einzigen Banknoten, die in der Union als gesetzliches Zahlungsmittel gelten." Das gilt selbstredend für alle Noten ohne Ausnahme?

Leider nicht ganz. In Deutschland ist die Pflicht zur Annahme von einigen Noten und Münzen abdingbar.

Was heißt das jetzt genau? Das heißt, dass es zulässig ist, wenn eine bestimmte Schuld nicht mit Bargeld erfüllt werden kann. In diesem Fall muss der Gläubiger der Schuld ein Angebot zur Zahlung mittels Banknoten oder Münzen nicht akzeptieren. Kreditkarte oder Überweisung wären immerhin noch eine Alternative. Die Pflicht des Gläubigers zur Annahme von Bargeld kann eingeschränkt werden. Beispielsweise die Menge an zu akzeptierenden Münzen oder die Größe einer Banknote.

Die von Tankstellen praktizierte Verfahrensweise, durch Aushang an der Zapfsäule die Annahme von 200 und 500-Euro-Scheinen abzulehnen, ist also tatsächlich zulässig.

Auf der Suche nach den Gründen kommt man sehr schnell zu dem Punkt, dass diese Praxis offensichtlich der Angst vor Falschgeld geschuldet ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die wenigstens Menschen Kenntnis von den Sicherheitskennzeichen in den Euro-Noten haben, wenn man sie direkt darauf anspricht. Die meisten halten sie ins Licht und schauen - ja, wonach eigentlich? Viele wissen von einem Wasserzeichen, kennen aber nicht die wesentlichen Elemente des Wasserzeichens. In einigen Läden (Konsumtempeln) beobachte ich seit geraumer Zeit Testgeräte oder Stifte, mit denen Fälschungen erkannt werden sollen.

Dabei ist es gar kein Voodoo, und gar nicht so schwer, die Sicherheitskennzeichnung von Banknoten schnell zu überprüfen, so dass man auch als Laie sicher sein kann, kein Falschgeld in Händen zu halten. Es wundert mich seit je her, dass seitens der EZB nicht Schulungen angeboten werden oder Werbefilme dazu im Fernsehen laufen.

Welche Arten von Sicherheitskennzeichen gibt es? Wir unterscheiden bei Geldscheinen, genau wie bei Personaldokumenten (Führerschein, Personalausweis, Pass, Visa, etc.) drei Sicherheits-Ebenen, die von Sicherheitsexperten "Level" genannt werden.

Dabei handelt es sich um:

Level 1: Sicherheitsmerkmale, die mit bloßem Auge erkennbar sind.

Level 2: Sicherheitsmerkmale, die mit einfachen Hilfsmitteln erkennbar sind.

Level 3: Sicherheitsmerkmale, die im forensischen Labor erkennbar sind.

Im Folgenden will ich kurz auf die Sicherheitsmerkmale von Level 1 und 2 bei Geldscheinen hinweisen, so dass Sie als Laie schon mehr als 99% der Fälschungen ausschließen können, wenn Sie diese Merkmale überprüfen.

Level 1 und 2 Merkmale befinden sich bei den Banknoten schon im Papier. Das Papier von Geldscheinen ist aus Baumwolle hergestellt. Es fühlt sich griffig und fest an und unterscheidet sich in der Haptik (mit dem Tastsinn) bereits deutlich von normalem Schreibmaschinenpapier.

Eine schnelle Überprüfung ist ebenfalls anhand verschiedener "Kippeffekte" auf jeder Banknote möglich. Als da wären:

der Film-Folienstreifen, der Perlglanz-Druckstreifen, das silberne Film-Folienpatch mit farbigem Wechselspiel, das optisch variable Farbelement in den Wertzahlen der Banknote.

Hier Details zu weiteren Sicherheitsmerkmalen der einzelnen Banknoten (mit Animation):

5-Euro Schein Vorderseite
5-Euro Schein Rückseite

10-Euro Schein Vorderseite
10-Euro Schein Rückseite

20-Euro Schein Vorderseite
20-Euro Schein Rückseite

50-Euro Schein Vorderseite
50-Euro Schein Rückseite

100-Euro Schein Vorderseite
100-Euro Schein Rückseite

200-Euro Schein Vorderseite
200-Euro Schein Rückseite

500-Euro Schein Vorderseite
500-Euro Schein Rückseite

Vielleicht helfen Ihnen die Informationen dieses Beitrag, beim Erhalt von Banknoten die eigene Sicherheit zu erhöhen, und das Risiko zu verringern, Falschgeld ausgehändigt zu bekommen.

23:00 11.12.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

GeroSteiner

Wer schweigt, muss nicht sprachlos sein.
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GeroSteiner

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