Fünf Euro – oder: Was hat Hartz IV mit Gerechtigkeit zu tun?

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Heutzutage bildet Geld das Herrschaftsverhältnis ab und ersetzt das Instrument der Gewalt. Damit wird auch staatliches Geld zu staatlicher Gewalt.

Befindet sich das Geld nicht dort, wo es gebraucht wird, muss man es über Kredite beschaffen. Dabei ist zunächst egal, ob man es benötigt, um in einem Unternehmen etwas zu produzieren, oder ob man es benötigt, um im privaten Haushalt langlebige Konsumgüter anzuschaffen, oder weil der Lohn nicht zum Leben reicht, oder weil die Reallöhne stagnieren, oder gar sinken und bestehende finanzielle Verpflichtungen bedient werden müssen.

Für Kredite müssen Zinsen bezahlt werden. Diese Zinsen fließen dem Kapitaleigner zu. Die Berechnung des Zinseszins folgt einer exponentiellen Gesetzmäßigkeit. Damit ist klar und logisch, dass die Konzentration des Reichtums ein sich selbst verstärkender Prozess ist, der mit fortschreitender Zeit immer brutalere Konsequenzen hat. Der stete Zuwachs von in Not geratenen Familien, die die Schuldnerberatung aufsuchen müssen, spricht hier eine deutliche Sprache.

Das Geld und sein Preis haben heute in unserem Wirtschaftssystem eine nahezu alles beherrschende Rolle, die sich obendrein ständig verstärkt, denn das globale und lokale Finanzsystem schöpft bei jeder Wirtschaftsoperation seinen Profit. Das bedeutet aber nichts anderes, als dass im Preis aller Produkte, aller Dienstleistungen ein steigender Anteil an Zinsen enthalten ist.

Ist das Geld in einem Wirtschaftssystem erst einmal ungleich verteilt, prägt sich diese ungleiche Verteilung im Laufe der Zeit immer mehr aus. Das ist es, was wir gerade erleben. Selbst unser aller Geld, was jetzt von den Regierenden in die maroden Banken gepumpt wurde, ist ja nicht weg. Geld ist ein Tauschmittel – es hat jetzt bloß jemand anderes. Daher ist das Geld jetzt nicht mehr dort, wo es benötigt wird, zum Beispiel in der industriellen Produktion oder auch im privaten Konsum, sondern es befindet sich bei diversen Fonds und auf sicheren Bankkonten von Privatleuten.

Wer Geld braucht, muss es heutzutage praktisch immer über Kredite beschaffen. Verschuldung verleiht Macht über den Verschuldeten und verleiht damit dem Geld und denen, die es besitzen, eine Bedeutung, die für das Gleichgewicht der Kräfte innerhalb einer Gesellschaft auf Dauer tödlich sein muss.

Die Alimentierung von in Not geratenen Arbeitnehmern durch staatliche Hilfen führt zudem auch zu einer moralischen Verpflichtung bei den Betroffenen, die aber angesichts fehlender Arbeitsstellen nicht mal theoretisch zurückgezahlt werden kann und die den Betroffenen zu allem Übel von vornherein auch noch abgesprochen oder als Faulheit ausgelegt wird. Der Weg des systemimmanenten Arbeitsplatzabbaus ist aufgrund der fortgeschrittenen Automatisierung und Technisierung unserer Arbeitswelt unumkehrbar und am wenigsten den Betroffenen anzulasten.

Was sich meines Erachtens immer mehr herauskristallisiert, ist der Punkt auf den Alles zusteuert: Die Schaffung eines globalen Feudalsystems mit der in Kauf genommenen Verelendung breiter Bevölkerungsschichten, die dann von staatlicher Alimentierung wie Hartz IV leben müssen. Hinzu kommt die Sicherstellung der finanziellen Privilegien einer mächtigen Minderheit, sowie die Absicherung der Beute durch einen autoritären Überwachungsstaat.

Daran sollten wir denken, wenn das nächste Mal über biometrische Daten in Ausweisen, staatliche Kontrollen wie Vorratsdatenspeicherung und Bundestrojaner nachgedacht wird. Daran sollten wir auch denken, wenn über Bankenrettung und Boni für krawattierte Versager in staatlichen Banken diskutiert wird, während gleichzeitig schon mehr als fünf Euro pro Monat für die Ärmsten eines der reichsten Staaten der Welt ein unlösbares Problem darstellen.

18:46 26.09.2010
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Geschrieben von

GeroSteiner

Wer schweigt, muss nicht sprachlos sein.
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GeroSteiner

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