"Ich bin's, dein Elter!"

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Es ist soweit. Die Gender-Diskussion dreht jetzt offiziell ab ins Absurde. Vorreiter ist die Schweiz. Die Stadt Bern hat einen 22-seitigen Sprachleitfaden für die Stadtverwaltung herausgegeben, damit auch wirklich in jeder Situation geschlechtsneutral formuliert werden kann. Damit folgen die Schweizer der Beschlussvorlage 12267 des Ausschusses für Chancengleichheit von Frauen und Männern des Europarates, der unter anderem gegen die Verwendung des Mutterbegriffes in den Nationen kämpfen soll, um Gender-Gleichheit herzustellen.

Die übergeordnete Behörde (weiblich?), die Schweizer Bundeskanzlei, hat einen Leitfaden für die Mitarbeitenden (statt MitarbeiterInnen) beim Staat (sächlich?) verfasst. Der geht sogar noch weiter. Auf 192 Seiten wird erklärt, wie man in welcher Situation geschlechtergerecht korrekt formuliert. Da bleiben keine Fragen offen. Der Leitfaden ist für amtliche Publikationen verbindlich, wie Isabel Kamber, die Stellvertretende Leiterin Zentrale Sprachdienste, Sektion Deutsch, ausführt.

Moment - Deutsch?

Hat man im französichsprachigen und italienischsprachigen Teil der Schweiz dieses Problem etwa nicht? Die sprachliche Deformation solle jedenfalls die Adoption von Kindern für gleichgeschlechtliche Paare erleichtern, die ja schwerlich in Mama und Papa zu differenzieren sind.

Mit dem Wort Fußgängerstreifen seien nur die Männer gemeint, erläutert Nadine Wenger, Projektmitarbeiterin bei der Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann in Bern. ­Stattdessen solle man den Begriff Zebrastreifen verwenden, der sei neutral. Das Ziel sei die Gleichstellung von Mann und Frau. Und dazu gehöre eben auch eine geschlechtergerechte Sprache.

Geschlechtergerecht geht es demnach nur in der Sächlichkeit zu. Dazu verbannen wir die männlichen und weiblichen Artikel aus unserer Sprache. Statt Herrlichkeit oder Dämlichkeit herrscht jetzt nur noch die Sachlichkeit. Das ist ja schon mal was.

So wird aus Lehrerzimmer das Pausenszimmer, aus Anfängerkurs wird Einstiegskurs, aus Mannschaft (auch aus der Damenmannschaft) wird das Team, aus Mutter und Vater wird das Elter.

Das Elter.

Was wird denn dann aus dem Innen-Architekt? Der Architekt-Innen? Was wird aus liebgewInnen, ansInnen, gewInnen oder begInnen? Was können wir dem überhaupt abgewInnen?

So sei es denn. Heidi ruft also demnächst ihren Großvater auf der Alm: "Großelter! Groooßelter!"

22:03 09.07.2010
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Geschrieben von

GeroSteiner

Wer schweigt, muss nicht sprachlos sein.
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GeroSteiner

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