RE: Was kommt, was wird? | 06.04.2020 | 18:49

Krisen sind für mich oft Täler. Hernach gehts auf die Berge und man lernt das Leben zu schätzen. Wahrscheinlich nur dann.

Ich hoffe jetzt auf Deglobalisierung, Umverteilungen, bessere Tariflöhne, weniger Privatisierung im Gesundheitswesen, Klimaaktionen und 1000 andere Verändeungem, die wir anpacken müssen.

Zwei Dinge sind mir medial aufgefallen: Wie wichtig guter Journalismus ist und dass ARD und ZDF ihre Mediatheken aufgeblasen haben.

Für den Journalismus, in Zeiten von Populisten, Bürgerrechtsbeschränkungen und Corona unverzichtbar, wie eine 4. Gewalt im Staate, habe ich eine Frage an die Redaktion:

Wie kann man eine Grundversorgung für alle, zwischen den frei zugänglichen Apps und dem bezahlten Volldienst hinbekommen? Das Prinzip eines Beitragssystems wie bei den Öffentlich-rechtlichen könnte doch eine Brücke sein für eine Pluralität, denn kaum jemand kann mehr als zwei oder drei Voll-Abos kaufen oder Lesen. Ich denke da an eine Presse-Flat-Rate unterhalb eines richtigen Abos für einen Kreis von Mitgliedsverlagen.

Wie auch immer: In jeder Zukunft wird eine Pressefreiheit wichtiger Anker wider Desinformation und pro Demokratie sein. Finanzieren muss man das auch.

RE: In der Krise sind alle Keynesianer | 06.04.2020 | 12:42

Keynesianer sollte man immer sein. Als Mitglied der Versailles-Wirtschaftskommision 1919 wies Keynes auf auslösende Bürgerkriege in Deutschland hin. Das passierte dann auch, sogar mit einem finalen Knall den man 2. Weltkrieg nennt. Aus Protest gegen die Haltung der Franzosen stieg John M. Keynes aus.

1944 in Bretton Woods schlug Keynes statt dem US-Dollar eine neutrale Index-Leitwährung vor. Die USA wollten über ihren Dollar nur Reparationsleistungen des 2. Weltkriegs - also Cash-back über das Dollar bunkern der Notenbanken. Die fehlende Index-Leitwährung ist bis heute ein systemisches Problem.

2008 in der Wewuf kam die Bundesregierung mit dem Kurzarbeitergeld und Staatsaufträgen sofort in den Keynes-Modus - und es war gut so.

2020 flammte der Widerstand der DM-Fetischisten geben Euro-Bonds auf. Wie kurzsichtig.

Der Neoliberalismus und das Credo "America first" sind doch die Impulse für Krisen oder Kriege (siehe Naher Osten). Diese Brandbeschleuniger müssen ausgemerzt werden. Keynes und Marx hatten Recht!

RE: Sprache der Diktatoren | 06.04.2020 | 12:33

Danke dazu! Schöner Kommentar.

Wer das Kriegs-Vokabular verfolgt, sieht wo wer steht: Man erkennt, die Populisten, Demokratoren und Diktatoren. Blicken wir auf Polen oder Ungarn kann einem schlecht werden. Von Deutsche Bank-Verhandler Trump ganz zu schweigen! Selbst Macron begibt sich aus das dünne Eis dieser Rhetorik.

Löblich, dass die Bundesregierung genau das Kriegs-Vokabular vermeidet und auch das Wort alternativlos gestrichen hat.

Es herrscht kein Krieg, sondern eine Panedemie. Wenn sie vorüber ist, brauchen wir schnell wieder Bürgerrechte und mehr Demokratie als zuvor!

RE: Der Moment der Solidarität | 30.03.2020 | 17:03

Danke für diesen sehr guten Kommentar an Stephan Kaufmann*****

Man reibt sich nur noch die Augen: Schuldenbremse weg, Schwarze-Null weg, die FDP bricht mit dem Neoliberalismus, Amerikaner zweifeln am schlanken Staat, Diskussion über Euro-Bonds, Verstaatlichungen, Populisten in der Defensive usw.

Alles was noch vor 4 Wochen als alternativlos galt, gilt nun nicht?

Plötzlich sind alle so super-sozial eingestellt, wie sonst nur der VDK oder der paritätische Wohlfahrtsverband. Plötzlich meinen alle, Pflegerinnen, EH-Kassierinnen und Krankenschwestern brauchen mehr monitäre und mentale Anerkennung. Und auch die armen Kulturschaffenden, Kleinkünstler oder Freiberufler wollen wir nicht vergessen.

Auch gilt: Plötzlich melden sich aber auch Unternehmen, die in vielen Jahres satte Polster aufbauten und nun on top Hilfe von Staat möchten. Hier und da werden schon Neiddebatten eröffnet.

Lebe ich plötzlich in einem Paralelluniversum? Mir schwirrt der Kopf!

Vieles davon ist richtig, nicht alle Wünsche sind berechtigt. Aber, wenn es vorüber ist mit dem CoV2, dann bitte schön, denken wir an unseren neuen Erkenntnisse. Nur wenn wir Lehren ziehen, Reformen angegehen, die Wirtschaft umbauen und unser Verhalten an Klima und Natur faktenorientiert ausrichten wird es besser.

Ja, die Welt könnte mal weniger sich nach Börsenkursen ausrichten. Ja, die Welt könnte erkennen, dass es Naturgesetze gibt. Ja, die Welt könnte humaner werden.

Neue Wege sind manchmal eine gute Option.

RE: Die Kirche eint Linke, FDP und Grüne | 30.03.2020 | 15:34

Ja, man muss die Prioritäten richtig setzen und die Proportionen sehen!

RE: Die Kirche eint Linke, FDP und Grüne | 30.03.2020 | 15:32

200 Jahre Status quo. Eine solche Phalanx klingt hoffnungsfroh. Taten würden mich überzeugen.

Mit Blick auf Dinge die auch über 100 Jahre im Status quo verharren. Beispiele: Dreigliedriges Schulsystem, Steuerstrukturen, Antisemitismus oder die kleine, lächerliche Sektsteuer zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsmarine etc. erkenne ich eine ewige teutonische Verliebtheit in den Status quo.

Um Konrad Adenauer zu zitieren: "Nur keine Experimente!". Das Credo der Deutschen. Leider.

RE: In der Krise sind Linke stärker denn je | 30.03.2020 | 15:16

Naturlich ist dies auch eine Kapitalismuskrise.

Vielleicht denken jetzt auch mehr Bürger an die Krankenschwestern, an niedrige Löhne und den Respekt vor Kassierinnen - oder einfach solidarischer.

Vor allem werden sie aber hoffen, dass das normale Leben bald wieder losgeht.

Und viele werden dann ihre momentane Nachdenklichkeit, der Oberflächlichkeit und der Sorglosigkeit, opfern und wieder inden normalen Modus des Konsumismus, des Tourismus und der Besitzstandswahrung verfallen.

Wenn ich hier Unrecht behalte, so würde es mich sehr freuen!

RE: Auf der Kippe | 30.03.2020 | 15:08

Das Verstaatlichungstabu als angedachter Tabubruch ist eine ideologische Kehrtwende erster Ordnung. Sie ist Zeichen der Einsicht, dass neoliberale Märkte, wenn man sie laufen lässt, Politik in die Bedeutungslosigkeit katapultiert.

Wie viele Krisen noch können die Demokratien gegensteuern ehe sie auseinanderbrechen?

Ohne solche Einsichten, gehört die Welt der Zukunft dem chinesischen Modell und Amazon und Co. - einer Diktatur der Überwachung, des Feudalismus, des Konsumismus - und der Strafläger.

RE: In Krisenzeiten werden Männer gewalttätiger | 29.03.2020 | 21:52

Männer meinen ja immer alles zu können. In der Krise stoßen sie an Grenzen. An Grenzen ihrer selbst.

Wir müssen uns zusammenreissen! Frauen und Kinder brauchen nun echte Männer. Keine Paniker.

RE: Trügerische Sicherheit | 29.03.2020 | 21:48

So ist es. Der Mensch ist vernunftbegabt, aber das heisst nicht vernünftig zu handeln.

Allerdings habe ich jetzt auch wieder erkannt, auch durch alte Pandemien, sie entfalten sich durch schlecht organisierte Gesellschaften.

Ein Grund mehr jetzt den Verstand abwechslungsweise zu gebrauchen....