Vor dreißig Jahren: Vor dem Golfkrieg

Ein Zeitungsprotokoll Der vermeidbar-unvermeidbare Krieg im Kontext
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"Letzte Sitzung der RGW-Exekutive

MOSKAU, 4. Januar (dpa/Reuter) In Moskau hat am Freitag die letzte Sitzung des Exekutivkomitees des östlichen Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) vor der Auflösung stattgefunden. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Tass am Freitag meldete, wird der RGW zu existieren aufhören. An seine Stelle werde „wahrscheinlich eine Organisation für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit“ treten. Die Sitzung des Exekutivkomitees werde in die Geschichte eingehen, weil die neun Mitgliedsländer die Gründung der Nachfolgeorganisation auf der eigentlich 46. RGW-Sitzung in Budapest vorbereiten sollen. Dort sollen nach sowjetischen Vorstellungen ein Statut und ein Konzept für die Tätigkeit der neuen Organisation vorliegen."

"Luftwaffen-Einheiten bereits auf dem Weg in die Türkei

Oldenburg (dpa) - Die Vorbereitungen zur Verlegung der 18 deutschen Erdkampfbomber in die Türkei haben in der Nacht zum Freitag begonnen. Zwei Transall-Flugzeuge transportierten von Hohn bei Rendsburg Techniker und Gerät zum italienischen Zwischenlandeplatz Brindisi. In einstündigem Abstand sollten am Abend weitere sieben Transportmaschinen der Luftwaffe in Oldenburg starten. Sie bilden das Vorauskommando des Jagdbombergeschwaders 43 beim NATO-Einsatz in der Türkei."

"Die ökologischen Risiken eines Golfkriegs

Warnung vor Ölpest und großen Rauchmassen

Experten: Sprengung der Ölquellen kann Inferno auslösen

LONDON. Eine Umweltkatastrophe schwer abzuschätzenden Ausmaßes prophezeien, für den Fall eines Golfkrieges, Ölexperten und Meteorologen. Die Wissenschaftler warnten in London vor den Folgen insbesondere einer Sprengung der kuwaitischen Ölfelder durch die irakischen Streitkräfte: Das dadurch ausgelöste Inferno könnte monate- oder gar jahrelang anhalten und würde Klimaveränderungen,weit über die Region hinaus, zur Folge haben."

"Die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft (EG) sind am Freitag zu einer Sondersitzung über die Golfkrise in Luxemburg zusammengetreten. Wie kurz vor Beginn der Beratungen verlautete, hat das Angebot der USA an den Irak für ein Außenministertreffen zwischen beiden Staaten in der Schweiz, der EG einen Beschluß über eine eigene Verhandlungsinitiative erschwert. Das Treffen der EG- Minister war ursprünglich angesetzt worden, um eine politische Initiative der EG für den Fall zu ermöglichen, daß es nicht zu amerikanisch-irakischen Gesprächen kommt. Da Luxemburg zur Zeit den Vorsitz in der EG führt, wurde eine Reise des luxemburgischen Außenministers Jacques Poos nach Bagdad erwogen. Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher erklärte nach einem Gespräch mit seinem französischen Kollegen Roland Dumas, die Tendenz gehe in Richtung auf Kontakte möglichst nach einem amerika- Außenministertreffen, falls dieses zustandekomme. Inhalt der Boschaft Luxemburgs müsse eine klare Bekundung der Solidarität mit den USA sein."

"In einer Rundfunk- und Fernsehansprache zum 70. Jahrestag der Gründung der irakischen Armee betonte Saddam, Kuwait sei die 19. Provinz des Irak und werde dies auch bleiben. Nach der „Befreiung Kuwaits“ müsse nun auch die „Befreiung Palästinas“ erreicht werden. Eine mögliche Konfrontation zwischen seinem Land und den multinationalen Truppen sei „der Wille Allahs, dem alle Gläubigen im Irak und der (arabischen) Nation als ganzem gehorchen müssen“. Die irakischen Truppen müßten sich auf schwere Opfer“ einstellen, doch das Ergebnis werde „Freunde erfreuen und den Feinden mißfallen". Israel wertete die Erklärung Saddams als ,,Kriegserklärung“. Bush sagte zehn Tage vor dem Ablauf des UNO-Ultimatums zur Räumung Kuwaits in einer Rundfunkansprache, daß die Zeit ablaufe, und drohte erneut mit militärischem Eingreifen. Der 15. Januar sei ein Ultimatum für Saddam, die UNO-Resolutionen zu erfüllen, aber „kein Termin für unsere eigenen Streitkräfte“. Saddam sei eine strategische Bedrohung für die Hauptstädte Ägyptens, Saudi-Arabiens, der Türkei, Israels und Syriens sowie für die US- Streitkräfte."

"UNO-Präsident fordert Nahost-Konferenz

Israelische Soldaten erschießen Zwölfjährigen/ Palästinenser töten „Kollaborateur“"

"700 Festnahmen bei Antikriegsdemonstration

Mercury (AP) Bei einer Protestaktion gegen den militärischen Aufmarsch der USA am Persischen Golf und gegen Atomtests in der Wüste von Nevada sind mehr als 700 Demonstranten festgenommen worden. Nach Angaben des US-Energieministeriums beteiligten sich an der Kundgebung vor dem Atomwaffenversuchsgelände etwa 2500 Menschen, die Veranstalter sprachen von 3000 bis 4000 Demonstranten. Bill Walker, ein Sprecher der Organisation American Peace Test, sagte, der Protest richte sich gegen eine „Militärpolitik, die die USA in der saudiarabischen Wüste an den Rand eines Krieges gebracht hat“. Die Demonstranten unterstützten auch den UNO-Vorschlag für einen Atomtest-Stopp."

"Regierungserklärung zur Golfkrise am 14. Januar Bonn (AFP/AP) - Einen Tag vor Ablauf des
UNO-Ultimatums an den Irak zur Räumung Kuwaits wird Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) am 14. Januar im Bundestag eine Regierungserklärung zum Golf- Konflikt abgeben. In einem Schreiben an den Kanzler hatte der SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel eine Golf-Debatte noch vor Ablauf des Ultimatums am 15. Januar verlangt. In dem Brief forderte Vogel die Bundesregierung auf, alles zu tun, damit die Beschlüsse des UNO-Sicherheitsrats durch konsequente Anwendung und weitere Verschärfung des Embargos, nicht aber durch kriegerische Maßnahmen durchgesetzt werden. Die stellvertretende SPD- Vorsitzende Herta Däubler-Gmelin übte in einem Interview der Dresdner Morgenpost scharfe Kritik an der Entsendung von Alpha Jets der Bundesluftwaffe in die Türkei. Diese habe den „Countdown zum Krieg“ beschleunigt."



"Wegen Golfkrise keine Schlachten-Symphonie

Ibbenbüren (dpa) - Wegen des drohenden Golfkriegs hat die Musikschule Ibbenbüren in westfälischen Kreis Steinfurt die für den 20. Januar während eines Konzerts geplante Aufführung der Schlachten-Symphonie abgesetzt. Wie Musikschulleiter Friedel Laumerich bestätigte, hätten sich sensible Musikfreunde angesichts der kritischen Lage im Nahen Osten verletzt fühlen können, wenn das 1783 von Johann Friedrich Rieffler komponierte Kriegsgetümmel nicht aus dem Programm gestrichen worden wäre."

"Kein Karneval bei Golfkrieg

Mainz (dpa) - Im Falle eines Golfkrieges werden die Karnevalsgesellschaften ihre Festsitzungen und Rosenmontagszüge wahrscheinlich absagen. Ein Sprecher des Mainzer Carneval Vereins (MCV) sagte, er könne sich nicht vorstellen, zu feiern, wenn täglich „ein paar tausend Menschen“ in der Golfregion sterben müßten. Mit dem Mainzer Carneval Club (MCC) bestehe diesbezüglich Einvernehmen. Vorerst sei die Stimmung jedoch noch optimistisch, so daß die Vorbereitungen weiterliefen."

Dies ist eine Zeitungscollage aus Süddeutscher Zeitung, FAZ und Badische Zeitung.

17:25 09.01.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Gerhard Hanloser

Kritische Analysen, Miniaturen und Reflexionen über linke Bewegungen, Theorien und Praxis
Gerhard Hanloser

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