Präsident Hollande ohne Entscheidungskraft

Abschiebung Dibrani Schafft der zögerliche Präsident Hollande es, in der Abschiebungsfrage eine Entscheidung zu treffen?
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Wie eine Meereswelle, die vom Sturm hin und her geworfen wird, muten die seltsamen Entscheidungen des französischen Präsidenten Francois Hollande im Falle der abgeschobenen Leonarda Dibrani und ihrer Familie an. Genau genommen handelt es sich um versuchte Kompromisse und nicht um tatkräftige Entschlüsse.

Abschiebung Familie Dibrani

Richtig, die Familie des 15jährigen Mädchens ist 2009 illegal nach Frankreich eingewandert, hat für einen erforderlichen Asylantrag falsche Angaben über die Herkunft gemacht – die Mutter mit vier der fünf Kinder stammt aus Italien und nicht aus dem Kosovo – und sind zu allem Überfluss nicht verheiratet; die angebliche Heiratsurkunde ist weniger wert, als ein fettiges Butterbrotpapier.

Nun passiert, was in einem Staat nicht ungewöhnlich ist; die Familie wird im Zuge eines rechtmäßigen Abschiebungsbescheides nach Mitrovica geschickt, ihrem eigentlichen Heimatort; als kleiner Wehmutstropfen ist die Großmutter hier begraben. Die Vorgehensweise als solches gegenüber den Eltern von Leonarda Dibrani ist eine Seite, die polizeiliche Handhabung gegenüber dem Mädchen eine andere.

So wurde sie mitten in einem Schulausflug mit mehr oder weniger autoritärer Gewalt aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen und in einen Bus verfrachtet. Dass dieses Vorgehen nicht unbeobachtet bleiben würde, sondern einen Medienrummel entfachen würde, sagt einem schon der gesunde Menschenverstand. Welcher Jugendliche würde nach so einem Erlebnis schon ruhig bleiben?

Aufregung in Frankreich

Bis hier hin kann man noch gut von einer Verkettung unliebsamer Ereignisse sprechen, doch alles was nun passiert, zeigt mangelnde Sozialkompetenz und den Wunsch es allen – inklusive sich selbst – recht zu machen. Hollande hätte spätestens jetzt eingreifen müssen, um das Richtige durchzusetzen, Fehler zuzugeben und eine klare Linie vorzugeben, schließlich muss er als Präsident Entscheidungsträger sein. Stattdessen machte Hollande die ersten Tage nichts; allerdings ist keine Entscheidung zu treffen, auch eine Entscheidung. Dies bekam der Präsident zu spüren, schnell nahm die Bevölkerung das Problem selbst in die Hand, sodass sich mehrere Interessengemeinschaften bildeten. Da waren die Schüler, welche für Leonarda Dibrani kämpften, Menschen die sich um des Aufregens willen lautstark meldeten und nicht zu vergessen der linke und der rechte Flügel der Politik. Beide Seiten freuten sich über solch ein politisches Zündfeuer. Und Hollande? Er hatte immer noch nicht begriffen, dass Führung bedeutet, Entscheidungen souverän umzusetzen. Um überhaupt irgendetwas getan zu haben, schlägt er vor, das Mädchen ohne die Eltern wieder nach Frankreich einreisen zu lassen, damit es seinen Schulabschluss beenden kann.

Durch das rhetorisch vergossene Öl aufs Feuer wird dieses nun endgültig zu einem lodernden Waldbrand, die Diskussionen über den zögerlichen Präsidenten überschlagen sich. Nur eine zeigt wirklich Rückrat und beweist, was es bedeutet, loyal zu sein; das abgeschobene 15 jährige Mädchen. Obwohl die Koffer in ihrem Heimatort nicht ausgepackt sind und sie unbedingt nach Frankreich zurück möchte, teilte sie unmissverständlich mit, dass sie nicht ohne ihre Familie geht. Hier könnte Hollande noch etwas über Loyalität lernen.

Ausblick

Nun darf man gespannt sein, wie es weitergeht. Es würde Hollande gut tun, wenn er für sich eine konsequente und vertretbare Linie findet, die sich nicht an den Massen orientiert – und in Frankreich gibt es genug Menschen, die eine Hartlinermethode bevorzugen – und nicht wie eine Fahne im Wind agiert. Wenn der Präsident einknickt und nun die Familie mit ihren noch nicht ausgepackten Taschen wieder nach Frankreich einreisen lässt, kann er sich nicht nur auf eine Protestwelle seitens des französischen Volkes gefasst machen, sondern auch auf eine Bittwelle anderer Abgeschobener.

11:31 25.10.2013
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