Wenn das Telefon zweimal surrt; Trickbetrug

Betrüger unterwegs Trickbetrüger kämpfen mit immer neuen Mitteln, um an Geld zu kommen
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Trickbetrüger haben es nicht leicht im täglichen Leben, schließlich will die Familie samt Kind und Kegel finanziell versorgt sein und die „Ausbildung“ des Nachwuchs ist nicht nur kostenintensiv, sondern auch risikoreich; schließlich steht der „Ausbilder“ nicht nur mit einem Bein im Grab wenn er erwischt wird, sondern mit beiden Beinen dort, wo er hingehört – im Knast, um es mal in seinem Genre auszudrücken.

Tricksen – das tägliche Geschäft

Also wird getrickst was das Zeug hält, höher, weiter, schneller – besser; dagegen war Max, der Taschendieb (mit Heinz Rühmann) seichtes Wohlfühlkino. Doch was sich Trickdiebe heute leisten, ist jenseits des guten Geschmacks und zeigt häufig eine Skrupellosigkeit ohnegleichen. Doch genauso wie Trickdiebe aufrüsten, rüstet die Verfolgungsbranche auf, und das ist gut so.

Wenn Trickbetrüger eine teure Vorrauszahlung wollen, um dann einen angeblichen Gewinn auszuzahlen, ist das eine Sache, wenn jedoch bei Rückruf der angegebenen Telefonnummer eine Weiterschaltung an türkisch Sprechende erfolgt, wo massiv Druck ausgeübt wird und in letzter Konsequenz die Drohung erfolgt, die Kehle durchzuschneiden, ist das eine ganz andere.

Betrug in großem Stil und doch erwischt!

Zu tricksen und zu schummeln mag unter Kindern in der Schule ein Kavaliersdelikt sein – was es letztlich aber nicht ist – doch Trickbetrug hat nichts damit zu tun. Das zeigt deutlich der groß angelegte Betrug der beiden niederösterreichischen Unternehmer Stephan K. und Robert M., die den Internet-Glücksspieldienstleister „Luck 24“ lukrativ unterhielten. Angeblich sollte per Vermittlung die Teilnahme an gewinnträchtigen Spielen möglich sein. Selbstredend, dass die Testphase kostenfrei war und man später in eine kostenpflichtige Schiene von monatlich 50 Euro rutschte. Um potentielle Kunden zu generieren, wurde eine weit verzweigte Struktur geschaffen. Hier ist noch zu klären, ob es sich um eigene Schattenfirmen handelt, oder ob Fremdfirmen – die Bescheid wussten – samt Call-Center engagiert wurden.

Der Betrug hat sich finanziell gelohnt; 1,7 Millionen Menschen aus Deutschland, Österreich und einigen anderen Ländern vielen auf die Masche herein – macht einen Betrag von 191 Millionen Euro. Erstmal! Dem Gericht erscheinen die Summe und die Anklage unvollständig, daher wurde die Verhandlung bis eventuell September hinausgeschoben.

Trickbetrüger schaden Vielen!

Leider wird bei solchen Betrugsfällen nicht nur jeder Einzelne geschädigt, sondern auch der Ruf größerer Firmen wird in Mitleidenschaft gezogen. So steht das Bankensystem auf sehr unsicheren Füßen, was aber auch mal wieder hausgemacht ist. In Deutschland ist es möglich, von jedem ixbeliebigem Konto Geld abzubuchen, wenn die Kontonummer bekannt ist. In der Schweiz geht das nicht, hier braucht es eine zusätzliche Vollmacht. Das ist eine kleine aber feine zusätzliche Sicherheit vor Betrug. In Deutschland sollte man regelmäßig seine Kontobewegungen überprüfen, da Gauner gerne Testüberweisungen tätigen, um zu sehen, ob das Konto aktiv ist. Der große Knall folgt dann später.

Auch Call-Center kommen in Verruf, da sie immer wieder mit Trickbetrug in Verbindung gebracht werden. Das ist auch kein Wunder, viele Trickbetrüger bauen ihre eigenen Call-Center auf, um unangenehmen Nachfragen seriöser Firmen zu entgehen. Wer auf Nummer sicher gehen will, orientiert sich an der TÜV-Zertifizierung DIN EN 15838. Ein Call-Center, das etwas auf sich hält, kann diese Zertifizierung nachweisen.

Leider funktioniert Trickbetrug nicht nur im großen Stil, oftmals werden Menschen betrogen, die sich am wenigsten wehren können; Kinder und alte Menschen. Wenn Kinder und Jugendlich sich im World Wide Web bewegen, ist schnell eine Seite besucht, die im Nachhinein hohe Kostenforderungen stellt, welche irgendwo im Mikro-Kleingedruckten zu lesen sind.

Der frühe Vogel fängt den Wurm; in diesem Fall den Betrüger!

Und ältere Mitbürger? Werden mit plötzlichen Enkeln konfrontiert die unheilbar krank sind, oder Familienangehörigen, welche einen Unfall hatten oder ganz schnell gegen Kaution aus dem Gefängnis freigekauft werden müssen. In allen Fällen ist Aufklärung und ein wachsames Auge das beste Mittel, zu Prävention!

Wer sich am Telefon nicht sicher ist, ob ein Betrüger an der Leitung ist, sollte auf keinen Fall persönliche Daten raus geben, oder gar einen Vertrag abschließen. Stattdessen sollte die notierte Rufnummer an die Bundesnetzagentur weitergegeben und ein Verfahren gegen den Anrufer eröffnet werden. Wer mit Schockanrufen belästigt wird, kann um einen Rückruf in einer halben Stunde bitten. Zwischenzeitlich wird die Polizei alarmiert, die sich weiter kümmern kann.

Die Fälle lassen eines deutlich werden; Betrug funktioniert. Und zwar deswegen, weil Gefühle ein gutes Druckmittel sind. Letztlich möchte jeder einzelne, der sich zu einem kleinen Gewinnspiel hinreißen lässt, auch einmal Glück haben. Das Glück des kleinen Mannes sozusagen.

Und wer schnell Geld abheben möchte, um seinen Enkeln oder Verwandten zu helfen, zeigt das höchste aller Gefühle; Mitgefühl.

19:36 20.05.2014
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