RE: Was heißt hier Populismus? | 20.03.2015 | 20:16

Unabhängig von diesem Artikel und der Theorie Laclaus halte ich es für falsch, davon auszugehen, dass das relativ breite Spektrum des Kräfte des zivilen Widerstands von Rechts bis Links als gemeinsam bindendes Element Xenophobie enthält - das ist eine Behauptung! Als Beispiel: Die sogenannte "Mistgabel-Bewegung" (Forconi) in Süditalien gilt als von Rechten unterwanderte Bewegung, was, soweit ich mich auf die Quellen verlassen kann, scheinbar stimmt. Doch so wenig verwunderlich das taktische Bündnis der SYRIZA mit der ANEL ist - ob es wirklich klug oder gar strategisch richtig ist, ist noch eine ganz andere Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist - so wenig klug ist es, die Formen des zivilen Widerstandes, die ursprünglich als "der Linken" zuzurechnen sind, unberücksichtigt zu lassen, in dem man sie mit der seit Jahren aktiven rechten Bewegung (Neue Rechte u.a.)komplett gleichsetzt. Hier gibt es viele ausserhalb der Fachpresse in den Tagesmedien voreilige Schnellschüsse, die m.E. sozialwissenschaftlich nicht haltbar sind. Folgende Interviews verdeutlichen in etwa das Spektrum der Meinungen bei den "Forconi": http://de.labournet.tv/video/6185/die-bewegung-der-mistgabeln

Desweiteren: http://www.zeitschrift-luxemburg.de/athen-ist-nur-der-anfang-von-der-wiederkehr-der-hoffnung-auf-veraenderung/

RE: Was heißt hier Populismus? | 20.03.2015 | 19:32

...ein interessanter Artikel, der eigentlich hier zur kritischen Diskussion anregen sollte...

RE: Nein, wir sind nicht ausländerfeindlich | 11.12.2014 | 21:02

"Es ist wirklich traurig, wie uninformiert und unreflektiert auf das gute alte °Teile und herrsche!° reingefallen wird."

"Geld wurde nicht verbrannt oder verboten, es wurde von unten nach oben verteilt."

Ganz genauso ist es!!! Seit dem sogenannten Asylkompromiß und der zuvor, wenn ich mich recht erinnere, 1986 durch die CDU angestoßenen Debatte über den Asylmißbrauch und dem ein paar Jahre zu erschienenen Lambsdorff-Papier begann der sukzessive neoliberale Umbau der deutschen Gesellschaft. Dieser Umbau zündet in fast periodischer Wiederkehr und ganz besonders vor den Wahlen, die immer gleichen Nebelkerzen: Die angeblich enorm angestiegene Kriminalität, die angeblich massiv zugenommene Einwanderung und die innere Sicherheit - oder alles in einer Kombination. Und spätestens seit dem Lambsdorff-Papier von 1982 wurde unverhohlen auf den Sozialstaat, der zum einem angeblich nicht mehr bezahlbar sei und dabei sowieso nur zu einer staatlich verordneten Unmündigkeit und einer Buffet-Mentalität erziehe. Mit kleiner Verspätung und vielleicht etwas moderaterer Handhabe begann, so darf man durchaus behaupten, die neoliberale Phase der Bundesrepublik Mitte der 80er und hält im Grunde genommen weiterhin an, wenn man von ein paar verstreuten wirtschafts- und sozialpolitischen Einzelmaßnahmen mal absieht.

Wie verlogen und im Grunde recht durchsichtig ist alleine die Einteilung in gute und schlechte Flüchtlinge! Gute Flüchtlinge, das sind die politischen Flüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge sind selbstverständlich schlechte Flüchtlinge. Wohlweislich vergessend, dass Europa einschließlich dem deutschsprachigen Gebiet Millionen Armutsflüchtlinge selbst einmal kannte, wenn man sich den Massenexodus der Armen Europas im 19. Jahrhundert wieder in Erinnerung ruft, der zu diesem Zeitpunkt auf seinen Höhepunkt zulief.

Gemäß der "Ethik" und den "völkerrechtlichen Überlegungen" - die neue/alte Rechte beruft sich ja ganz gerne auf ein Art Selbstbestimmungsrecht der Völker - also NPD, Lega Nord, Front National, UKIP und wie sie alle heissen, bis zu den Nutzern von "Political Incorrect" und den ebenso zahlreichen Welt-, Focus-, und Spiegellesern, die die Ergüsse in diesen Massenblättern tatsächlich für Qualitätsjournalismus halten und sich größtenteils in ihren Kommentaren vom rechten Rand nicht sonderlich unterscheiden, müssten also die europäischen Nachfahren nachdem ihre ausgewanderten Urgroßväter völkermordend die Einheimischen Nordamerikas vertrieben und Land geraubt haben, schnurstracks das Land der unbegrenzten Möglichkeiten eigentlich sofort wieder verlassen und wieder aufgeben. Aber diese offensichtliche Diskrepanz wurde und wird sofort mit der protestantischen Arbeitsethik gerechtfertigt.

Einfach formuliert lautet sie: Auf der Welt kann nur derjenige Mensch vor Gott bestehen, welcher am tüchtigsten und fähigsten ist. Die indigene Bevölkerung war innerhalb eines solchen Weltbildes halt schlichtweg unfähig und untüchtig gewesen, was sich in ihrem niedrigen Entwicklungsstand angeblich feststellen ließ. Der europäische Mensch dagegen ist von Gottes Gnaden auserwählt, was sich in dem hohen Entwicklungsstand seiner Zivilisation widerspiegele und dazu auserwählt, über andere ihm niedriger stehende Kulturen zu herrschen. So einfach und schlicht legitimierte man Raub und Mord an Millionen Menschen und bis heute hallt diese dumme Arroganz in zahlreichen Ausflüssen geistiger Diarrhoe auch im bürgerlichen Spektrum nach - man braucht hier keine dieser Namen zu nennen, denn schon das alleine wäre verschwendete Zeit!

https://www.youtube.com/watch?v=96zYdR2YEZY

Blöd nur, dass eine nicht geringe Anzahl der von Gott auserwählten Subjekten als Krone der Schöpfung scheinbar zu dämlich sind, zu verstehen, das die Marginalisierung der Armutsflüchtlinge in erster Linie dem Zweck ihrer eigenen Ausgrenzung dient und der Rechtfertigung wachsender Armut trotz eines nie zuvor in dieser Form existierendem Reichtums der ökonomischen Eliten in unserer Gesellschaft. Und sie verstehen gleichzeitig nicht, dass dies dem Alibi all derjenigen politisch Verantwortlichen dient, die zu feige, zu bequem oder zu korrupt sind, die Errungschaften europäischer Wohlfahrtsstaatlichkeit gegen diese Eliten zu verteidigen. Einem Alibi, dass dazu dient, das unzählige Heer an Arbeitslosen in einem Europa der Privatiers disziplinieren, damit die sozial Schwächsten gefälligst an ihrem angeblich selbstverschuldetem Schicksal glauben mögen. Wer das nicht kapiert, ist entweder wirklich zu dumm dazu, habituell dazu nicht in der Lage oder sogar ein Profiteur dieser Situation, in der die Schwachen und die Schwächsten gegeneinander ausgespielt werden.
https://fbexternal-a.akamaihd.net/safe_image.php?d=AQDf64lZ-I1iX5vt&w=90&h=90&url=http%3A%2F%2Fmedia0.faz.net%2Fppmedia%2Fvideo%2F1737189507%2F1.2998562%2Farticle_multimedia_overview%2Fverarmte-kulisse-verfallene-haeuser-in-goldthorpe-in-der-region-yorkshire.jpg&cfs=1&upscale=1Großbritannien: Eine reiche Nation...faz.net|Von Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH

RE: Holzpflock ins Ohr | 11.12.2014 | 19:04

Wenn ich mich recht erinnere, hatte die US-Regierung keinen geringeren als Philip Zimbardo nach den Vorkommnissen in Abu befragt oder gar beauftragt und wie er diese beurteile. Er tat ihnen, Gott sei Dank, nicht den Gefallen, die Vorfälle durch Individualisierung herunterzuspielen, sondern bekfräftigte nochmals, dass derartige Mißhandlungen, Greueltaten und ähnliche Verbrechen nicht auf ein "paar faule Äpfel" zurückzuführen seien, sondern systemisch bedingt und auf den Strukturen des US-Militärs zurückgehen - was von vornherein gewissermassen auch offensichtlich war, denn neben den eigentlich direkten Tätern, gibt es ja noch die zahlreichen passiven Mittäter, welche zuschauen und schweigen. Also Militärstrukturen wie seit Menschengedenken, in Abstinenz von einer demokratischen Kultur der "Zivilcourage", die angeblich existiere, wie so oft behauptet wird, wenn sich westliche Armeen werbewirksam der Öffentlichkeit präsentieren. (Wie immer stellt Zimbardo die richtigen und bis heute m.E. nicht hinreichend beantwortete Fragen: Was macht den normal sozialisierten Menschen zum Sadisten oder Mittäter? Warum greift die Mehrheit der Menschen nicht ein und schaut passiv zu? Welche Strukturen, Situationen und gesellschaftlichen Einflüsse führen zu solch einem ähnlichen Verhalten einer großen Mehrheit der Menschen weltweit? http://www.theeuropean.de/philipp-zimbardo/1-was-wir-aus-dem-stanford-prision-experiment-gelernt-haben

RE: Der Barde, der Bundestag und die Volkskammer | 10.11.2014 | 15:20

"Braucht es da noch eine Therapie, oder ist palliativ der Niedergang noch irgendwie erträglicher zu gestalten?" Gute Frage! Welche Schmerzmittel taugen denn in Colin Crouchs postdemokratischer Gesellschaft eigentlich noch?

RE: Sozendämmerung | 09.11.2014 | 22:26

Stimme Ihnen zu! Ein schöner Beitrag und ein ebenso schöner zusammenfassender wie richtiger Kommentar!

RE: Unser täglicher Weltuntergang | 20.10.2014 | 23:28

"Und der Mensch vor die Wahl gestellt, sich die Apokalypse von den falschen Leuten einreden oder von den falschen Leuten ausreden zu lassen." Großartiger Satz!