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RE: "Wir sind aggressive Humanisten" | 06.11.2014 | 14:53

Wenn jemand behauptet, dass die Umstände an der deutsch-deutschen Grenze nicht mit denen an den europäischen Außengrenzen vergleichbar seien, dann kann dies eigentlich nur bedeuten, dass er nicht weiß, was da jeden Tag abläuft: Spanische und griechische Grenzschützer schießen längst mit scharfer Munition auf Flüchtlinge. Überfüllte Boote werden von der Küstenwache um Wasser und Sprit "erleichtert" und dann aufs offene Meer geschleppt, wo sie ihrem Schicksal überlassen werden. Menschen verbluten im Stacheldraht. Menschen fallen ins Meer und werden mit Waffengewalt vom rettenen Festland ferngehalten.

An den Grenzen Europas spielt sich eine humanitäre Katastrophe von gigantischem Ausmaß ab. Selbst wenn es so wäre, dass diese Flüchtlinge allesamt arbeitsscheue "Sozialtouristen" (©CDU/AfD/NPD) sind, hat niemand das Recht, diese Menschen in den sicheren Tod zu schicken. Wer das Gegenteil behauptet, bewegt sich ideologisch auf tiefbraunem Boden.

RE: Witzelt also ruhig weiter | 24.02.2014 | 10:10

Dieser Tatort trieft von rassistischen Klischees wie ein Thilo-Sarrazin-Buch, und er macht dabei dieselben Fehler: Falsche Fakten werden herangezogen, um falsche Thesen zu untermauern.

Exemplarisch dafür sind die Szenen, in denen sich die arabische Großfamilie im Gerichtssaal wie eine Horde Affen aufführt, ständig dazwischen schreit und über die Stuhlreihen springt. Jeder deutsche Richter würde in so einer Situation spätestens nach der zweiten Ermahnung den Saal räumen lassen - nicht so im Tatort, weil man dann ja darauf verzichten müsste, die vorgebliche Primitivität der "südländischen Untermenschen" weiter zur Schau zu stellen.

Davon abgesehen dürften sich Berufsverbrecher wie die dargestellten Araber (bzw. die real existierende Großfamilie, auf die sich das Drehbuch bezieht) vor Gericht und in Polizeiwachen davor hüten, sämtliche Beamten zu provozieren, die beim Strafmaß ein Wörtchen mitzureden haben. Hier aber passiert das Gegenteil - wohl ebenfalls, um die "Dummheit" der Ausländer hervorzuheben. Dass jemand eine Staatsanwältin vor zahlreichen Zeugen anspuckt und als "Fotze" beschimpft, würde in der realen Welt wohl kaum ohne eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung durchgehen.

Fazit: Dieser Tatort ist unrealistisch wie die meisten seiner Art, die Realitätsferne wird aber bewusst genutzt, um primitive rassistische Klischees zu bedienen. Dass es so viel Applaus dafür gibt, lässt tief blicken in die deutsche Seele. Eben ganz wie bei Sarrazin.

RE: Israelkritik wird zum Antisemitismus gemacht | 03.01.2013 | 03:17

Fun fact: Die arabischen Muslime, gegen die Henryk M. Broder so gerne ätzt, sind übrigens auch Semiten. Wer andern eine Grube gräbt … ;)

RE: Hier in der Nordstadt | 12.11.2012 | 10:30

… und ich hatte mir einst geschworen, mir nie wieder das pseudo-akademische Sprachgewichse anzutun, das im Freitag als Tatort-"Kritik" verkauft abgesondert wird. Mein Fehler. Aber so ist das halt mit den Geschmäckern: Dem Einen gefällt der Dortmunder Tatort nicht, dem Anderen rollen sich sich die Zehennägel hoch, wenn er einen Text liest, in dem das inflationäre Einschieben von sinnentleerten Nebensätzen zwischen sinnentleerte Hauptsätze zum Stilmittel erhoben wird - ein Stil, der die intellektuelle Leere hinter den Worten noch hervorhebt, anstatt sie zu vertuschen.

Objektivität? Zweimal Fehlanzeige. Asche also nicht nur auf das Haupt von Matthias Dell, sondern auch auf meins. Der Unterschied zwischen dem Kritiker und seinem Leser ist allerdings, dass einer von Beiden nicht zum Konsum des kulturellen Erzeugnisses gezwungen wird. Dass ich über einen Artikel meckere, den ich nicht lesen musste, wird also nicht wieder vorkommen. Ehrenwort!(?)

Im Gegensatz zu vielen Kommentaroren fand ich die beiden Dortmunder Tatorte übrigens sehr unterhaltsam. Hauptkommissar Faber könnte man als gelungene Mischung aus Dr. Cox (Scrubs) und Privatdetektiv Brenner (Silentium, Der Knochenmann) bezeichnen. Obwohl die Drehbuchautoren erfreulicherweise nicht zu offensichtlich abgekupfert haben, lassen sich die Vorbilder in einigen Szenen nicht verleugnen. Auch die Art und Weise, auf die in den beiden Folgen mit Klischees (z.B. über Schwule, Türken und Pott-Folklore) gespielt wurde, gefällt. Dass am Ende der gestrigen Folge zwar der Fall gelöst, ansonsten aber wieder alles beim Alten war, ließ trotz der subtilen gesellschaftskritischen Untertöne keine Sozialromantik aufkommen.

RE: Trickser in eigener Sache | 08.11.2012 | 14:32

Steinbrücks "Glaubwürdigkeit" ist nicht erst seit der Affäre um seine Nebeneinkünfte beschädigt: Der Mann hat als Finanzminister die dreistelligen Milliardenschulden der Zocker-Bank Hypo Real Estate verstaatlicht. Das von ihm geführte Ministerium ließ die Verjährungsfrist für Schadensersatzansprüche um exakt einen Tag verstreichen, sodass statt der HRE-Aktionäre nun die Steuerzahler haften.

Auch seine Glaubwürdigkeit als "Mahner für mehr soziale Gerechtigkeit" lässt zu wünschen übrig: Seinen Aussagen zufolge geben Hartz-IV-Empfänger ihr Geld schließlich sowieso nur "für Zigaretten und Pils" aus.

RE: Wer weiß noch, was ein Reifezeugnis ist? | 13.10.2012 | 10:42

Zitat: "Die Ergebnisse des Ländervergleichs zeigen vorallem Mängel in der Lehrerausbildung".

Wieso liegen dann Berlin und Brandenburg - also zwei Bundesländer, deren Lehrkräfte größtenteils an denselben Hochschulen ausgebildet werden, so weit auseinander?

Wenn es tatsächlich so wäre, dass der Ländervergleich "vor allem" Mängel der Lehrerausbildung misst, dann hätte das IQB sein Ziel verfehlt: bestimmte Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern in den teilnehmenden Bundesländern zu vergleichen. Untersuchungsdesign und Methodik sind genau darauf ausgerichtet. Unmittelbare Aussagen über Lehramtsstudium und Referendariat sind mit einem solchen Vergleich hingegen nicht intendiert und auch nicht möglich. Dazu hätte man keine Studie mit Schülerinnen und Schülern, sondern eine mit Lehramtsstudierenden machen müssen (keine Sorge, auch daran wird zurzeit gearbeitet).

Zitat: "Schule, könnte man sagen, dient heute dazu, 'Menschenmaterial' für Industrie, Handel und Verwaltung zuzurichten."

Das ist die traurige Realität. Am unteren Ende - in den Haupt- und Sonderschulen - wird diese Ökonomisierung menschlichen Lebens noch durch die Vorbereitung auf ein Leben ohne Arbeit und mit Hartz-IV ergänzt.

RE: Eine weniger flog über das Kuckucksnest | 11.10.2012 | 19:56

Das Ganze lässt sich vermulich leicht unter der Maxime "divide et impera" zusammenfassen. Dazu braucht's keine Verschwörungstheorie, sondern nur Machiavelli.

RE: Die Wut muss raus | 10.10.2012 | 12:53

Ich verstehe nicht, wieso bei Becks Reaktion von einem "Wutausbruch" die Rede ist. Der Mann wirkt zwar ein bissel genervt, bleibt doch aber dabei vergleichsweise höflich und fomuliert sein Anliegen sogar als Bitte: "Können Sie mal 's Maul halten für einen Moment?"

Wer richtige Wutausbrüche erleben will, sollte sich mal alte Videos auf Youtube anschauen. Zum Beispiel von Franz Josef Strauß, der Störer mitunter als "Nazis" beschimpfte. Oder von Helmut Kohl, der auch schon mal wie ein wütender, angeschossener Elefant auf ostdeutsche Eierwerfer losging und nur mit Mühe von seinen Tierpflegern … Verzeihung: seinen Personenschützern zurückgehalten werden musste. :-p

RE: Die Kinder der Krise | 05.10.2012 | 10:41

Die Exaktheit der Zahlen täuscht über ihre eingeschränkte Aussagekraft hinweg. Denn es gibt sie auch im Bologna-Zeitalter noch: Die Studenten, für die das Studium keine Berufsausbildung, sondern ein Experimentierfeld ist. Durch die drastisch gestiegenen Studierendenzahlen fallen sie nur nicht mehr so stark ins Gewicht wie zu Twains Zeiten, in denen weniger als 1 Prozent der Bevölkerung über ein Abitur verfügte, oder in den 60er Jahren, wo die Quote gerade einmal bei gut 5 Prozent lag.

Sicher: Bachelor und Master schränken die Freiheit in der beliebigen Wahl von Lehrveranstaltungen stark ein - völlig unmöglich machen sie ein interessengeleitetes Studium aber nicht. Das schreibt hier einer, der sein BA/MA-Studium sehr individuell (d.h. vom Muster-Stundenplan deutlich abweichend) gestaltet hat und trotzdem in der Regelstudienzeit und mit bestem Ergebnis fertig geworden ist.

Umgekehrt war ein "Studium nach Vorschrift" auch in der Vergangenheit nie die Ausnahme, sondern immer die Regel. Mainstream-Studenten, die ihrem akademischen Abschluss pragmatisch, opportunistisch und auf dem Weg des geringsten Widerstands entgegenstudierten, machten zu allen Zeiten die Mehrheit der Immatrikulierten aus - bereits zu Lebzeiten Hegels stellte dies ein gewisser Arthur Schopenhauer am eigenen, leeren Hörsaal fest.

Daneben ist Uni von heute - so böse das klingen mag - auch ein Auffangbecken für all jene, denen der nicht-universitäre Ausbildungs- und Arbeitsmarkt keine Optionen bietet. Nicht selten wird die Frage nach der Motivation für den Hochschulbesuch mit Verweis auf den trüben Arbeitsmarkt beantwortet. In dieser Personengruppe ist die Wahrnehmung des Studiums als Berufsausbildung besonders stark ausgeprägt. Noch drastischer ausgedrückt: Ohne die Hochschulen mit ihren überfüllten Hörsälen und ihrem - zumindest teilweise - sehr fragwürdigen Angebot an neuen Studiengängen wäre die Arbeitslosenzahl noch viel höher, als sie es aktuell ist. Nach erfolgtem Abschluss wird der schöne Schein mit unbezahlten Praktika und anderen "Maßnahmen" munter aufrecht erhalten.

RE: Mantel des Schweigens | 08.09.2012 | 11:11

"Haben die Lehrer versagt? Haben sie weg geschaut? Viel wahrscheinlicher scheint, dass die Schüler auf ihre Weise besonders clever waren."

Nach dieser Logik waren die Schüler in der DDR weniger clever, denn dort gab es deutlich weniger funktionale Analphabeten.