globi09
11.06.2011 | 09:58 5

Keine Werbung für die Bundeswehr

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied globi09

Unter diesem Motto haben das Berliner Bündnis „Schule ohne Militär“ und "Aktion Freiheit statt Angst" e.V in einem offenen Brief an die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die S-Bahn Berlin GmbH gefordert, dass die Unternehmen nicht weiter für eine „Karriere“ bei der Bundeswehr Werbung machen. Der Brief nimmt vor allem den Spruch „Zukunft gestalten“ aus der Bundeswehrwerbung aufs Korn und führt aus:

Welche Zukunft ist hier gemeint?
Handelt es sich um die statistisch gesehen verkürzte Zukunft des Bewerbers, der bei der Bundeswehr die Möglichkeit erhält früher zu sterben oder verstümmelt zu werden?
Oder ist es die Zukunft der Bewohner ferner Länder, die wir, wie in Kunduz, durch Bombardierungen verkürzen? 1)
Vielleicht handelt es sich auch um die Zukunft derjenigen, die in Schlauchbooten versuchen Europa zu erreichen und sich plötzlich hochgerüsteten FRONTEX Schnellbooten gegenüber sehen. Sie erhoffen sich ein menschenwürdiges Auskommen zu erlangen, nachdem in ihren Ländern kein Geld mehr vorhanden ist, weil unsere „erfolgreiche Wirtschaft“ 2) ihren korrupten Machthabern genügend Gewehre, Geschütze und Militärtransporter aufgeschwatzt hat, wodurch diese nebenbei, wie u. a. in Tunesien und Ägypten, zu Milliardären aufstiegen. Vielleicht kommen sie aber auch nur aus einem Land vor dessen Küste europäische oder japanische Fischfabrikschiffe ihnen den letzten Fang weggefischt haben. 3)

Der offene Brief schließt mit den Forderungen:

  • keine Werbung für militärische Konfliktlösungen
  • keine Werbung für ein persönliches Engagement in militärischen Verbänden
  • stattdessen Einsatz für zivilgesellschaftliches Engagement zur Lösung von Problemen auf der Welt

Wir fordern die Verantwortlichen bei den Berliner Verkehrsbetrieben auf, in ihren Zügen und auf ihrem Gelände zukünftig keine weitere Werbung für die Bundeswehr zu gestatten.

Mehr dazu bei www.aktion-freiheitstattangst.org/presse/pressemitteilungen

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (5)

iDog 11.06.2011 | 19:55

Bemerkenswert diese Initiative. Sie sollte allgemein Schule machen und zu einem allgemeinen Werbeverbot für die BW führen. Ich kann sie inhaltlich nur In jeder Hinsicht unterstützen, sehe hier aber lediglich einen gelungenen Anfang.

Dramatisch an der ganzen Angelegenheit sind die gerade sich verschärfenden, gesellschaftsrelevanten ökonomischen und individuellen Sachzwänge. Schaut man über den Atlantik, muss man feststellen, dass dort die Aushöhlung der Binnenwirtschaft, die damit verbundene Einkommensschere, die durch die so genannte Krise erzeugte Arbeitslosigkeit junge Leute massenhaft unter Druck setzt und zum Militär treibt, da es sonst wenig "Arbeit" gibt. "Krieg garantier Vollbeschäftigung" ist eine alte Dummheit. Wir sollten einem blindem Folgen diese schlechten Beispiels genügend Widerstand entgegen zu setzen wissen.

Wir können daher nur hoffen und uns aktiv dafür engagieren, dass es nicht nur bei einer Beschwerde bezüglich der lokalen Werbung für eine Zukunft als Kanonenfutter bleibt, sondern der Konsens der Bevölkerung spätestens zur nächsten Wahl sich dahin gehend konkretisiert, dass nicht nur jede Art militärischer Intervention aus welchem vorgeschobenen Grund und wo auch auch immer unmöglich gemacht wird - steht ja eigentlich schon im GG, sondern auch ein konsequenter Ausstieg aus dem Waffenexport obligatorisch wird. Deutschland sollte neutral werden, was man einem Land mit dieser spezifischen Vergangenheit sicher nicht zur Last legen könnte.

Imperiale Raubzüge sind überdies einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig. Es ist ja nicht so als wenn man nichts besseres zu bieten hätte auf einem fairen Markt als dümmliches Keulenschwingen, gewalttätige Erpressung oder militärische Dienstleistungen für eine sich ermächtigende faschistoide Finanzelite.

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Ehemaliger Nutzer 11.06.2011 | 22:59

Ich kann die Initiative nur voll unterstützen.
Die Bundeswehr nähert sich langsam an dem Verhalten der USA, einfach mal so in andere Staaten zu intervenieren.
Ich finde das als eine furchtbare Entwicklung.
Mit welchen Recht verfolgt die BRD solche Ziele.
Was ich ganz furchtbar finde ist, dass die Bundeswehr Symbole und Namen aus der Nazizeit verwendet.
Das z.B. weiße Kreuz auf vielen Bundeswehrfahrzeugen, wurde auch von der faschistischen Wehrmacht verwendet.
Auch der Begriff "Feldjäger" ist ein Begriff aus der Nazizeit.
Wir alle wissen, welche Verbrechen gerade die Feldjäger (Kettenhunde) gegenüber nichtwilligen Soldaten verübt haben.
Gerade die BRD sollte aufpassen, dass sie von den USA nicht in prekäre Situationen mit hineingebracht wird.
Die Auszeichnung für Merkel könnte der Anfang sein, denn schließlich muss sich Merkel dafür erkenntlich zeigen.
Für die BRD könnten sehr düstere Jahre auf sie zukommen.
Gerade unser Land sollte sich bei kriegerischen Auseinandersetzungen, zumal sie ungerecht sind, zurück halten. Der Afghanistankrieg ist z.B. solch ein Fall. Wir haben in diesem Land nichts zu suchen. Obwohl 80% der Deutschen Bevölkerung den Einsatz der Bundeswehr dort nicht will, wird dies von Regierung und Parlament negiert. Daran sieht man aber, dass die BRD ein williges Werkzeug der USA ist. Das eigene Volk ist vollkommen Nebensache.

miauxx 12.06.2011 | 02:36

Kann ich nur unterschreiben!
Das schlimme ist, dass die BW, zumindest auf diesen speziellen Plakaten, nicht einmal "Werbung für militärische Konfliktlösungen" betreibt, sondern überwiegend für "Studium, Karriere und sehr guten Verdienstmöglichkeiten". Die Verschleierung dessen, was eine Armee eigentlich ist, wozu sie da ist - das ist das besonders infame.
Wenn jemand schon zur Armee geht, dann sollte dahinter eine gewisse Überzeugung stecken. Da würden sich für eine Bundeswehr wohl aber erhebliche Personalprobleme auftun ...

miauxx 12.06.2011 | 02:50

Gerade noch die Reaktion der Kundenbetreuung der S-Bahn-Berlin per Kommentar auf der Website "Freiheit statt Angst" gelesen, die ich mir mal erlaube hier zu posten:

"Die Vermarktung der Werbeflächen in unseren Zügen und auf unseren Bahnhöfen erfolgt ausschließlich durch die Firma Ströer. Daher möchten wir Sie bitten sich mit Ihren Anliegen an folgende Kontaktadresse zu wenden: (...)"

Das soll eine Stellungnahme der S-Bahn, der DB, sein?