Täter, wehrt euch! Bank Transfer Day

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Viel wurde bereits über die Zielsetzung der Occupy-Bewegung diskutiert - und zu Recht sehen einige genau in dem Fehlen vordefinierter Programme die Stärke der Bewegung

Doch muss es bei dieser Diskussion nicht um ein Entweder-Oder gehen: Zweifellos ist "Präsenz zeigen" wichtig und ein Volk, das gemeinsam auf die Straße geht, kann viel bewirken, das hat die Geschichte oft genug gezeigt. Aber während Protest ein wirksames politisches Druckmittel ist, sind den Banken selbst die Proteste ziemlich egal. Wer auf die Straße geht, nimmt also einen Umweg: Er übt Druck auf die Politik aus, damit diese widerum den Banken Druck macht.

Einige Demonstranten versuchen nun einen direkteren Weg: Das eigene Konto: Die ersten Aktionen und Reaktionen zum BankTransferDay zeigen: kündigende Kunden schrecken die Banken weitaus mehr als zeltende Demonstranten:

www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&;;v=RqGzQ4SzCAk

Die Idee ist keineswegs neu: Attac hat die Aktion "Krötenwanderung" bequemerweise schon fertig durchformuliert und eine komplette Bedienungsanleitung für den Bankwechsel und die Verwandlung zum mündigen Konsumenten zusammengestellt: Inklusive Informationen, Analysen und Alternativen zum mitmachen. Sogar eine Vorlage für den Abschiedsbrief an die eigenen Bank gibt es.

Diese Bewegung ist in vielerlei Hinsicht eine Gelegenheit, alten Ideen neues Gehör zu schenken. Dazu gehört, sich der Verantwortung für das eigenen Geld bewusst zu werden. Wie dringlich das ist, bestätigt der aktuelle Food-Watch Bericht. Er erhärtet den Verdacht, dass Bankkunden mit ihrer Altersvorsorge die preistreibenden Wetten der Spekulanten auf Lebensmittel bezahlen:

foodwatch.de/foodwatch/content/e10/e45260/e45263/e45318/foodwatch-Report_Die_Hungermacher_Okt-2011_ger.pdf

Auch wer nicht zu dem erlauchten Kreis der rund 3 Millionen deutschen Aktienbesitzer gehört - auch das eigenen Gehalt, Stipendium oder sonstigen Unterhalt muss man nicht bei einer Bank parken, die damit ins Casino geht und ihre Gewinne auf Kosten ärmerer Länder ausbaut. Zumal Deutschland bislang kaum zu den Opfern dieser Krise zählt - sondern sie vielmehr bezahlt und sich dem Vorwurf stellen muss, davon zu profitieren. Während junge Spanier, Italiener und Griechen aufgrund mangelnder Jobchancen aus ihren Ländern flüchten, ist in Deutschland die Arbeitslosenquote niedriger denn je.

Deutschland ist reich - und damit mächtig in einer Finanzkrise, in der Geld wirksamer ist als Politik. Im Kapitalismus ist die Stimme der Konsumenten mindestens genauso wichtig wie die Stimme der Wähler - und das beschränkt sich nicht nur auf die Rolle des Bankkunden. Jede Kaufentscheidung ist eine Abstimmung, jede Überweisung eine Wahl, jeder Kontoeröffnung ein Regierungswechsel. Das sind keine neuen Antworten, aber sie können helfen zu erkennen, wo wir stehen: Gerade Deutschland sollte sich seiner Täter-Rolle in diesem System bewusst werden um nicht trotzdem, sondern gerade deswegen die Veränderungen in Europa mit Macht und Verantwortung voranbringen.

17:56 19.10.2011
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Geschrieben von

gloria veeser

Es lebe der Güter Gefährlichstes - die Sprache
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shalako | Community
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