Afghanistan reloaded

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Um die Leiche herum standen einige bekannte Figuren. Der Chef-Chirug war ein geisterhafter Zombie, der einem Cowboy im Präsidentenamt verdächtig ähnlich sah. Neben ihm stand der Neue. Er gab dem Cowboy ein nagelneues Skalpell. Die vermeintliche Leiche war vielleicht nur im Koma, sonst hätte das Ganze keinen Sinn gemacht oder spielte das überhaupt keine Rolle mehr?

Der Chef-Chirug nahm das blutende Herz heraus.Terrorist , murmelte er vor sich hin und warf es mit Abscheu in einen Eimer.

Dann machte sich das internationale Team an die Transplantation eines demokratieähnlichenKunstherzens Am Arm des Patienten schnitt ein englischer Chirug kleine Stücke heraus und pfiff dabei ein lustiges Lied.

. Eine Krankenschwester aus Frankreich verband die offene Wunde gewissenhaft und schmierte weiße Salbe darüber. Sie betrachtete überaus erfreut ihr Werk und sah den Chirugen bei der Arbeit zu, bis sie wieder zum Zuge kam.

An den Beinen und auch an den sonstigen Körperteilen wurde geschnitten, gesägt und gebohrt um die Wette. Das emsige geschäftige Treiben nahm kein Ende.

Alle waren eifrig beschäftigt. Die Chirugen aus aller Herren Länder waren sehr zufrieden mit ihrem Werk und die Krankenschwestern und -pfleger versorgten die Wunden gewissenhaft und professionell.

Zeitweilig sah es so aus, als wenn der Patient nur aus Einzelteilen bestehen würde. Hier am Hals fehlte ein Teil, da fehlte ein Zeh, dort ein Stück aus dem Unterschenkel. Und im nächsten Augenblick wurde wieder etwas eingesetzt , zusammengenäht und mit weißer Salbe verschmiert.

Die deutsche Chirugin hatte kein Skalpell in der Hand. Sie stand neben dem Kopf der komatösen Leiche und schminkte das Gesicht mit Leidenschaft. Allmählich sah das Gesicht immer natürlicher , fast lebendig aus. Man hätte meinen können, die liegende Gestalt freue sich oder sei gar das blühende Leben.

Lediglich das leichte Stöhnen irritierte am freundlich-friedlichen Eindruck des betäubten Patienten.

Ein amerikanischer Chirug, der gerade eine Pause machte, sah sich das geschminkte Gesicht an , runzelte die Stirm und fragte die deutsche Chirugin: Was soll das? Warum machen sie das?

Die seriöse Chrugin strich sich die Haare aus dem Gesicht und meinte: Sieht er nicht fast lebendig aus? Wenn er täuschend echt lebendig aussieht, machen wir ein Gruppenfoto für die Welt.

Sie die englischen, französischen und alle anderen Chirugen zusammen mit dem glücklichen Patienten auf einem Bild.

Und was soll das bringen? Fragte der amerikanische Chirug achselzuckend.

Wenn wir ein tolles Foto von uns mit dem gesundaussehenden Patienten der Weltöffentlichkeit präsentieren können, können wir endlich wieder nach Hause fahren. Den Rest überlassen wir dann dem örtlichen Gesundheitsdienst.

18:52 01.02.2010
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Geschrieben von

goch

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goch

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