Bildung kostet Verstand

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In einem schönen Pro und Contra hat die WAZ heute zu dem Thema: Studiengebühren abschaffen Stellung genommen.

Ulrich ist natürlich Contra:

Studienbeiträge sind gerecht, denn Bildung hat einen Preis und weshalb sollen denn jene nicht bezahlen, die davon die Vorteile haben? Akademiker haben einen dopppelten Vorteil : ein geringeres Arbeitsplatzrisiko und eine höhere Verdienstaussicht.

Nun da landet man, wenn man gesellschaftliche Zusammenhänge wie Ulrich auf individualistische Sichtweisen verkürzt.

Mal auf die Bankenkrise angewandt: Wer hat von den hunderten Milliarden , die wir Arbeitnehmer bezahlen müssen ,um die Banken zu retten,den größten Vorteil? Die skrupelostesten Banker , die ja auch heute wieder in Geld schwimmen

Komisch nur , dass niemand in der WAZ auf die Idee kommt, wenn das Geld so locker da ist für überflüssigen Schnickschack wie Spekulieren, warum ist dann kein Geld oder nicht genug Geld da ,für sinnvolle Investitionen wie die Bildung?

Oder gar, weil es diese Geldverschwendung gibt, können wir nicht so viel Geld für sinnvolle Dinge ausgeben, wie möglich.Was für ein furchtbarer Gedanke. Wo bleibt da noch die Begründung für die nächste Sparorgie?

Nun aber mal – nur einen Augenblick - ganz im Ernst. Hochqualifizierte Arbeitskräfte sind das Rückrad der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes wie Deutschland, dass durch Innovationen und Spitzenprodukte seinen Platz in der Weltwirtschaft behaupten kann. Hochqualifizierte sichern also auch Arbeitsplätze der anderen.

Kann auch gar nicht anders sein, da in einer arbeitsteiligen, hochspezialisierten Produktions und Dienstleistungsgesellschaft erst die gemeinsame Arbeit aller Arbeitskräfte die Qualität ermöglicht , die international konkurrenzfähig ist. Alle haben also einen Vorteil von möglichst hochqualifizierter Arbeit. Die Unternehmer, die Arbeitnehmer, die Verbraucher etc.

Studienbeiträge sind gerecht, denn Bildung hat einen Preis

Kann man auch formulieren: alles was einen Preis hat ist gerecht oder gibt es noch andere Sichtweisen?

Vielleicht gibt es ja auch noch die Sichtweise: Wissen und Bildung haben einen Eigenwert für die Persönlichkeitsentwicklung und Menschen , die in einer Demokratie leben wollen, brauchen dies, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Leider oder Gott sei dank hat die Demokratie kein Preisschild und auch das selbstbestimmte Leben nicht!

Wenn die Demokratie ein Preisschild hätte ,würde Ulrich von jedem Wähler eine Wahlsteuer verlangen.

Ob das dann eine Vergnügungssteuer oder eher eine Abgeltungssteuer wäre, sei dahingestellt.

15:32 23.02.2011
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Geschrieben von

goch

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goch

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