Das geheime Tagebuch von Angie 17-9-10 Dankbarer Basisdemokrat

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Hab' ich doch einen Dankesbrief von einem Basisdemokraten aus den Reihen der Grünen bekommen.

Was ist das überhaupt: Basisdemokrat? Stimmen die ab, was sie essen und trinken oder was?

Na, sei`s drum.

Der Brief fing höflich an:

Liebe Angie! schrieb er:

Mit ihrer Atomkraft-Politik haben sie entscheidendes Vertrauen verspielt!

Ihre DDR-Biografie mag sie zu dieser gravierenden Fehleinschätzung gebracht haben.

Im Osten gab es ja keine Anti-Atom-Kraft-Bewegung. Das spielte sich ja nur im Fernsehen ab und wie das Westfernsehen über Linke berichtet, brauch' ich Ihnen ja wohl nicht zu erklären.

Na, ja, sie hatten ja die Braunkohle. War ja auch nicht ohne als Umweltproblem.

Aber nicht so das Thema bei Ihnen.

Die tiefgreifendste Bewegung der alten BRD hat nicht nur die Grünen als Partei hervorgebracht, sondern eine ganze politische Generation geprägt.

Dies hat im Westen zu einem Konsens in allen Volksschichten geführt

.Konsens war und ist, dass die Atomkraft die gefährlichste Art der Energieerzeugung für die Menschen ist und von daher keine Zukunft hat.

Diesen Konsens haben sie leichtfertig aufs Spiel gesetzt und damit Dinge in Bewegung gebracht, die sie so nicht geahnt haben.

Diese Überzeugung ist ein Stück Lebensgefühl im Westen,und reicht weit über die Anti-Atom-Kraft-Bewegung hinaus in vielfältige Politikfelder, die damit zusammenhängen.

Das lässt sich mit ein paar banalen Argumenten - Klimaretter Atomkraft , Brückentechnologie - nicht aushebeln oder vernebeln.

Diesen breiten gesellschaftlichen Konsens haben sie im Vertrauen auf die hegemoniale Macht der Wirtschaftseliten aus der Finanzwelt und der (nicht nur ) Energie- Monopole krass unterschätzt.

Ihr lieber Kollege Röttgen hat versucht, sie davon zu überzeugen, dass nur mit seiner Politik der kurzen Laufzeitverlängerung gravierender Schaden von der CDU abzuwenden wäre oder wenigstens eingedämmt werden könnte.

Der demoskopische Zuspruch der Grünen speist sich aus ihrem klaren Anti-Atom-Kraft-Profil.Ob sie es wollen oder nicht , ob sie es verstehen oder nicht , der wird weiter wachsen.

Das dieser „Auftrag“ der zukünftigen Wähler der grünen Führungsschicht nicht geheuer ist, liegt sicher auch an der Regierungsmacht-Fixierung der Grünen, die leise befürchten , dass sie der Rückenwind einer kraftvollen außerparlamentarischen Bewegung in eine Richtung führen könnte, die die pragmatische-angepasste Führungsschicht der Grünen nicht auf ihrem Fahrplan hat.

Frau Merkel , ich danke Ihnen für Ihre uneinsichtige und machtzentrierte Sichtweise.

Sie machen also die Grünen stark und drängen sie zu einer Politik, die sie von alleine nicht verfolgt hätten.

Ihr ergebener Basisdemokrat

P.S. Wir sehen uns. Am Samstag vorm Kanzleramt?.

19:53 17.09.2010
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Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
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goch

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