Das geheime Tagebuch von Angie 22-04-10 Angie bei der WAZ

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Ach, was ist das doch nett, mit der WAZ zu plaudern.

Fragt man mich doch .. sie haben einige unliebsame Entscheidungen zurückgestellt.... Sehr vornehm und verharmlosend formuliert und so antworte ich denn auch, dass dieser Vorwurf unberechtigt sei. Das wir ja Deutschland in der schwersten Wirtschaftskrise der vergangenen 60 Jahre weiter stabil gehalten haben und eine Bankenabgabe beschlossen haben. Das ist ja nur Peanuts, verglichen mit dem Schaden, den Josef und seine Freunde verursacht haben, aber als Placebo geht’s wohl durch. Schön fand ich auch meinen Satz: Wir setzten auf neue Arbeitsplätze durch Förderung von Forschung im Bereich der Spitzentechnologie. Das das auch wieder nur ein Placebo ist, lassen wir mal so steh'n. Wie sollen denn nennenswert Arbeitsplätze durch Spitzentechnologie entstehen, wenn der Weltmarkt weiter schrumpft bzw. viele Länder sich wegen der Wirtschaftskrise bis an die Halskrause verschuldet haben?

Ein bisschen weichgespült ist der Satz von mir: In der Gesundheitspolitik ist klar angekündigt, was wir wollen. Das wir da nicht so richtig die Karten auf den Tisch legen, sondern die Kopfpauschale Scheibchenweise einzuführen gedenken, ist doch besser, das nicht so klar zu benennen, könnte das scheue Reh CDU-Wähler etwas abschrecken.

Auch mein Satz: In der Energiepolitik, insbesondere beim Atomausstieg, haben wir nichts unter den Teppich gekehrt, klingt doch so ehrlich. Das wir den Ausstieg aus dem Ausstieg vor uns herschieben und mein Umweltminister eher rumeieert als klare Positionen vertritt, wer merkt das schon bei meiner Formulierung?

Nun ja und für eine Vereinfachung des Steuersystems sind ja wohl alle oder? Das wir damit eher die oberen Einkommensbezieher bevorzugen, stelle ich mal lieber nicht so raus. Statt dessen behaupte ich mal locker, das wir Entlastungen vor allem für Bürger mit kleinen und mittleren Einkommen in Angriff nehmen. In Angriff nehmen, heißt ja nun nicht, dass wir das wirklich tun werden, aber je mehr Wähler das glauben, desto besser.

Tja, und besonders gelungen ist mein Satz: dass wir die Finanzen der Kommunen auf eine stabilere Grundlage stellen wollen. Wer würde da vermuten, dass wir den Kommunen auf unzureichender Grundlage die Luft für Spielereien ala soziale Wohltaten abgewöhnen wollen? Auch unzureichende Finanzen sind doch eine stabile Grundlage ? Ist also ziemlich nah' an der Wahrheit.

Auf die Frage der WAZ zu unseren Steuerentlastungen ab 2011 antworte ich vielleicht etwas schwammig: In dieser schwersten wirtschaftlichen Verwerfung ist es ganz einfach so, dass wir die Zukunft nicht so genau voraussagen können. Ha, wer kann schon die Zukunft voraussagen und dann auch noch genau. Wär' ja ein Hellseher.

Weiter sage ich: Deshalb bewerten wir die Entwicklung bei Wachstum und Arbeitslosen kontinuierlich und sorgfältig. Dennoch bleiben die Steuervereinfachungen und eine Steuerstrukturreform auf der Tagesordnung.

Puh haarscharf Steuersenkungen für die obere Einkommensbezieher umschifft. Gar nicht so einfach, dass Unwort zu meiden.

Ihr Lieblingsthema hat die WAZ auch angesprochen: Die SPD hält sich die Koalition mit den Linken offen. Was sagen Sie dazu?

Na aber hallo und ob ich dazu was sage: Ich bin überzeugt, dass sich die SPD diese Variante offenhält. Auch FrauYpsilanti hat vor der Wahl „niemals“ gesagt und nach der Wahl versucht, mit den Linken zu regieren. Das muss jeder Wähler in NRW wissen. Eine rot-rot-grüne Mehrheit wäre verheerend für das Industrieland NRW. Wir können uns keine solchen Irrwege leisten.

Gottseidank hat die WAZ da nicht nachgefragt,das wäre doch etwas peinlich geworden.Schließlich diffamiere ich die NRW-SPD geschickt mit dem Ypsilanti-Wortbruch, obwohl Frau Kraft das nie so gesagt hat.

Auch bringe ich keine Argumente für meine Meinung, dass eine rot-rot-grüne Mehrheit verheerend wäre für das Industrieland NRW. Schließlich haben rot-grün schon hier zusammen regiert und überall da, wo rot-rot zusammenarbeiten , gab's auch noch kein Industriesterben.

Aber da die WAZ ja sehr zuverlässig ist, lässt sie mich schwadronieren bis sich die Balken biegen. Danke schön liebe WAZ. Ich werde das Interview in guter Erinnerung behalten.

21:53 22.04.2010
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Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
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goch

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