Das geheime Tagebuch von Angie 24-04-10 Die Kriegskanzlerin

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Hab' ich doch Ausversehen mal ferngesehen und dann auch noch Neues aus der Anstalt. Hab` ich aber erst später gemerkt.

Dabei hab' ich zuerst nur den militärischen Uniformträger gesehen und gedacht, na der macht bestimmt ein bisschen Stimmung für den Afghanistankrieg. Schließlich kann ich doch nicht allein diesen Krieg begründen.

Der brachte aber die falschen Argumente.

Es fing an mit meinem Gutenberg. Er sagte:

Der Guttenberg soll den Kindern der getöteten Soldaten nicht sagen, die sollen Stolz sein auf ihren Vater , sondern traurig sein über seinen Tod.

Aber, aber guter Mann. Wie sollen wir denn unsere Kriege weltweit erklären, wenn wir nicht im Volk ein neues patriotisches Bewusstsein aufbauen, wie in den USA. Da fragt keiner, ob ein Kriegseinsatz Tote fordert, das ist doch sonnenklar, sondern für Amerika und seine Freiheit kann man da fast alle begeistern.

Das brauchen wir hier auch. Schließlich bauen wir doch schon seit geraumer Weile die Verteidigungsarmee in eine Angriffs – pardon- Interventionsarmee um. So lautet unsere offizielle Sprachregelung.

Er meinte , dass wenn er eine Rede zum Tod der in Afghanistan getöteten Soldaten halten würde, so anfangen: Wir alle kennen den Satz, das erste was im Krieg stirbt ist die Wahrheit.. Lassen sie uns also den Krieg einen Augenblick draußen halten und bleiben wir bei der Wahrheit. Der Tod ist der denkbare Abschluss eines soldatischen Arbeitstages.

Ein Sinn im Afghanistaneinsatz ist schon seit langem nicht erkennbar. Wir sind nur noch dort, weil wir nicht den Mut haben zuzugeben, dass der militärische Einsatz gescheitert ist und nur noch der sofortige Abzug denkbar.

Na, der höhlt ja alle meine Argumente für den weiteren Afghanistaneinsatz aus.Sicher haben wir beim Aufbau von Afghanistan nicht viel geschafft und kein vernünftiger Mensch glaubt heute noch, das dies in einer zugespitzten kriegerischen Phase sich verändern ließe. Aber haben wir den Leuten nicht eingetrichtert und eingetrichtert, dass die Taliban böse böse böse sind und wir sie auf jeden Fall bekämpfen müssen? Das ist doch ein wichtiger Sinn. Und das Karsai sich nicht allzu sehr von den Taliban unterscheidet, ist doch nun ein bisschen extrem formuliert. Schließlich hört der doch immer noch gelegentlich auf uns.

Und richtig falsch finde ich seine Behauptung, uns fehlt der Mut, den Krieg zu beenden.Das ist doch unser kleinstes Problem. Wie wollen wir denn glaubwürdig weltweit den unbotsmäßigen Staaten mit militärischen Mitteln drohen, wenn wir in Afghanistan klein beigeben. Da muss wenigstens den Staaten klar werden, die sich mit uns und unseren weltweiten Interessen anlegen, dass das ein teure Angelegenheit wird gegen uns zu sein. Teuer im wirtschaftlichen Sinn und im humanitären. Diese Botschaft ist für mich als Kanzlerin des Exportweltmeisters Deutschland-AG unverzichtbar. Da kann es gar keine Diskussion geben. Solange wir vom Import von Rohstoffen weltweit essentiell abhängig sind und unser Wirtschaftssystem ohne ständiges Wachstum nicht auskommen kann, Josefs Freunde lassen grüßen, kann ich doch gar nicht anders als die patriotische Grundstimmung in der Bevölkerung aufbauen und fördern, um mir freie Hand für künftige Kriege – pardon – äh Interventionen – äh – Friedensmissionen äh robuste Mandate äh Stabilisierungseinsätze zu erhalten.

Dann meckert er auch noch über die mangelnde Freiheitsliebe meiner lieben Soldaten.

Die Soldaten gingen nicht zur Bundeswehr , ereifert der sich weiter, um die Freiheit Deutschlands zu verteidigen, sondern weil die Werber der Bundeswehr mit Stellenangeboten, kostenlosem Führerschein, Abenteuerspielplatz, Panzerfahren und Piratenschiffchen versenken, winken.

Das ist doch etwas hart ausgedrückt, aber was ist falsch daran, dass man der Jugend endlich Ausbildungsplätze bietet, wo es doch so schwierig ist, einen zu finden? Ich finde, da sollte man doch mal eher das soziale Engagement der Bundeswehr rausstellen, das die auch ihren Beitrag dazu leisten, dass die zu verwahrlosenden Jugendlichen zu sinnvollem Tun angeregt werden, finde ich.
Aber wenn ich es so recht überlege könnte man mich schon als Interventionskanzlerin oder Stabilisierungskanzlerin oder vielleicht einfach auch als Kriegskanzlerin bezeichnen oder?

16:19 24.04.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
Schreiber 0 Leser 1
goch

Kommentare 2