Das geheime Tagebuch von Angie 3-10-10 Einheitsfest-Stuttgart 21

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Mir scheint, die Stuttgarter Bevölkerung hat da bei den Einheitsfeiern zur 20. Deutschen Wiedervereinigung etwas falsch verstanden.

Sicher, sicher sind meine damaligen Mitbürger für Demokratie und gegen Behördenwillkür auf die Straße gegangen.

Unser Slogan damals: Wir sind das Volk sollte doch die Diskrepanz zwischen Regierung und Bevölkerung aufzeigen. Wurde ja auch begierig vom Westen aufgegriffen.

Dann wurde der Slogan leicht verändert.

Statt Wir sind das Volk hieß es nun Wir sind ein Volk !

Das nam` dem Slogan :Wir sind das Volk den bitteren Beigeschmack vom Basisdemokratischen , dem Volk als Souverän .

Das Volk als Souverän gibt in der Wahlkabine seine Stimme ab und dann ist die Bahn frei für uns.

Wir wissen doch einfach besser, was für das Volk gut ist. Das war doch schon immer so.

Und immer wenn der Pöbel doch seine Meinung kund tut, erklärt ihm schon meine Presse, was er da falsch denkt.

Josef hat das mal schön formuliert: Das Volk ist wie ein kleines Kind. Es nörgelt gerne, will immer alles haben und auch noch sofort. Das muss man ihm mit Geduld , aber auch , wenn`s nötig ist, mit konsequentem Verhalten, kann auch mal etwas drastischer sein, beibringen. Nur so ist Regieren möglich.

Wir sind ein Volk, der Slogan klingt fast genauso, hat aber den schönen Nebeneffekt, dass dabei niemand mehr auf den unappetitlichen Gedanken kommt, sich als selbstbewußter Anspruchsinhaber gegenüber einer Regierung aufzuspielen, statt als Bittsteller.

Wir sind ein Volk betont ja eher die inhaltsfreie – oder soll ich sagen inhaltsleere – Seite. Da kann jeder zustimmen und sich seinen Teil dabei denken. Tut niemandem weh. Und niemand kommt auf den dummen Gedanken Forderungen oder Ansprüche gegenüber der Regierung mit diesem Spruch zu stellen..

Das nun die Einheitsfeierlichkeiten von den Stuttgart 21-Gegnern so missverstanden wurden,

hängt das vielleicht damit zusammen, dass die die Geschichte der Wiedervereinigung nochmal im Kleinen, im Lokalen, nachspielen wollen?

Wir sind das Volk und nicht Mappus?

Nun ja, Mappus als Politbüro ist nicht wirklich die Idealbesetzung, aber er hat schon schön mitgespielt .Obwohl er wohl nicht wusste, in was für einem Stück er da mitspielt.

Vielleicht hat er aber auch geglaubt, dass ein anderes Stück gegeben wird?

Nun , wie auch immer! Was soll ich sagen. So habe ich mir die Festspielfeierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung nicht vorgestellt.

Das uns das Volk zeigt, was es unter Demokratie versteht und sich nicht unsere schöne , der künstlerischen Freiheit verpflichteten Interpretation von Demokratie und Freiheit und Einheit anschließt. Liebes Tagebuch Ich fass' es nicht!

Aber das kommt wohl dabei raus, wenn man Laien ein Theaterstück aufführen lässt..Die Missverstehen einfach alles. Wir sind das Volk! Frrrrrrechheit diese Anmaßung uns gegenüber.

12:10 03.10.2010
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Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
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goch

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