Das geheime Tagebuch von Angie 6-1 Die Knautschzone sind wir

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Mittwoch 6-1

Die nächste Frage beim Briefing meines Top-Ökonomen lautete:

Was denn das Arbeitsprogramm für 2010 sei, beantwortete er : Je mehr die Krise ausläuft, desto stärker rücken Standortentscheidungen in den Vordergrund. Nach Jahren schwacher Indvestitionstätigkeit wird es darum gehen, den Unternehmen Anreize für Beschäftigung in Deutschland zu geben – etwa durch ein einfaches, inovationsorientiertes Steuersystem und einen weiterhin flexiblen Arbeitsmarkt mit hoch qualitativem Angebot.

Also ein einfaches, inovationsorientiertes Steuersystem klingt einfach klasse, fast zum Verlieben. Wer wollte denn dagegen sein? Das das bedeutet, dass wir leider nur die Steuern für die Unternehmen und die Unternehmer senken dürfen, damit die dann endlich – nach wievielen Jahrzehnten eigentlich? - mehr Arbeitskräfte einstellen, dass lässt sich verkaufen.

Ja das ist inovative PR. Tja, und ein Gourmet lechzt nach hoch qualitativen Angeboten. Mit Dutzendware-Arbeitskräften geben wir uns nicht zufrieden. Ja, ja Qualität muss sein. Ein Schleckermäulchen ist unser Top-Ökonom oder soll ich besser sagen ein Top-PR-Mann?

Auch die langfristige Wachstumvorsorge durch Bildungs-, Klima-, und Resourcenpolitik wird wichtiger.

Na ja, die Klimapolitik lassen wir mal momentan etwas im Hintergrund, aber Bildungs- und -Resourcenpolitik ist gut.

Elitebildung ist doch unser Steckenpferd und an der Rohstoffversorgung und -sicherung arbeiten wir ja weltweit. Wozu brauchen wir denn sonst unsere weltweit interventionsfähige Bundeswehr. In Afghanistan üben wir ja noch. Da dürfen doch auch mal Fehler unterlaufen. Sollte man nicht so eng sehen.

Zur vorletzten Frage: Hat der Schock der Wirtschaftskrise eigentlich das Vertrauen in die Wirtschaftsordnung erschüttert? Sagte er: Die Grundfesten sind nicht erschüttert, sogar im Gegenteil mit Blick auf Ordnungsfragen der Marktwirtschaft eher gestärkt. Zweifel an der Robustheit des bisherigen Finanzsystems sind allerdings gerechtigt. Auch mich habenDimension und Zeitpunkt des Zusammenbruchs überrascht. Wer hätte gedacht, dass aus der fatalen Verkettung von Bankbilanzen diese gesamtwirtschaftliche Schockwirkung resultieren würde?

Nun ja, das beruhigt mich ja enorm. Wenn schon so Top-Ökonomen nichts ahnten, wie soll ich da haftbar gemacht werden? Ich bin doch nun wirklich nicht die, die diese Wirtschaft steuert.

Und ein bischen Selbstkritik , es sind Zweifel an der Robustheit des Finanzsystems erlaubt, finde ich nobel. So selbstkritisch.

Allerdings hat er auch keinen Plan wie man das verhindern kann, zumindest sind seine Ausführungen doch etwas wolkig. Könnte ich mir für meine nächsten Reden über Wirtschaftsfragen merken.

Und die letzte Frage lautete: Wie lautet Ihre Überschrift für 2009?Der Test auf die Robustheit unserer offenen Wirtschaftsordnung war erfolgreich. Den Einwand Ganz schön optimistisch. Konterte er: Eher realistisch. Wir sind doch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Um erneut mit einem Bild zu sprechen. Ein S-Klasse_Wagen ist mit ziemlichem Tempo gegen eine Betonwand gefahren. Aber die Knautschzone hat gehalten, und wir fahren wieder.

Wen er meint mit -wir sind doch vergleichsweise glimpflich davongekommen – verstehe ich ja noch. Josef und seine Freunde haben wieder prächtige Bilanzen und Gewinne eingefahren zum Jahresende, aber was denn nun die Knautschzone des Volkswirtschaftsautos ist? Hm, meint er vielleicht die Arbeitnehmer haben nicht wirklich aufgemuckt oder die 500 Mrd. € Spende der Bevölkerung, die die ohne zu murren abgedrückt haben für die goldenen Falschirmträger?

12:06 06.01.2010
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Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
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goch

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