Das geheime Tagebuch von Angie 7-1 Friedliche Bombardements

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Wunderbar, wie die großen Fernsehsender unsere aktive Friedenspolitik der Bevölkerung nahebringen.

Ein schönes Beispiel ist das Interview von der heute-Sendung mit Carlo Masala einem Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Zuvor arbeitete der Experte für Sicherheitspolitik und transatlantische Beziehungen am NATO Defence College in Rom.

Unsere schöne neue Nato Strategie wird in diesem Interview prima begründet:

heute.de: Worin sehen Sie die größten sicherheitspolitischen Herausforderungen im Jahr 2011?

Carlo Masala: Deutschland und seine europäischen Nachbarn stehen erstens vor der großen Aufgabe, wie sie angesichts sinkender Verteidigungsetats eine Kooperation ihrer Streitkräfte reorganisieren, um teure Infrastruktur und Einsatzkräfte gemeinsam nutzen zu können. Außerdem könnte ein neuer Krieg im Nahen und Mittleren Osten auf uns zukommen, sei es durch eine Eskalation der Gewalt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon oder aber - was ich für wahrscheinlicher halte - eine Bombardierung iranischer Nuklearanlagen durch die Israelis und die Vergeltungsaktion der Iraner.

Erfrischend, wie unverblümt Carlo die Bombardierung iranischer Nuklearanlagen als tagesaktuelles Geschäft darstellt.Ja, ja, so ist das nunmal. Bombardieren gehört halt zum Alltagsgeschäft. Der eine verkauft Apfelsinen, der andere spekuliert an der Börse und na ja, der dritte löst halt Konflikte.

Könnte man ja kritisch hinterfragen, ob das mit dem Völkerrecht vereinbar ist. Aber wen interessiert schon das internationale Völkerrecht?



Masala: Natürlich wünscht sich das keiner, aber oft wird die Frage außer Acht gelassen, wie lange sich die Israelis noch in strategischer Geduld üben werden gegenüber den Iranern. Wir wissen, dass Israel in intensiven Verhandlungen mit Saudi-Arabien war über die Nutzung eines Flugkorridors im Falle eines Angriffs auf iranische Nuklearanlagen. Die Saudis haben sich dabei wohl bereit erklärt, ihre Luftabwehr auszuschalten, sodass die Israelis unbehelligt über Saudi-Arabien hinweg nach Iran fliegen könnten.

Auch hier hätte man ja einfließen lassen können, das Israel Atombomben hat und ob die den Frieden im Nahen Osten befördern, oder ob sich daraus nicht ebenfalls konfliktpotential ergibt. Aber das würde die Argumentation ja nur komplizieren und wäre dem Ziel nicht dienlich, den Iran als Agressor darzustellen.

Weiter geht’s:

Das mag Teil einer groß angelegten Täuschung sein, aber wir wissen, dass große Teile der arabischen Welt es befürworten würden, wenn jemand die iranischen Atomanlagen bombardieren würde, das hat ja auch der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Washington öffentlich kundgetan. Sie hoffen auf die Israelis oder die Amerikaner.

Na, dann ist doch eigentlich alles klar, nichts wie ran an die Waffen. Also sind eigentlich die Araber Schuld oder die Amerikaner, die wollen ja den Krieg. Dann kann man ja loslegen!

Ach, ja, da war doch noch was mit Europa:

heute.de: Was würde eine Eskalation der Gewalt für Europa bedeuten?

Masala: Die EU könnte schnell zum Handeln gezwungen werden, etwa in punkto Flüchtlingshilfe. Außerdem geht es um die Versorgung Europas mit Rohstoffen. Wenn die Iraner die Straße von Hormus blockierten, könnten europäische Staaten schnell aktiv werden mit Militärschiffen, um den Zufluss von Öl nach Europa zu garantieren.

Tja, Pech gehabt, mein Köhler. Hat er doch zur Unzeit von Wirtsschaftskriegen geredet.

Wollen wir mal nicht so kleinlich sein, dass das Grundgesetz nur Verteidigungskriege zulässt.

Aber das lässt sich doch auch umdeuten. Da sind doch meine Medien schon kräftig dabei.

Wir verteidigen unsere Rohstoffe und unsere Rohstoffwege. Wenn das kein Verteidigungsfall ist, fehlt eigentlich nur noch das wir ins Grundgesetz schreiben : Deutschland ist Exportweltmeister und seine Rohstoffe gehören für alle Zeiten uns und sonst niemandem. Wer uns die wegnehmen will, ist ein Agressor. Also haben wir wieder einen Verteidigungssfall.

Deutschlands Freiheit wird am Hindukush verteidigt, war ja schon ein erster Schritt.

Danke, meine lieben Medien, dass ihr den nächsten so lieb vorbereitet.

11:38 07.01.2011
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Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
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goch

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