Das geheime Tagebuch von Angie 8-6-10 Danke liebe Presse

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
<!-- @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } -->

Puh, das wär' ja erstmal geschafft. Meine Medien verkaufen die Sparpläne im Sozialbereich zwar nicht als großen Wurf und mäkeln an dem Mehrwertsteuergeschenk für Hotelies herum, aber sie bleiben natürlich alle im Rahmen.

Auch meine Wirtschaftsweisen zeigen sich dezent zufrieden.

Gottseidank kommt niemand in den großen Medien auf den Gedanken, die tatsächlichen Alternativen zu beleuchten. Dann bekäme ich sicherlich argumentatives Fracksausen.

Sagen wir mal, wenn einige größere Medien deutlich sagen würden, dass die Alternative zum Kürzen von Sozialleistungen, die Verbesserung der Einnahmeseite des Bundeshaushalts wäre.

Was sollte ich dem entgegenhalten, wenn sie mir Milliardenmehreinnahmen durch einen erhöhten Einkommenssteuersatz, wie zu Kohls Zeiten auf 53 % vorrechnen würden.

Wenn sie mir dann auch noch die Wiederauflage der Vermögenssteuer vorrechnen würden und die Einnahmen aus der Finanztransaktionssteuer . All diese Maßnahmen hätten ja keinen negativen Einfluss auf die Binnenkonjunktur, aber dieses Steueraufkommen zu konjunkturellen Zwecken eingesetzt, könnte ein mehrfaches an Investitionen und Umsätze anregen, wodurch wieder das Steueraufkommen steigen würde. Wenn dann noch jemand auf den Zusammenhang kommen würde, das unsere Weigerung für einen bundesweiten Mindestlohn ein Verzicht auf Steuereinnahmen bedeutet, und die Abschaffung der 400,-€ Jobs versicherungspflichtige Arbeit und entsprechende Steuermehreinnahmen bringen würde, oh weh, wär' ja nicht auszudenken.

Und wenn dann noch für das bedingungslose Grundeinkommen beworben würde, was hauptsächlich Frauen zugute käme, da die ja die Billigjobs haben, würde deutlich, dass meine Politik nicht nur eine Sparpolitik ist, sondern hauptsächlich der sozialen Spaltung der Gesellschaft dient. Ohne soziale Kälte und Entmündigung und Entwürdigung der marginalisierten Menschen könnte ja ein Bewußtsein dafür entstehen, dass meine Sachzwangargumente für einen sparwütigen Staat tatsächlich ein anderes Ziel haben. Eine schwarze Republik in der die Missgunst und der Kampf jeder gegen jeden (natürlich nur innerhalb derer die von ihrer Arbeit leben) eine Grundbedingung einer entsolidarisierten Gesellschaft sind, ohne die meine Freunde nicht mehr lange das Sagen hätten.

Die ganzen schönen Argumente , warum wir sparen müssen, wären früher oder später Makulatur und es wäre schwierig für Josef und seine Freunde als Verursacher der Krise sich aus der Bezahlung der Kosten der Krise so elegant rauszuhalten, wie es meine Presse im großen Ganzen tut.

Ja, verlass ist auf sie. Meine WAZ bemüht sich besonders eifrig keine Zusammenhänge herzustellen, zwischen der politisch gewollten Staatsarmut und den daraus erwachsenden Sachzwangargumenten für eine Kürzungspolitik bei den sozial Schwachen. Aber, wie sollten wir das denn sonst sachzwanglogisch beargumentieren können?

18:33 08.06.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
Schreiber 0 Leser 1
goch

Kommentare