Das geheime Tagebuch von Angie 9-8-10 Christophs billiger Atomstrom

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Gute Nachrichten aus Deutschland lese ich doch gerne. Grade nach den vergangenen Wochen.

Eine bewährte Kraft Christoph Schmidt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen beackert das karge verminte Feld der verlängerten Laufzeiten für Atomkraftwerke.

Ich war ja auch schon eifrig beim Nebelwerfen und Verniedlichen der Atomkraftwerksverlängerungen mit meinem gelungenen Slogan von der Brückentechnologie. Damit hab' ich doch schon viel Boden gut gemacht gegenüber den Atomkraftverweigerern. Wer hat schon was gegen eine Brücke?

Zurück zu meinem Christoph . Er argumentiert gleich erfrischend rational:

Aus volkswirtschaftlicher Sicht wäre sie sinnvoll: Bestehende Kapazitäten zur Stromerzeugung nicht zu nutzen, welche die harten deutschen Sicherheitsanforderungen erfüllen, kommt einer Vermögensvernichtung gleich.

Na ja, in der Finanzsphäre sind seine Kumpel nicht so zimperlich. Da haben sie ja recht reichlich Vermögen vernichtet. Aber Schwamm drüber, war ja nicht ihr eigenes.

Weiter schreibt er: Für Kraftwerks-Eigner dürfte der zusätzliche Gewinn je nach Dauer im zwei- bis dreistelligen Milliardenbereich liegen. Kernkraftgegnern scheint dieses Argument egal. Wohl in keinem anderen Bereich würde man Eigentümern von Produktionskapazitäten einen derartigen wirtschaftlichen Schaden zumuten.

Na, das ist etwas zwiespältig. Zu sehr zuzugeben, dass rein ökonomische Gesichtspunkte im Mittelpunkt stehen, ist zwar sehr ehrenwert, aber doch etwas heikel.

Und das es keine andere Bereiche gibt, wo Eignern wirtschaftlicher Schaden zugemutet wird. Da war doch was in Datteln oder?

Egal weiter: Sehr schön seine Gegenüberstellung: Gegner der Laufzeitverlängerung verweisen auf die gesteigerten Risiken, die dies mit sich brächte. Dem stehen aber die Risiken des Klimawandels gegenüber, die mit dem Verbrennen fossiler Energieträger steigen.

Sehr geschickt , wie er davon ablenkt, das Atomkraftwerke Tag für Tag ein tödliches Risiko darstellen, bis zu dem Tag, wo sie abgestellt werden und auch dann sind ja noch für viele Jahrtausende die strahlenden Müllberge, wo wir ja noch nicht mal wissen, wo und wie wir sie sicher verwahren sollen.

Aber schön ist sein Argument schon, die tödlichen Gefahren der Atomkraft gegen die im wesentlichen noch nicht eingetroffenen Klimaveränderungen gegenzurechnen und so eine im wesentlichen zukünftige Gefahr mit einer heute existierenden zu verrechnen. Bravo Christop!

Ohne Atomkraft wird sich aller Erkenntnis nach deren Einsatz in den nächsten Jahrzehnten nicht entscheidend verringern lassen - auch nicht mit erneuerbaren Energien. Das diese bald allein für die Energieversorgung ausreichen sollen, ist nicht realistisch.

Ja, ja und das so bleibt, dafür brauchen wir solche Ökonomen wie meinen Christoph.

Das umgekehrt ein Schuh draus wird, na, ja das müssen wir unseren Wählern nicht so direkt erzählen.

Schließlich weiß sogar ich, dass die Atomkraftwerke nur im Grundlastbereich sinnvoll eingesetzt werden können und also nicht flexibel mehr oder weniger Strom erzeugen können, wie etwa Gaskraftwerke. Solange die Atomkraftwerke diesen Grundlastbereich belegen, behindern sie die Erneuerbaren Energien beim Ausbau. Dann können die tatsächlich nicht die gewaltigen Zuwächse erzielen, die sie bei Abschaltung der Atomkraftwerke schaffen würden.

Wer hätten denn vor 10 Jahren gedacht, dass die Erneuerbaren Energien heute schon ca. 14 % der Energieerzeugung schaffen?

Sehr schön demagogisch geschliffen sein Satz: Und in der Bevölkerung wächst die Wut darüber, dass man sie über die wahren Kosten der erneuerbaren Energien über Jahre getäuscht hat. Auch hier werden zwei- bis dreistellige Milliardenbeträge verbrannt, auf Kosten der Bürger.

Na, ja da gehen mit ihm ein bisschen die Gäule durch. Er zeigt doch etwas zu deutlich, das er von den Erneuerbaren Energien nichts hält schließlich sagt er : verbrannt und erzeugt damit den Eindruck, dass der finanzielle Einsatz für die Erneuerbaren Energien überflüssig war oder ist.

Nun ja, das die Atomenergie in ihrer Entwicklung und Einführung mit dutzenden Milliarden gefördert wurde, muss man ja nicht so in den Mittelpunkt stellen und das die Kosten für den Abbau der Atomkraftwerke ebenfalls dutzende Milliarden kosten werden und das die Endlagerung eh noch niemand berechnen kann, also noch oben drauf kommt. Schweigen wir lieber von, lieber Christoph!

Recht hast du. Sprechen wir lieber das rechtschaffene Gefühl der Bürger an gegen Verschwendung von Geldern . Die werden gerne glauben , wenn das denn ein Ökonom sagtund dann noch vom RWI einem der renomiertesten Institute in Deutschland, muss das ja so stimmen.

Hach, und dann lobt er mich ja direkt: Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag einen Weg gefunden, diese Kontroverse aufzulösen. Sie hat sich einerseits auf eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke festgelegt. Zugleich soll aber ein Teil der Zusatzgewinne abgeschöpft werden. Damit erhält die Diskussion eine ganz neue Qualität.

Wow, das klingt richtig gut. Aber was ist denn die neue Qualität?

Jetzt sind es nicht mehr die Zusatzgewinne der ungeliebten Energieerzeuger, auf die man verzichten müsste, sondern es geht darum, ob Vermögen vernichtet werden soll oder nicht.

Schön formuliert!Mit tut ja schon das Herz weh,Vermögen vernichten wie schrecklich.

Wenn der abgeschöpfte Anteil der Zusatzgewinne erheblich aus fällt , würde transparent, was Kernkraftgegner so gerne bestreiten – die einzige Alternative wäre eine höhere Stromrechnung.

Ups, jetzt hab` ich doch nicht richtig geschnallt. Die Zusatzgewinne verhindern ein Ansteigen der Stromrechnung. Na, ja ziemlich abenteuerlich diese Argumentation. Seit wann haben wir uns denn verpflichtet die Zusatzgewinne in alternative Energien zu investieren?

Und das den Energiekonzernen keine Argumente mehr einfallen, um die Strompreise steigen zu lassen, das ist doch eine etwas gewagte Argumentation.

Und auch den Ökos damit zu kommen, dass die Alternativen Energien ohne höhere Strompreise zu haben sind, ist doch etwas kurz gesprungen.

Schließlich sind die irrsinnigen Kosten der Endlagerung und des Abbaus von Atomkraftwerken auch nicht im heutigen Preis drin. Aber so sieht natürlich der heutige Preis für Atomkraftwerksstrom viel toller aus. Ja , das verstehe ich.

Wir verstecken die Kosten in der Zukunft. Und machen das , wie wir das immer machen. Huch, plötzlich sind die Kosten da und keiner mehr , der das bezahlen will oder kann. Also muss die Allgemeinheit ran. Super son' Ökonom, wie Christoph. Wie alt der wohl ist? Ober der noch die Folgen seiner Politikempfehlungen erleben wird und dann mal nachrechnen kann, was Atomstrom so denn wirklich kostet? Mal von unserem Leben abgesehen. Schließlich würde es sich ja dann erübrigen, das zu berechnen.

15:07 09.08.2010
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Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
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goch

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