Das geheime Tagebuch von Angie29-11 Ulrich und die Seeheimer

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Schön, wie meine WAZ mal wieder Stimmung für meine Politik macht.

In seinem Kommentar zum Kurs der SPD zitiert mein Ulrich die Seeheimer der SPD mit den Worten:

Wer regierungsfähig sein will, muss sich um die Abgehängten der Gesellschaft sicher kümmern, aber ins Zentrum seiner Politik den ursozilademokratischen Aufstiegsgedanken und das Wohlergehen in der Mitte der Gesellschaft rücken, darf also nicht eine fürsorgestaatliche Klientelpartei sein.

Geschickt, wie er ausblendet , dass das Wohlergehen in der Mitte der Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn man das Wohlergehen der Abgehängten der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt und sie nicht als Gegensatz darstellt.

Nur so , indem man einen Gegensatz konstuiert, kann man zu der kühnen Aussage kommen, dass der der sich um die Abgehängten kümmert eine fürsorgestaatliche Klientelpartei will.

Nett ist es auch von ihm, dass er uns , die CDU und die FPD in diesem Zusammenhang nicht nennt. Nicht das ich verdächtig wäre etwas positives für die Abgehängten der Gesellschaft zu tun. Dessen verdächtigt er mich oder uns nicht. Aber er hätte den Bogen ja größer spannen können und fragen können, ob wir nicht eine fürsorgestaatliche Klientelpartei für Josef und seine Freunde seien, bei unseren Rettungsschirmen, Konjunkturpaketen, Steuergeschenken und Milliardengeschenken an die großen Energieunternehmen. Aber das lag ja meinem Ulrich fern.

Weiter schreibt er: Man darf die Seeheimer nicht reduzieren auf „den Wirtschaftsfllügel“ der SPD. Erstens geht es ohne wirtschaftlichen Sachverstand nicht und zweitens stehen sie für mehr als das: Nämlich für einen ganz bestimmten Freiheitsbegriff, der, im Original-Ton,“nicht der staatlichen Entmündigung von Eigenverantwortung durch schlichte Versorgung“ das Wort redet.

Ja, ohne wirtschaftlichen Sachverstand geht es nicht. Hat ja die Weltwirtschaftskrise gezeigt. Ich bin ihm dankbar, dass er das draußen lässt, wie wir uns da blamiert haben, passt nicht so recht in die Argumentation.

Der Freiheitsbegriff der Seeheimer ist mir sehr sympathisch: keine staatliche Entmündigung von Eigenverantwortung durch schlichte Versorgung.

Meint er natürlich, dass die Harz-IV-ler sich nicht so gehen lassen sollen oder gar Forderungen stellen nach einer gerechten Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum des 3 oder 4 reichsten Staat der Erde.

Nein Eigenverantwortung klingt doch schön für Leute , die ohne ihre Schuld die Arbeit verloren haben und sich vergeblich bemühen, Arbeitsplätze zu bekommen, die es nicht gibt. Das gibt denen doch Mut, sich immer und immer wieder weiter zu bemühen. So ist Eigenverantwortung zu verstehen.

Auch hier bin ich ihm dankbar, dass er das Naheliegende ausblendet.

Nämlich das die Finanzbranche durch schlichte Versorgung des Staats aus ihrer eigenverantwortlichen Misere gerettet wurde und auch weiterhin davon ausgeht, dass der Staat sie rettet, wenn sie sich eigenverantwortlich ruiniert.

Aber für meine Klientel die Finanzbranche haben wir ja andere Charakterisierungen. Die sind systemrelevant und ein scheues Reh, das man nicht erschrecken darf.

17:13 29.11.2010
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Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
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goch

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