Freibeuter auf See

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Das Meer ist aufgewühlt, wie die Stimmung der Mannschaft. Die Unzufriedenheit ist gewachsen, merkt die Freibeuterin A. Die Umfrageergebnisse sind schlecht. Die Wellen werden immer stürmischer. Erste Wellen schwappen über das Deck.

Die Leichtmatrosen murren. Leichtmatrose Mappus brüllt: Wohin steuert das Schiff? Ich sehe in der Ferne die Schuldenberge. Sie sind verdammt hoch und wir halten drauf zu . Werden wir zerschellen? Die Schuldenberge sehen aus wie riesige Eisschollen. Warum bremst denn keiner?

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Das Orchester des Bundesadlers spielt muntere Melodien.Man erkennt Money Money Money

www.youtube.com/watch?v=WCkOmcIl79s

Die Passagiere sind alle im Casino. Sie spielen Globales Roulette. Mit einem irrwitzigen Gesichtsausdruck hält Josef Coupons in der Hand. Ich hab` gewonnen, gluckst er glücklich. Meine Rendite ist wieder gestiegen. Leute setzt ein, was ihr könnt, ruft er den Umstehenden zu. Die grauen Herren paffen ihre Zigarren und setzten mit leuchtenden Augen frische Derivate auf ihre Glückszahl. Der Croupier sieht aus wie ein Hundt und ruft :Rien ne va plus.

Die Hektik am Tisch steigt. So mancher hat seine Ländereien in der dritten Welt gesetzt. Die versprechen zur Zeit höchste Rendite. Und so geht es weiter und weiter.

Ist das hier die Titanic, denkt sich Leichtmatrose Mappus oder wo bin ich hier?

Da dreht sich der Bug des Schiffs und der neue Kurs heißt Steuersenkungen . Er lässt das Schiff in ein tiefes Tal herunterstürzen, aber auch das kümmert die Casino-Gesellschaft nicht. Sie feuern sich gegenseitig begeistert an. Alles ist möglich schreit ein amerikanischer Passagier , dem das frisch gedruckte Geld aus allen Taschen quillt.

Lassen sie mich auch an den Spieltisch, quengelt ein chinesicher grauer Herr und erkämpft sich einen Platz in der vordersten Reihe. Dabei wird er misstrauisch von den Umstehenden beäugt. Wo hat der das Geld bloß her, mag sich mancher der europäischen Casino-boys denken. Aber was solls. Hauptsache er zockt mit. Dann können wir ihm die Kohle abnehmen. Der kennt die Spielregeln bestimmt noch nicht so gut.

Ein weiterer Leichtmatrose mit Namen Mißfelder meldet sich auch noch zu Wort. Warum fahren wir nicht in die sichere konservative Richtung? Da ist es ruhig und beschaulich. Er schaut sich grimmig und missmutig um. Er wird von einem Rollstuhlfahrer überfahren. Sorry, murmelt der, kann ja mal vorkommen. Aber wer nicht aufpasst, kommt leicht unter die Räder.

Der Leichtmatrose Mißfelder rappelt sich auf und will sich bei der Freibeuterin A. beschweren für die unsanfte Behandlung. Die lässt ihn aber abblitzen.

Die Stimmung in der Mannschaft kocht. Aber der hält sich zurück. Er serviert ein fades Menü über das alle die Nase rümpfen.

Nun ändert das Schiff schon wieder den Kurs. Dunkle drohende Afghano-Wolken tauchen in der Ferne auf. Der Donner grollt und der Himmel färbt sich blutrot.

Am Ruder steht der Steuermann Gelhaar und schaut in die Richtung des Unwetters. Das ist ja ein kriegsähnliches Wetter, murmelt er vor sich hin.

Er reißt das Steuer ein Stück herum und nun ist das Ziel die nicht-internationale-bewaffnete Konflikt-Wetter-Konstellation. Na, geht doch, brummelt er. Der erste Offizier im Rollstuhl nickt anerkennend.

Das hört sich ja an , wie echte Kanonen. Werden wir bedroht? Fragt sich der Kellner Guido , der gerade Schampus ala Drei-Stufen-Steuer für die Casino-Gesellschaft kredenzt.

Ein anerkennendes Raunen geht durch den Saal. Die Gourmets wissen das zu schäzten.

Herr Ober, ruft Josef, bringen sie doch noch einen Kasten vom Besten. Für die Besten nur das Beste lässt er gönnerhaft tönen.

Das lässt der sich nicht zweimal sagen und flizt wie ein geölter Blitz in den Weinkeller.

Dabei hätte er beinahe einen Harlekin umgerannt, der ihm im Weg stand. Jürgen verzieht pikiert das Gesicht und an die erregt feiernde und fiebernde Casino-Gemeinde gewandt, sagt er leise: meine Herren , etwas mehr Zurückhaltung beim Feiern bitte, sie machen mir die einfachen Matrosen und die Galeerensklaven scheu.Zum Rudern brauchen wir die doch. Wie soll denn das Schiff sonst vorwärtskommen. Wollen Sie etwa rudern? Abfällige Bemerkung sind die Folge, aber schon geht es am Spieltisch wieder zur Sache. Die Kapelle spielt jetzt : Ich wär so gerne Millionär

www.myvideo.de/watch/2076946/ich_waere_so_gerne_millionaer

Im Bauch des Schiffs rudern fleißig und ohne Unterbrechung die Galeerensklaven. Vor ihnen steht mit drohendem Gesichtsausdruck ein bärenstarker Seeräuber mit Namen Harzlos.

Die Sklaven haben die Gespräche an Bord gehört und werden auch etwas unruhig. Aber die Ketten hindern sie , ihren Platz zu verlassen.

Ein-Euro-Job-Jupp flüstert leise zu seinem Nachbarn Aufstocker: mich haben sie hierher gelockt, mit der Garantie eines Vollzeitjobs mit lebenslanger Garantie. Dafür hab` ich meine Ersparnisse geopfert und nun? Nun komm ich nicht aus dem Vertrag raus. Wenn ich kündige, sagen sie, verklagen sie mich bis an mein Lebensende.

Wo ist da der Unterschied? Fragt Aufstocker.

20:13 15.01.2010
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Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
Schreiber 0 Leser 1
goch

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