Geisterfahrer auf der bundespolitischen Autobahn

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

<!-- @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } -->

Der Verkehr auf der Bundespolitischen Autobahn ist relativ dünn.

Sparvorschläge zuckeln gemächlich auf der rechten Spur. Immer wieder sieht man ein paar Gefahrentransporte mit Atom-Gefahrenschildern, die sachte überholen und an Geschwindigkeit zulegen.

Autos der Oberklasse beschleunigen rasant und hinterlassen schwarze Arbeitslosenwolken .

Diese Wagen kennen kein Tempolimit bzw. sie haben ein eingebautes Vorfahrtskennzeichen vorne auf ihrer Motorhaube.

Einige Militärtransporter fahren Kolonne . Die Fahrer schauen nervös nach links und rechts und beobachten aufmerksam die Umgebung.

Ein Krankenwagen ist auf der Standspur liegengeblieben. Wie es scheint aus Spritmangel. Der Fahrer steht auf der Niedriglohnstandspur und wartet wohl auf Hilfe, die nicht kommen wird.

Kopfpauschale schnittige Flitzer mit extravagantem Schnickschnack fahren vorbei und schütteln den Kopf über den unterfinazierten Erste-Hilfe-Wagen.

Mit donnerndem Auspuffgetöse rasen spekulationsgetriebene chromblitzende Motorräder über die Autobahn und verblasen Kredit- und Schuldenpartikel aus ihren steueroasenfreien Motoren.

Sie ziehen an Steuerbefreiungs-Dienstwagen vorbei, die gemächlich dahinschnurren.

Zaghaft beschleunigen Steuersenkungskarossen und nehmen vorsichtig fahrt auf.

Doch was kommt da von vorne.

Hektisch lenken die Wagen von der Überholspur auf die rechte marktradikale Einheitsspur herüber.

Ein Geisterfahrer kommt aus der Ferne angebraust und so manchem bricht der wahlpolitische Angstschweiß aus., ob es nicht einen Landtagswahlcrash geben wird.

Der Wagen auf der Überholspur kommt immer näher. Jetzt kann man schon erkennen. Es ist ein schnittiger Sportwagen mit einem aufgemotzten spätrömischem Dekadenz -Motor. Der Fahrer schaut strikt geradeaus auf die Fahrbahn und lässt sich von den neben ihm fahrenden entgegenkommenden hupenden Autos nicht aus der Ruhe bringen. Er brüllt aus seinem offenen Coupe Steuersenkungen sofort, Steuersenkungen sofort, Steuersenkungen sofort und Arbeit muss sich wieder lohnen.

Gottseidank geht ihm der wahlpolitische Sprit aus und sein schnittiger geleaster Dienstwagen kommt zum Stehen. Doch der landtagwahlpolitische Crash scheint unabwendbar.

12:09 05.04.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

goch

Kapitalismus ohne Krise - eine antikapitalistische Forderung?
Schreiber 0 Leser 1
goch

Kommentare