48 Minuten in der Küche

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

(Achtung! Dieser Text ist nicht für die Augen von Fräulein Juliane, Jörn Kabisch und weinsztein gedacht!!!)


Sonntag. Früher Nachmittag. Hunger. Also los! CD-Player in die Küche schleppen, CD rein - Start! Das Intro-Riff von Lenny Kravitz Leadgitarristen sägt und Cindy Blackman kloppt die Felle, während ich den Kühlschrank aufreiße und die rotstichigen Frühkartoffeln und die Fenchelknollen raushole. Wasserkocher volllaufen lassen, anschalten, ein gehäufter Teelöffel Gemüsebrühe in Topf 1.

Topf 2 her, kaltes Wasser rein, Kartoffeln schälen, vierteln, spülen, in den Topf werfen, dass es spritzt. Topf 2 auf Platte 1, einschalten, mittlere Hitze. Wasserkocher macht Krach, ich drehe den CD-Player lauter, Rokia Traore spielt die Klampfe auf malinesisch.

Kühlschrank auf, das Schlachterpäckchen raus, die beiden Lammlachse auspacken, kalt abspülen, in trockene Tücher rollen, weglegen. Did you ever wake up with that bullfrog on your mind? fragt Rory Gallagher. Ist schon vorgekommen - aber jetzt die Fenchelknollen abspülen, Strünke und Kraut entfernen, vierteln. Wasserkocher macht ‚klack’ und schweigt. Zu den Tuareg-Nachrichten von Tinariwen aus der Wüste gieße ich reichlich heißes Wasser in Topf 1 auf das Instantpulver. Die Fenchelstücke gleiten in die Brühe. Topf 1 auf Platte 2, volle Hitze erstmal. Noch mehr Hitze mit Nina Simone.

Die Lammlachse ausrollen, jeweils quer in 3 Teile schneiden, auf eine Platte legen, mit vollen Händen Salz, Chili (Lila Downs führt mir dabei die Hand), Majoran, Cumin drauf schmeißen, wenden, once again, beiseite stellen.

Den gusseisernen Wok hervorziehen, auf Platte 3 stellen, halbe Hitze, lässig mit der O-Öl-Flasche Kreise ziehen. Zwei Zwiebeln und zwei Knoblauchzehen nackig machen, grob würfeln, ins warme Öl werfen, mit dem Holzlöffel ölig einsudeln, Hitze hoch.

Platte 1, die mit den Kartoffeln, dito. Platte 2, Topfdeckel vibriert, Hitze runter, Deckel leicht anschrägen.

Im Wok schön weiter rumrühren – und da steigt er auf, dieser unvergleichliche Duft von Zwiebeln und Knobi in heißem Olivenöl! - Hitze runter. Passt das zu Lucinda Williams Lafayette? Na, klar!

Jetzt das letzte Element herbeiholen: eine Pulle Rosé, halbtrocken, entkorken, und während Robert Plant auf das Nirvana anspielt, unter Aufbietung von Selbstbeherrschung nochmal kurz beiseite stellen.

Aufpassen, warnen Asian Dub Foundation, dass der Knobi nicht braun wird, Round Up, nein umrühren,dann die glasigen Zwiebel- und Knoblauchstücke ringsum am Rand hochschieben, Hitze hoch. Die Platte mit dem Fleisch wird herangeholt, nacheinander die 6 zarten Lammstücke in die aromatische Ölpfütze in der Mitte des Wok gelegt, dass es ein Zischen und Brutzeln ist. Erykah Badu verkündet das Amerykahn Promise. Körper zuckt funky, Hände verharren kurz. Die Fleischstücke wenden, noch ein kurzes Abwarten. Jetzt mit Bobby Fuller der Griff zur Flasche, I Fought The Law, Weinchen in’s Glas, Glas an die Lippen, nochmal nachschenken, dann das Glas gekippt dicht über dem Wok kreisen lassen. Was für ein Zischen und Fauchen! Holzlöffelchen tritt in Aktion. Nochmal nachschütten, nochmal rühren. Brodeln abwarten, Hitze runter, Deckel drauf.

Topf 2, mit der Küchenmesserspitze die Kartoffeln kontrollieren, brauchen noch einen Moment. Topf 1, der Fenchel, dito.

Gläschen Rosé als Apperitif zu C. an den Computer tragen, Schlückchen sie, Schlückchen ich, Küsschen beide. Geht die Musik etwas leiser? Nöö!

Schnell zurück in die Küche, Wokdeckel hoch, rühren, schöner Sud. Freude kommt auf. Teller, Besteck, Gläser platzieren.

Die Kartoffeln sind soweit. Wasser abgießen, Topf wieder auf Platte 1, ohne Deckel, reichlich Salz rein, schwenken, wieder abgedeckt beiseite stellen. Lammfleisch im Zwiebel-Knobi-Öl-Wein-Sud bewegen. Fenchel von Platte 2 nehmen, abgießen, etwas Butter drauf, schwenken, zum Esstisch bringen. Kartoffeltopf und Wok mit Fleisch dito. Der Chrismas Song (tja, ist nunmal so auf der CD) von Jethro Tull ist in dem Moment zu Ende, wo die Küchentür hinter mir zuknallt.

Das Publikum ist zufrieden, Klagen kommen keine. Anschließend Nachtisch, Mittagsruhe, oder wie man das auch immer nennen mag, Kaffee später...

Schöner Sonntag.

18:18 28.03.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

goedzak

I'm a-leaving' tomorrow, but I could leave today. (Bob Dylan)
goedzak

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