goedzak

Wenn ich gar zu glücklich wär' / Hätt' ich Heimweh nach dem Traurigsein. (F. Hollaender)
goedzak
RE: Frischluftfanatiker | 20.01.2022 | 14:27

"Woran erkennt man eigentlich Ich-Zentrierte?" - Ich glaube, da kann ich helfen. Man erkennt sie natürlich nicht sofort an bestimmten Kleidungsstücken. Eher vielleicht am Preissegment, aus dem diese stammen. Tendenziell individual-automobilistisch orientiert, der ÖPNV- und Bahnbenutzung eher abgeneigt, zuviel Plebs unterwegs. Wichtiger noch die geäußerten Ansichten:

"Wer Arbeit will, findet auch welche."

"Mindestlohn ist schädlich."

"Der Markt regelt alles am besten."

"Die soziale Hängematte abschaffen." usw. usf.

Und nun kommt das untrügliche Erkennungszeichen: Plötzlich haben sie ihren Sinn für Solidarität entdeckt. Sie fordern von anderen eine Solidarität mit sich, die sie eines kleinen virulenten Virus' wegen nicht mehr ihre gewohnte Lebensweise weiterführen können.

Naja, das ist die eine Sorte "Ich-Zentrierte". Die andere unterscheidet sich nur in einem Punkt von der: Die wollen solidarisches Verständnis für ihr Ansinnen, aus Gründen der 100pro egozentrischen körperlichen Selbstbestimmung ungepiekst und unmaskiert ebenfalls ihr gewohntes Party- und Konsumleben weiterführen zu dürfen.

Derweil arbeiten die einen sich schlecht bezahlt krank und müssen sich als Krankenpflegerin von infizierten Corona-Leugnern auch noch mit Verbalinjurien wie "Bill-Gates-Votze" bewerfen lassen - und die anderen (zahlenmäßig wenigeren) werden mit Pharma-Aktien-Gewinnen überschüttet.

Diese auch medial am Köcheln gehaltene Geimpfte-vs-Ungeimpfte-Klopperei ist so schön griffig. Und lenkt prima ab. Ich glaube, die Aktienprofiteure aller Couleur können mit dem 70:30-Verhältnis ganz gut leben. Eine Impflicht wollen die gar nicht. Da würde ja über kurz oder lang der Absatz abstürzen.

Und jetzt noch mein Politikkonzept: Pandemie-Vakzine-Produktion nicht nur mit Staatsknete finanzieren, sondern auch staatlich kontrolliert zum Selbstkostenpreis abgeben, Patente aufheben usw. - Gesundheitswesen vergesellschaften und Impfpflicht einführen.

RE: An jeder Note die Krallen geschärft | 20.01.2022 | 13:02

Ein guter Artikel über eine Frau und Künstlerin, die in ihrem Leben viel durchzustehen hatte und es durchgekämpft hat. Sehr viele Frauen wie sie sind (auch) im Showgeschäft an Psychopathen wie Phil Spector geraten.

Man sollte eine Party veranstalten und die Nacht durchtanzen mit den Ronettes, den Ikettes, Martha And The Vandellas, Surpremes usw....

RE: Pfeifen im Erzgebirge | 19.01.2022 | 19:30

Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei, aber ich verzeihe dir jetzt schon - nicht nur vieles, sondern alles.

RE: Teure Freizeit | 19.01.2022 | 12:43

Bravo! Jaa, diese Niedriglöhner arbeiten doch nicht fürs Über-, sondern fürs Luxusleben - und nennen das Arbeit. Die wollen auch nur in Restaurants und ins Schillertheater.

Also, Mindestlöhne sind der falsche Weg. Ich sehe zwei Wege, für den Erhalt unseres Lebensstils (Essen gehen, Programmkino...). Erstens: Kinderarbeit legalisieren, sagen wir mal so ab 12 oder 14. Die können sich Handys und Konsolen kaufen und lernen was übers wahre Leben, was diese Schule nicht bietet. Und jedes Café hat wieder genug Baristas und Geschirrabräumer.

Und zweitens: BGE einführen! So in Höhe der Mindestlebenskosten und nach Streichen aller anderen Sozialleistungen. Dann können die "Arbeitgeber" mit den Stundenlöhnen noch viel weiter runtergehen.

RE: Teenies gegen Omas | 19.01.2022 | 10:19

Dass der Artikel in der Jahresendausgabe das Mono-Thema Generationskonflikt zu bedienen hatte, tut der nötigen umfassenderen Sicht auf das, was eigentlicher Problemkreis ist, doch Abbruch: die Filmindustrie mit allem Drum und Dran - Filme machen, bewerben, vertreiben, zeigen, besprechen... Die (hier allerdings ziemlich klischeehaft beschriebene) Gruppe der forty-up-Frauen - keine einzige meiner Freundinnen, Kolleginnen und Bekannten aus dieser "Gruppe" wären mit derartiger Darstellung einverstanden - ist natürlich auf jeden Fall eine vergleichsweise geringgeschätzte Menschengruppe. Und Kritik daran ist also berechtigt. Aber - um nochmal auf meine weiblichen Bekannten zurückzukommen - kaum eine gebildete, kunstinteressierte Frau mit Geschmack und erwachsener Sozialkompetenz und Empathiefähigkeit ist scharf darauf, Teilchen einer anvisierten Blockbuster-Kohorte zu sein.

Im Popmusikbereich gibt es seit Jahrzehnten schon eine Aufmerksamkeit gegenüber der sehr ausdifferenzierten Klientel der Macherinnen und Konsumentinnen von sog. Independend-Musik. Dort wird schon länger vom Ende der Zeit der Megaseller gesprochen. Die Konsumtion läuft multimedial, es gibt ein großes Spektrum nebeneinander existierender, gleichwertiger Spielarten und Stilistiken, ganz zu schweigen von inzwischen auch global rezipierten regional spezifischen Produktionen. Und es gibt z.B. auch das Phänomen der Longseller, von Produktionen also, die erst über sehr lange Zeiträume nennenswert Geld einspielen. (Nebenbei an die Journalistin die Frage: Warum gibt es beim Schreiben über Film-, Literatur- und sonstige Kunstproduktionen immer noch diesen mainstream-hörigen Tagesaktualitäts-Fetisch?)

Die Mega-Akteure im Filmgeschäft - siehe die erwähnten Start-Einspielergebnisse und das massive Blockbuster-Marketing - dagegen prügeln immer noch ihre Megaprofit-Monster durch die Arena. Da bin ich mir mit meinen erwachsenen Freundinnen und Freunden einig: Die können uns mal, deren Aufmerksamkeit brauchen wir nicht, wollen sie gar nicht.

RE: Jenseits von Dada und diesseits von Agitprop | 18.01.2022 | 17:20

Guter Hinweis auf die Kultur der Wahlplakate (heute!). Die sind alle bestenfalls überredend, oft genug verheißerisch bis manipulativ. Also auch heute stehen die Zeichen für eine im Sinne Seeßlens dialektische politische Kunst gelinde gesagt schlecht. Da hat sich seit den 1950er Jahren nichts geändert.

RE: Geld vom Staat für „Männerrechtler“? Den Bayern gefällt's | 18.01.2022 | 10:02

"Gewissermaßen Querdenker für Sexisten." - So kann man es auch sagen. :-)

Und der Beifall auch in diesem Forum für die Richtung passt doch gut ins Gesamtbild. Das wiederum schon ein Klischee ist: Alte, weiße Männer, die ihr krampfhaftes "Quer"-"Denken" nicht bei sich behalten können, die sich manchmal über ein Thema entzweien (Putin pro / contra), aber sich i.G. doch herzlich generatiös einig sind.

Und damit wende ich den Blick von oben herab ins FC-Terrarium ab und wieder waagerecht nach vorn.

RE: 1942: Villa mit Seeblick | 18.01.2022 | 09:09

Dein betont pikiertes Fingerpieken auf das gesuchte Haar in der Suppe ist entlarvend.

RE: Jenseits von Dada und diesseits von Agitprop | 18.01.2022 | 09:04

PS:Diese Ausstellung war vor gut 1 1/2 jahren in Berlin in der Akademie der Künste zu sehen. Ich fand, sie wurde dem Besonderen der politischen Kunst Heartfields, wie es hier im Artikel gut beschrieben ist, ziemlich gerecht. Auch deshalb wohl - und das ist gut so - ist sie jetzt in München im NS-Dokumentationszentrum zu sehen und nicht in einem der großen Kunsttempel. Die sind sich zu schade für sowas und Heartfield ist zu schade für die.

RE: Jenseits von Dada und diesseits von Agitprop | 18.01.2022 | 08:52

>„Ich wäre der Designer des Sozialismus geworden, wenn die mich nur gelassen hätten.“<

Man kann nur froh sein, dass sie ihn nicht gelassen haben. Ihn oder irgendjemand anderen. Es braucht eine Welt zu gestalten, eine unübersehbare Anzahl von Designern und Designerinnen. Dass sie ihn nicht gelassen haben, war allerdings nicht der Star- und Allmachts-Hybris geschuldet, die hinter der Selbstsicht stehen mag, man könne DER Designer sein. Sondern war - ganz richtig im Text gesagt - der dekonstruierenden, analytischen Ästhetik Heartfields geschuldet. Einen Über-Designer, der das ganze System mit einem Firnis des "Utopischen und Heroisch-Aufbauenden" taucht, so Riefenstahl-mäßig, hätte man schon gern gehabt.

Es ist aber auch so, das in der politischen bzw. ideologisch relevanten (weil publikumswirksamen) Kunst und Literatur in der Aufbau-Zeit das sezierend-analytische weniger angesagt war als eben das heroisch-verheißende. So ähnlich wie in der Mode für Frauen: keine lockeren, körperbefreienden Flapper-Girl-Charleston-Kleider mehr wie in den Zwanzigern, sonder wieder die wilhelminisch-victorianische Wespentaille.