goedzak

Ich beginne wie ein Narr mit Fakten. (Volker Braun)
goedzak
RE: Hase, du bleibst hier | 18.09.2018 | 19:11

He, bist Du es etwa selbst, Gunnar, alter Demografist? Schöne grüße an Broder, Tichy und Opa Hayek. :-))

RE: Verbotskultur | 17.09.2018 | 12:44

@ Mladen Gladić

"Wo es zu viele junge Männer gibt, wird getötet." - Das ist ein Satz aus einer Studie des Völkermordforschers Gunnar Heinsohn. Auch in anderen Publikationen (z.B. bei Karen Duve) kann man davon lesen, dass junge Männer mit Testosteron-Überschuss die gefährlichste Spezies auf dem Planeten seien.

Da kann es einen schon mal wundern, dass viele ihrer konsequent feministisch orientierten Altersgenossinnen den Feind eher in den alten Kerlen sehen und den jungen gegenüber viel nachsichtiger scheinen. :-)

RE: Wie ein Mensch versank | 16.09.2018 | 14:46

Diesen Artikel hier in einen Zusammenhang mit Sensationsgier zu bringen, ist Stuss.

Es gab und gibt auch in dieser Zeitung unzählige kritische Artikel über die Produkte des Privatfernsehens, z.B. über eine andere Institution des Missbrauchs: Heidi K..

In den hiesigen Kommentarsträngen hat seltsamerweise die Meinung, dass die Heidi K.s und Dieter B.s zwar schlimme Typen seien, die Leute in ihren Shows aber als kleine Dummchen das alles selber wollten, eine mindestens 51 %ige Mehrheit. In den threads anderer Publikationen ist diese Mehrheit nur noch ein bisschen größer. Kein Mitleid, selber Schuld.

Dass Daniel K. an seiner Schauspielschule gemobbt wurde oder dass man auch nur "nicht gut auf ihn zu sprechen" war (Sprachregelung dort), zeigt ganz genau die Art "Kritik", die auch mancher gemeine "Linke" und/oder Kreative gern mal übt: distinktionsgeile Verachtung von Menschen.

Mal sehen, was passiert, wenn bei den künftigen Absolventen dieser Schauspielschule RTL-Leute mit Rollenangeboten an die Tür klopfen.

RE: Wie ein Mensch versank | 16.09.2018 | 14:11

"Ja, das fällt mir auch auf: Das Mitleid mit denen, die von der grossen Mühle des 'Unterhaltungs'-Kommerz vermahlen werden ist ziemlich ungleich verteilt. Und es kommt erst dann auf wenn einer über Bord geht."

Alles klar. Deshalb war Dir dieser Artikel über einen Menschen namens Daniel Küblböck in deinem ersten Kommentar hier nur den Hohn wert: "Beim Überbordgehen muss auch die Luxusvariante gewürdigt werden, sonst wär's Diskriminierung."

RE: Wie ein Mensch versank | 16.09.2018 | 14:05

"Wenn eine junge Frau, ein junges Mädchen mit ähnlicher Geschichte, ähnlich tragisch enden würde, es würde nie jemand gleich die ganze Epoche bemühen, die Solidarität wäre höchst gering und der Spott umso größer. Der Tenor wäre: Selbst schuld. Eine Epoche würde da nicht gleich bemüht."

Nur nochmal nachgefragt, weil ich es noch nicht ganz glauben mag: Du meinst, wenn es nicht um Daniel sondern um Daniela K. gegangen wäre, hätte ich nicht "gleich die ganze Epoche bemüht", sondern gespottet und "selbst schuld" geschrieben?

RE: Wie ein Mensch versank | 16.09.2018 | 10:52

Es ist legaler Missbrauch, der da an einem 17-jährigen begangen wurde. Dass dieser 17jährige mglw. vorher schon illegalen Missbrauch und auch schon "legale" Vernächlässigung erlebte, ändert daran nichts, erklärt höchstens seine Brauchbarkeit für weiteren Missbrauch, der ihm als eine Kompensationsmöglichkeit erschienen sein mag.

Missbrauch zerstört und kann wie hier zu einem frühen Tod führen.

Küblböcks Schicksal und Tod haben eine politische Dimension. Das BVG urteilte 1981 grundsätzlich dafür, private kommerzielle TV-Medien-Akteure zuzulassen. Die Kohlregierung setzte das dann politisch und praktisch um. Eine Politik im Interesse der Profiterwirtschaftung, der Freiheit des Privatinteresses. Nebeneffekt: Die Medien der bürgerrechtlichen Grundversorgung mit Informationen (wie das Fernsehen) werden warenförmig, werden nun nicht mehr unter dem Primat ihres Gebrauchswerts gestaltet, sondern unter ihres Tauschwerts. Formate wie die, die Daniel Küblböck missbraucht haben und die mitschuldig an seiner Zerstörung sind, sind die reine Warenästhetik.

Daran sollte vielleicht auch mal wieder die "Linken" denken, die den GEZ-Zahlungspflicht abzuschaffen fordern.

RE: Zutiefst unehrlich | 16.09.2018 | 10:26

Die Passagen, in denen du sehr klar zeigst, dass die "Flüchtlinge" hier in eine konkrete soziale Situation hineinkommen und dass sie von interessierter Seite benutzt werden, um eine realistische Analyse dieser Situation und eine aus solcher Analyse folgende alternative Politik zu verhindern, in dem sowohl die Ursachen als auch die möglichen Lösungen der Probleme verschleiert werden, in dem man die "Flüchtlingsschwemme" als Ursache und ihr Unterbinden als Lösung darstellt, finde ich zutreffend.

Leider aber verfälltst du an anderer Stelle auch in Argumentationsmuster, die eher auf einen Brückenabbruch zwischen den kontroversen linken Positionen hinauszuwollen scheinen. Dazu benutzt auch Du die Methode, sich die "gegenerische" (ich rede hier von innerlinken Kontroversen) Positionen erstmal so zurechtzulegen, dass ihnen (natürlich) widersprochen werden muss. Das Prinzip funktioniert in beide Richtungen.

Du zeigst in die eine und sagst: Da sind Linke, die betreiben "Werben um offene Grenzen" und fordern "noch mehr Zuwanderung". Aus der anderen wird in deine Richtung gezeigt und gesagt: #aufstehen wäre "der Versuch, Flüchtlingsfeindlichkeit, Antiamerikanismus und eine prorussische Haltung von links mehrheitsfähig zu machen" und damit würden "rassistische Positionen in der linken Wählerschaft, indem sie Menschen nach bestimmten Merkmalen selektiert und dann bestimmt, wer dazugehört, wer nur geduldet wird und wer wieder weg soll."

Es gibt auf beiden "Seiten" keinen einzigen ernstzunehmenden Akteur , dem solche platten Einstellungen belastbar nachgewiesen werden können. Trotzdem werden sie gegeneinander ins Feld geführt.

(...) Da kann sich der "Dritte" nun lustig ins Fäustchen lachen. Seine Teile-und-herrsche-Straegie scheint aufzugehen.

Dass einige Kritiker von #aufstehen die paar demagogischen Beifallsbekundungen aus Richtung Gauland & Co. nun als Beweis nehmen, dass sie recht haben, ist gelinde gesagt naiv.

Umgekehrt gibt es Beifall für diese Kritiker aus Richtung "Welt", "FAZ" usw., die für Wagenknecht-Anhänger Beweiskraft für verkappten Neoliberalismus zu haben scheinen. Dieser Beifall wird gern angenommen, seine perfide Demagogie ignoriert.

Alles ziemlich pubertär.

RE: Einfach nur Arschlöcher? | 15.09.2018 | 11:27

Hier ein Filmdokument von 1929, in dem noch etwas von den Wurzeln, aus denen auch der artifizielle Jazz gewachsen ist, zu erkennen ist. "Heavy Metal" ist ein anderer Spross daraus.

Mit den musikalischen Stilistiken ist es wie mit weltanschaulichen Modulen auch, sie können (etwas oder etwas mehr modifiziert, "verkürzt" sagt der professionelle Ideologiekritiker :-)) als elementare Muster der Enthusiasmierung oder als Ideologemen für fast jede ideologische oder politische Absicht eingesetzt werden. Für Adorno war Jazz affirmativ und kommerziell. Mit prinzipiellen ideologischen Bewertungen eines Musikgenres muss man offensichtlich vorsichtig sein.

Schönes Wochenende.

RE: Einfach nur Arschlöcher? | 14.09.2018 | 17:18

"Kognitive Analyse und das richtige emotionale Lernen..."

In Deinem Posting sehe ich nichts, dem ich nicht prinzipiell zustimmen könnte (bis auf das Wörtchen "richtig" vielleicht, aber gut...). - Nur: Mein Punkt war weniger das Emotionale, sondern das Körperliche. Menschliches Handeln (!) ist immer (auch) körperlich. Noch sind wir nicht der reine Geist und die Welt keine Festplatte, auf der wir als Datensatz gespeichert sind. Was da auf einer Bühne mit ner Punkband drauf und davor im Publikum passiert, ist sinnliche Selbsterfahrung, Selbstgenuss, dabei auch gleichzeitig körperliche Erfahrung einer Gemeinschaft, sinnliche Wahrnehmung des/der anderen und des gemeinsamen Handelns. Kann es jedenfalls sein. Und dieser Aspekt vervollständigt die rationale Einsicht.

Emotionen sind auch immer dabei. Hier ging es aber um das, was da ein Punksänger beim Auftritt von der Bühne ins Publikum brüllt. Er brüllt, er schwitzt, er produziert (!) einen Rhythmus... Ist auch immer noch das worksong-Prinzip.

RE: Die Farbe Lila (IV) | 14.09.2018 | 12:58

Ein beeindruckendes Projekt, dieser vierteilige Essay. Und gut. dass über die Printfassung hinaus hier der komplette Text zugänglich gemacht wird.

Ich weiß nicht, ob ich diese Ferrante-Tetralogie jemals lesen werde. Vielleicht, wenn der Bestseller-Hype vorbei ist und mich meine geradezu irrationale Hype-Aversion verlassen hat.

Vordergründig liest sich der Text wie die Beschreibung einer mehrstaffeligen TV-Soap. Vordergründig! Ich habe den ganzen Text mit Genuss gelesen und jede Menge Sätze und Gedankengänge gefunden, die mich "ins Grübeln" bringen.

Schönheit und Grauen, die Motivation des Kapitalisten ist nicht Genuss, Bachmann und Frisch, das Verhältnis der Geschlechter. Ja, und die Ambivalenz des anständigen und des "nicht so anständigen" Geliebten. Die Liebe im 21. Jahrhundert scheitert nicht an der einen Seite des Patriarchats, dem dominierenden bindungsunfähigen Mann. Sie scheitert an dem Widerspruch, dass Menschen Nähe so sehr vermissen und suchen, und sie gleichzeitg fürchten und fliehen, der ein Ausfluss der gesellschaftlichen Widersprüchlichkeit ist. Kälte und "Herzenswärme". "Einsamkeit ist politisch."