goedzak

Ich beginne wie ein Narr mit Fakten. (Volker Braun)
goedzak
RE: Giftiger Sprachgebrauch | 13.12.2018 | 14:18

Es gibt Psychologen (vielleicht auch Psychologinnen, aber das weiß ich jetzt nicht), die mit dem Terminus „Muttervergiftung“ arbeiten, um eine bestimmte Art oder bestimmte Modi von (historisch-konkreter) Mütterlichkeit zu beschreiben, die auf Kinder (Mädchen wie Jungen) einen, na, sagen wir defizitären Einfluss hat. Die Einschätzung von bestimmten Formen von (historisch-konkreter) Weiblichkeit als „toxisch“ gibt es also durchaus. Sie bleibt natürlich nicht unwidersprochen, als generelle Diffamierung der Frau an sich wird sie aber kaum abgekanzelt.

Du redest über den Terminus „toxische Männlichkeit“ als lautete er „der toxische Mann“ und so, als würde darüber hinaus „toxisch“ gleich „männlich“ (ganz allgemein und nichtmal historisch-konkret) gesetzt. Der Begriff „toxische Männlichkeit“ ist aber keine Personenbewertung, sondern bezeichnet eine (historisch-konkrete - sorry, aber ich setzte dieses Wort mit voller Absicht hier so oft ein) Form von Männlichkeit, genauer gesagt Aspekte von ihr, die, wenn sie im Handeln konkreter Mannspersonen wirksam werden, negative Auswirkungen auf andere Menschen - Frauen, Kinder, andere Männer) haben. Daran ist so gar nichts Diskriminierendes.

Der Begriff kann natürlich wie jeder andere auch inflationär und gar missbräuchlich verwendet werden. Ob das in Bezug auf das Agieren eines Politikers wie Spahn so ist, darüber kann man vielleicht noch geteilter Meinung sein. Bei einem Trump oder einem Bolsonaro wird das kaum jemand behaupten können.

RE: Her mit dem ganzen Leben | 10.12.2018 | 12:22

Guter Artikel. Danke.

“Liberaler Antirassismus oder Nationalismus?“ - Die Wahl dieser Formulierung einer zurecht als „falsch“ bezeichneten Alternative als Headline ist allerdings unglücklich und scheint diese eher zu bestätigen als zu konterkarieren. Im Text wird das zum Glück zurechtgerückt. Es ist ja nicht nur eine „falsche“, sondern gar keine Alternative. Die Formulierung ist ein Spaltpilz. Es ist richtig, sozial indifferenten „Kosmopolitismus“ genauso zu kritisieren wie national orientierte Sozialkritik, Klassismus UND Rassismus sind beide keine Optionen. ABER: Innerlinke Positionen in diese beiden Schubladen zu sortieren, ist kontraproduktiv. Das ist diesem Artikel auch nicht vorzuwerfen. Es wäre aber auch wichtig, die Teile-und-herrsche-Strategie, die in der derzeitigen Diskussion hinter der Reduktion auf diese beiden Haltungen steckt, zu kritisieren.

RE: Vom rechten Weg abgekommen | 09.12.2018 | 18:06

Hmmh, mal sehen, aber heute nicht. - Blixa Bargeld und sein italienischer Kumpel Teho Teardo traten mit einem polnischen Streichquartett auf. Das klang schon wie Hardcore-Elektronik auf akustisch. Eine "industrielle Variante der Schlussszene" wäre die umgekehrte Vorgehensweise. Alles ist möglich. :-)

RE: Vom rechten Weg abgekommen | 09.12.2018 | 00:12

Aber ist doch gut, vom Betreten des Opernhauses bis zum Verlassen mal ne Weile unernüchtert gewesen zu sein.

Mir ist es neulich beim Besuch eines Industrial-Festivals in Wroclaw auch so ergangen. ("Industrial" ist sowas ähnliches wie La Traviata, nur ganz anders.)

RE: Weltflucht mit Rumba | 09.12.2018 | 00:02

Der Wenzel, den ich kenne, ist nie moralisierend gewesen. Nie larmoyant, nie belehrend. Das hat er allen seinen Kollegen des "Liedermaching" voraus. Plus die saftige Musikalität. Und so lustig war er auch immer, also "komisch" im Sinne der philosophischen Ästhetik, die er mal studiert hat. Ein gehörige Prise Sarkasmus, Bosheit und auch etwas Melancholie gehören immer dazu, sonst ist es ja nur "Humor".

"Wenzel bleibt Wenzel". - So ist es.

RE: Radio ist meine Lieblingszeitung | 01.12.2018 | 21:23

Dann scheint ja noch Hoffnung zu sein und ich kann mein Abo behalten. 😊

Um das Thema auf‘s Tapet zu heben, bin ich auch zum Petitionenschreiben bereit. Ob diese Community aber davon in Schwung zu bringen ist?

Vielleicht muss es ja gar keine Weihnachtsausgabe sein. Vielleicht könnte die Redaktion ja mal wieder ein übergreifendes Projekt ausrufen / organisieren und FC-Mitglieder bitten, Texte über das Radiohören, bestimmte Sender und Sendungen, über das „Sozialisiertwerden“ mit Radio u.dgl.m. zu schreiben. Vor Zeiten hat es sowas hier durchaus immer mal wieder gegeben.

Die FC war schon immer nur ein Schwarm, kein „Kollektiv“, nicht wirklich als ganzes ein Gruppensubjekt. Aber anders als heute hat es doch Verbindungen gegeben, die über die virtuelle Begegnung auf der Plattform hinausreichten.

Vor ein paar Tagen hab ich einen FC-Freund nach längerem mal wieder life-haftig getroffen. Wir verbrachten ein paar schöne Stunden mit einander und redeten viel. Er ist genauso lange dabei wie ich, noch aktiv, aber schätzt die Atmosphäre ebenfalls heute viel weniger motivierend ein. Ein Stammtisch zum Politisieren. Kaum noch ein Raum für Texte, die thematisch und formal einen Eigenwert haben, die aus Schreiblust entstehen und Leselust bedienen.

So etwas zu aktivieren, braucht es Anregung und Anstoß. Das kaum früher aus beiden Richtungen, aus Sub-Kollektiven in der FC und aus der Redaktion. Das ist aber auf beiden Seiten, tja, eingeschlafen?

RE: Radio ist meine Lieblingszeitung | 28.11.2018 | 17:23

Waaas, das Thema Radio wurde verworfen?!! Ich kündige mein Abo... 😁

RE: Budenzauber | 25.11.2018 | 18:13

„Zurück“? Es gibt kein zurück. Das Retro ist nur Talmi. „Regression“ ist Illusion. Die Weihnachtsbuden-Favelas bleiben stehen und werden nach Weihnachten in „Wintermarkt“ umgetauft.

Die einzigen, die dabei noch „echte“ Gefühle haben können, sind die Kinder. Sie sehen die Lichter, die Karussellfiguren...aber auch sie werden sich nur an etwas Schönes erinnern, wenn sie von liebevollen Eltern begleitet wurden.

RE: Schwarzwälder Kirschtorte und Holocaust | 24.11.2018 | 10:24

Mir geht dein Text nahe und Zorn ergreift mich über diese Kultur, in der wir leben, in der ein Kind einzig seiner Hautfarbe wegen gewärtigen muss, dass ihm Leute mit Verachtung und vielleicht schlimmerem begegnen. Das einzige, was dagegen hilft, sind Selbstvertrauen und Stärke. Das wird deine Tochter ganz sicher von ihren Eltern mit auf den Weg bekommen.

Zu der allgemeinen Thematik deines Textes: Es sind Leute aus der selben Generation, die all das über Faschismus, Weltkrieg und Holocaust auch gehört und gesehen, gelernt haben, die jetzt in Scharen der AfD nachlaufen, weil sie irgendwelche Hoffnungen damit verbinden. Auch ihre (Ur-)Großeltern hatten Kriegs- und Elendserfahrungen, sind aber trotzdem NSDAP-Anhänger geworden. Hier ist ein Artikel, der ein Beispiel von heute erzählt.