Cindy & Bert, paranoid

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

https://lh6.googleusercontent.com/_KzT7aueQ9sM/TVVY8nt6chI/AAAAAAAAA9I/SiM5XEPjPnA/s800/04_Black-Sabbath-Paranoid---Swiss-347626.jpg

Also, Ossi Osbourne und seine Sippe nerven ja wirklich. Typen wie er oder Alice Cooper sind nach den paar wilden Rockerjahren zurück in den Schoß ihrer spießigen Herkunftsfamilien gekehrt. Die Bucks für Haus, Auto und College für die kids müssen sie aber leider, da sie ja nichts Besseres gelernt haben, weiterhin mit Medienpräsenz und Kasperletheater verdienen. Da die Reunions vielleicht nicht genug abgeworfen haben, reüssiert man eben mit Werbespots und diesen unwitzigen Soaps. Na ja, Trash konsumieren ist hip, solange man dabei voll den Ironiker raushängen lässt.

Ossis alte Band, der er seinen immer noch gut verkäuflichen Ruf verdankt, Black Sabbath, gehörte mal zu dem sogenannten Hardrock-Kleeblatt, ein Medienhype in den frühen Siebzigern(vielleicht auch nur eine ‚BRAVO’-Erfindung). Neben Black Sabbath wurden noch Uriah Heep, Deep Purple und Led Zeppelin darunter subsumiert.

Ein paar Kostproben gefällig? Da sind erst mal Uriah Heep, die schmalzigste Variante dieses sogenannten Hard Rocks, der zwischen den Stühlen des Spätsechziger Elektro-Blues und der nach ihm kommenden Marktaufteilung zwischen Glam-, Teenie- und Punkrock saß. Die grafische Gestaltung des verlinkten youtube-Videos Lady In Black ist absolut passend; dieser Kommentar dort auch: ...jedesmal wenn ich bei dem lied mitsinge hab ich des gefühl ich liege mit einem schönen mädchen neben einem lagerfeuer, ich spühre dann richtig die wärme des feuers - kein witz - nein, völlig ernst gemeint!!

Bei Deep Purple kloppten sich die beiden Hauptakteure eine Zeit lang um die Richtung. Keyboarder Jon Lord, klassisch gebildet, wollte es symphonisch, Gitarrist Ritchie Blackmore hard-rockig. Zwar setzte letzterer sich schließlich durch, aber es sind auch diverse Art-Rock-Schinken überliefert. Was die beiden eigentlich heute so treiben? Na, Jon Lord tritt bei den Händelfestspielen in Halle auf und Ritchie Blackmore spielt mit seiner Dame triefiges Renaissance-Lauten-Zeug ein.

Dass der bleierne Zeppelin ebenfalls in diesem Triumvirat des Heavy-Ass-Rock geführt wird, ist zwar vielleicht einiger weniger Songs wegen nachvollziehbar, sonst aber wohl eher als eine der vielen Bosheiten der damaligen Popmusik-Journaille gegenüber der Band zu sehen. Denn eigentlich waren sie eine, na ja, stark elekrifizierte Folk- und Blues-Band.

Das Kitschige an Black Sabbath ist dieses gewollt ‚Düstere’, das durchschaubare Kokettieren mit Satanismus, Krieg, Krankheit, Tod. Ossi, einer der eher wenigen Rockstars mit 100%ig proletarischen Wurzeln, sorgte für die klamottig-unsentimentale Ausstrahlung, die anderen bandmates für den Gusseisen-Sound.

Mit 18 war ich Fan von allen vieren, heute finden sich in meinem Plattenschrank nur die Scheiben der einen.

Aber obwohl ich mir Sabbath, Heep und Purple nicht mehr antue, mag ich doch einen Song immer noch: Paranoid von Black Sabbath, eine eben nicht so aufgeblasene Rock’n’Roll-Nummer.

https://lh5.googleusercontent.com/_KzT7aueQ9sM/TVVY8PsfemI/AAAAAAAAA9A/zxIHWIBSnUE/s800/02_Portada.jpg


Lyrics:

Finished with my woman

'Cause she couldn't help me with my mind

People think I'm insane

Because I am frowning all the time

All day long I think of things

But nothing seems to satisfy

Think I'll lose my mind

If I don't find something to pacify

Can you help me occupy my brain?

Oh yeah!

I need someone to show me

The things in life that I can't find

I can't see the things that make true happiness

I must be blind

Make a joke and I will sigh

And you will laugh and I will cry

Happiness I cannot feel

And love to me is so unreal

And so as you hear these words

Telling you now of my state

I tell you to enjoy life

I wish I could but it's too late


https://lh4.googleusercontent.com/_KzT7aueQ9sM/TVVY8RupfWI/AAAAAAAAA9E/YDAwgCQm2Ys/s800/03_Black_Sabbath-Paranoid-Trasera.jpg

Da war meine Freude groß, neulich diesen Song auf dem in Puncto Ausbuddeln von Perlen der Popmusikgeschichte verdienstvollen Sender Radio Corax in einer Cover-Version des deutschen Schlagerpärchens Cindy und Bert zu hören. Richtig harte Gitarren, oha, zarter Gesang, schauerlicher Text! So hat man sich das Gruseln im Zeitalter der Sherlock-Holmes- und Edgar-Wallace-Filme vorgestellt. Mit dem larmoyanten Originaltext konnte man in deutschen Plattenfirmen damals wohl nichts anfangen.


Wortlaut:

Nebel zieht in dicken Schwaden

übers Moor von Forest Hill,

grüngespenstisch grinst ein Irrlicht,

es ist Nacht in Baskerville.

Wer verbreitet Angst und Schrecken,

wer vernichtet, was er will?

Jeder sucht sich zu verstecken

vor dem Hund von Baskerville.

Wen er anfällt, dieser Hund von Baskerville, oooh yeah,

hat verloren in dem Kampf um Baskerville, oooh yeah!

Und es traut sich keine Seele

in das dunkle Moor hinein,

jeder fürchtet um sein Leben,

wer wird wohl der nächste sein?

Bald ist die Mission beendet,

die sein irrer Herr ihm gab,

lautlos wie er einst gekommen

schleicht er sich ins Moor hinab.

Nebel zieht in dichten Schwaden

übers Moor von Forest Hill,

und verbirgt des Rätsels Fragen

von dem Hund von Baskerville.

Und weil's so schön war, gleich noch die TV-live-Variante mit fröhlich tanzenden Menschen.


https://lh3.googleusercontent.com/_KzT7aueQ9sM/TVVY8LlplbI/AAAAAAAAA88/d1JlT2WRKCI/s800/01_cindy-bert_hund-von-baskerville_1970.jpg

17:30 11.02.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

goedzak

I'm a-leaving' tomorrow, but I could leave today. (Bob Dylan)
goedzak

Kommentare 20

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community