Dämonen und Hexen

Charaktermasken Über den Obama-Mohren, den Schäuble-Teufel und die Merkel-Hexe. Der Kapitalismus als Kasperletheater und wie die linken Buben mit zornesroten Wangen davor sitzen
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Bismarck war ein Fresssack, nahm sich zuviel zu Herzen, hatte Depressionen, war ein Kriegstreiber und Reichseiniger. Rousseau, der Entdecker der Kindheit, gab seine Kinder ins Heim. Obama sieht in Anzügen wahnsinnig gut aus, kann Witze erzählen, aber nicht rappen und ist ein schwarzer imperialistischer Teufel. Marx, der jüdische Depp aus Trier,* mochte Pornografie und war ein Antisemit. Herr Kretschmann ist ein herzensguter grüner Opa und muss Asylpolitik ausführen. Röhm, auch ein Narbengesicht, war schwul, ein Opfer der Nazis und ein Nazi. Eichmann war hetero, Bildungsbürger, treu sorgender Familienvater und organisierte vom Schreibtisch aus die Logistik des Holocaust.

Hannah Arendt nahm ihn als Beispiel für die „Banalität des Bösen“. Was mächtig flächig und räumlich denkende „linke“ Besserwisser gern als Charakterisierung des „Würstchens“ Eichmann verstehen – die Würstchen sind immer die anderen - bezeichnete nur die Erkenntnis, dass die großen politischen Verbrechen nicht von eiskalten Hexen und narbengesichtigen Dämonen verübt werden, sondern dass die Mechanismen des Ablaufs dieser Verbrechen aus vielen kleinen und größeren, aber allesamt austauschbaren Rädchen bestehen. Und austauschbar heißt hier nicht, wie im Maschinenbau, physische Gleichheit, sondern bedeutet, dass jedes besondere Rädchen jede Stelle im Gesamtsystem einnehmen könnte, weil das System die Rädchen dominiert, nicht umgekehrt. Es war völlig egal, ob Eichmann ein Mozart-Fan oder ein Kinderschänder war. Am Schreibtisch war er in jedem Fall der Bürokrat der Holocaust-Logistik. Und wenn Eichmann gerade keine Zeit gehabt hätte, hätten se nen Rosenzüchter genommen.

Was würde z.B. heute in Europa, in Griechenland und Deutschland los sein, wenn die Waffen der Personen-Kritik besser gehandhabt worden wären? Wenn also der paranoid halluzinierende Dieter Kaufmann in Oppenau 1990 etwas ruhiger gezielt hätte? Dann hätten wir jetzt in Griechenland Sozialismus (oder nach Belieben die schönste Anarchie) und der Rest von Europa wäre auch auf dem Weg dahin?

Ach, da gab’s doch noch so ein Attentat! Was wäre, wenn Adelheid Streidel mit ihrem Messer etwas versetzt zugestochen hätte? Dann hätte Lafo 1999 nicht als Finanzminister kneifen können, weil er gar nicht erst einer geworden wäre. Dann hätte der verkannte Geldfachmann mit dem Hut und der Sonnenbrille die Finanzen in die Hand und die Finanzmärkte unter Kontrolle genommen oder gleich ganz abgeschafft, wäre der Euro kurz danach eine sympathische Anti-Dollar-Währung ge- oder gleich ganz verhindert worden und wir hätten jetzt...siehe oben. - Oder nicht?

Nee, da war ja noch der Schröder. Einer von den tapferen Community-Kämpfern hätte an dessen Cabrio die Bremsschläuche durchschneiden oder ihm Kontaktgift in die Haartönung mischen müssen... Für den grünen Pudelfaschisten Joschka bisschen Putin-Plutonium in die Laufschuhe – und dann bliebe nur noch Merkel. Na, was mit der machen? Ein anderer Community-Kämpfer müsste Goedzak seinen Mauser (ein persönliches Erinnerungsstück an Wladimir, nee, nicht Putin – Majakowski) klauen, peng, Genickschuss, und wir hätten jetzt – ihr wisst schon.

Der ökonomische Akteur des Kapitals ist nur die Charaktermaske, darunter steckt ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Charakter und Gefühlen oder Gefühlsarmut oder was auch immer. Aber diese Individualität ist im Sinne der ökonomischen Funktionalität egal. Das sieht man schon daran, dass heutzutage Kapitalfunktion und Kapitaleigentum meist gar nicht mehr in persona zusammenfallen.

So wie es mit dem ökonomischen Funktionär steht, geht es auch mit dem politischen. "Um Politik zu machen, müssen die Politiker sich zueinander als Personen verhalten, deren Willen in den jeweiligen Machtinteressen haust, (...) sie müssen sich daher wechselseitig als Politfunktionäre anerkennen. Dieses Rechtsverhältnis, dessen Form der Vertrag ist, ist ein Willensverhältnis, worin sich (aber) das Machtverhältnis spiegelt." (der Depp aus Trier, nicht ganz wörtlich)

Ökonomische und politische Verhältnisse verschwänden sofort, wenn die Menschen verschwänden. Es sind Menschen, die die Verhältnisse realisieren. Denn: „Die Menschen machen ihre Geschichte!“ – Aber: „Sie machen sie nicht aus freien Stücken!“ (auch der Depp) Als Ferment der Verhältnisse sind sie Typus, egales Rädchen, als lebendige Individuen sind sie besonders. Und dabei sind sie doch eine homogene Person, die sich frei entscheiden - und doch nicht frei entscheiden kann.

In das cartesianische Weltbild passt das irgendwie nicht. Es braucht ein Denken nicht in Gegensätzen, sondern in Widersprüchen, in permanenter Bewegung – nicht in noch so kompliziert konstruierten Zuständen. Der Pfeil ruht seinem Ziel entgegen, oder: Während er fliegt, ist er in jedem Moment an einem Ort und ist es zugleich nicht. Mit logischen Messlatten macht man sich da nur lächerlich.

Die derzeitige Bundeskanzlerin ist Angela Merkel – und ist es zugleich nicht. Kohl, Schröder, Merkel – sie geben dem Amt ein Gesicht - natürlich ein unansehnliches, besonders Frau Merkel. Sie sind Funktionäre der Macht, aber wessen Macht? Das ist hier die Frage! Sahra Wagenknecht kann nur Bundeskanzlerin sein, wenn es keinen Bundeskanzler mehr gibt. Ansehnlicher wäre das Amt sicher mit den Gesichtern von Marina Weisband oder Stephanie zu Guttenberg. Aber Mann weiß ja, die eine steht zu sehr auf Internet und die andere zu wenig. Und Bettina Wulff ist sowieso 'ne Nutte.

Inzwischen sitzen die linken Buben immer noch auf ihren Bänken, starren in den politischen Guckkasten und echauffieren sich. Ihr Kaspar soll Bundeskanzler werden. Dann brennt die Hexe und wird alles gut.

* Liebe unvoreingenommenen Leser, der Text enthält ein paar Anspielungen für voreingenommene Kollegen. Könnt Ihr überlesen!

11:06 29.07.2015
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Geschrieben von

goedzak

Ich beginne wie ein Narr mit Fakten. (Volker Braun)
goedzak

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