Der Baum, Der Hund und Der Mensch

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Züge verpassen am Savigny-Platz

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Gegen diese phlegmatischen Schübe bin ich völlig machtlos. Der S-Bahn-Zug fährt ein und wieder raus, und ich bin nicht eingestiegen. Ich sitze auf der Bank und gucke Löcher in die Brandmauer gegenüber. Nach einer Weile, der nächste Zug ist weg, fällt mir auf, dass da mehr ist als Ziegel, Fugen und Putzreste: Bäume, aufgerissene Münder und Buchstaben.


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"Wir sind die Hautkrankheit der Erde!“ – Ich muss mich unwillkürlich kratzen.

"Wir trinken, was wir pinkeln.“ – Jetzt ist mein Interesse erwacht. Ein Satz, der die Komplexität der Öko-Systeme gut auf den nulldimensionalen Punkt bringt.

„Bruder Mensch hat uns schon oft verlassen, Bruder Baum nie!“ – Der entwurzelte Mensch entwurzelt auch den Baum, sonnenklar!

„Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur!“ Das ist eine Beschönigung, wir miss-brauchen die Natur!

Habe ich das jetzt laut gesagt?!

Rechts von mir sitzen eine fruchtessende Frau und ein leidend blickender Look-A-Like-Philosoph. Auch sie stieren an die Wand, reden aber dabei nebeneinander, so laut und überzeugt, dass ich mithören muss.

Sie spricht von dem seelisch, er abwechselnd von dem geistig und dem geistlich entwurzelten Menschen.

Er: Der Mensch sollte sich selbst immer als ein Experiment der Natur betrachten.

Sie: Jäten ist Zensur an der Natur.

Er: Der Poet versteht die Natur besser als der wissenschaftliche Kopf.

Sie: Die Natur hasst die Vernunft.

Er: Die Natur kennt keine Probleme, nur Lösungen.

Sie: Mit den ersten Bäumen, die gefällt werden, beginnt die Kultur. Mit den letzten Bäumen, die gefällt werden, endet sie.

Er: Früher hatte der Mensch Angst vor der Zukunft, heute muss die Zukunft Angst vor dem Menschen haben.

Sie: Ja, die Romantik, darum beneidet uns die ganze Welt.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles verstehe.

Der Hund ist uns im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde! sagt sie. – Diese treulose Tomate, sage ich mitfühlend. Ein Freund von Ihnen, der sie enttäuscht hat? Gut, dass Sie den Hund haben!

Warum gucken die mich jetzt so pikiert an?

Wie bitte?! Was für ein Hund?!! Ich habe nur eine Katze!!!

Verstehe, aber Sie hätten viel lieber einen Hund wegen der Treue? Katzen sind ja so egozentrisch.

Jetzt guckt sie richtig empört.

Ich kann mit Ihnen nicht kommunizieren!!!

Zum Philosophen, mit gequältem Blick:

Komm, wir gehen!

Prima, sagt der, sein Leiden scheint für den Moment beendet, zu mir oder zu dir?

Eine Bahn kommt. Sie steigen ein.

Aber die nächste ist meine, nehme ich mir vor.

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"DieTreue des Hundes ist ein Gesicht, die Treue des Menschen eine Maske."

"Der Mensch ist gut, nur die Leute sind schlecht!"


15:27 21.06.2010
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Geschrieben von

goedzak

I'm a-leaving' tomorrow, but I could leave today. (Bob Dylan)
goedzak

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