Rassismus - und wie er wirkt (von Rahab)

Rassismus Analyse eines Blog-Beitrags
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der folgende Text stammt von Rahab. Ich stelle ihn aus zwei Gründen ein:

1. weil Rahab das nicht mehr selbst tun kann,

2. weil ich die Form des Blogtextes für geeigneter halte, zu zeigen, was mit diesem Text gezeigt werden soll, als Kommentarschlachten mit argumentationsresistenten Akteuren, die 'Meinungen' vertreten, deren rassistischer Gehalt im folgenden offen gelegt wird.

Rassismus – und wie er wirkt

Was ist passiert in dem blog/thread

www.freitag.de/community/blogs/muhabbetci/eine-minute-herr-innenminister?

Eigentlich ganz einfach zu sehen, dachte ich. Offensichtlich aber doch nicht, denn sonst würde nicht eine solche vermutung geäußert wie die, ich wolle von nun an derFreitag als rassistisch anprangern.

Deshalb erst mal vorausgeschickt: Nein, das will ich nicht. Denn ich halte derFreitag bzw. dessen FC bzw. die moderation derselben nicht für rassistisch. Ich meine nur, dass es in der FC und deren moderation ein problem im umgang mit rassismus/rassistischen artikeln und kommentaren zu konstatieren gilt.

Aber vielleicht er-kläre ich erst mal, was rassismus macht.

Als ausgangspunkt nehme ich immer wieder gern die kurz-definition aus dem munde Heiner Bielefeldts, die ich mal in einer vortragsreihe des Deutsches Institut für Menschenrechte

www.institut-fuer-menschenrechte.de/

mitgeschrieben habe. Nämlich: rassismus ist

„kategorisierung von menschen aufgrund von herkunft in primordialisierender tendenz und mit diskriminierender wirkung“

Oder auch in meinen worten

„rassismus ist ideologie, die sich biologisch begründet scheinender kriterien bedient, um einen herrschaftsanspruch zu legitimieren.“

Andere definitionen lassen sich hier nachlesen

www.humanrights.ch/de/Themendossiers/Rassismus/Begriff/index.html

und natürlich auch bei wikipedia

de.wikipedia.org/wiki/Rassismus

woher ja auch die von D.v.W. eingebrachte definition von Memmi stammt

de.wikipedia.org/wiki/Rassismus#Rassismusdefinition_nach_Albert_Memmi

aus der ich eines besonders hervorheben möchte:

Der Rassismus liegt nicht in der Feststellung eines Unterschieds, sondern in dessen Verwendung gegen einen anderen

Von Etienne Balibar nehme ich gern noch hinzu

„„dass es nicht «einen» invarianten Rassismus, sondern «mehrere» Rassismen gibt, die ein ganzes situationsabhängiges Spektrum bilden [..] Eine bestimmte rassistische Konfiguration hat keine festen Grenzen, sie ist ein Moment einer Entwicklung, dass je nach seinen eigenen latenten Möglichkeiten, aber auch nach den historischen Umständen und den Kräfteverhältnissen in den Gesellschaftsformationen einen anderen Platz im Spektrum möglicher Rassismen einnehmen kann.

Dieses auf den in rede stehenden blog-artikel und einige der kommentare angewandt, bringt folgendes zutage:

Der allererste kommentar bestreitet dem blog-autor das recht, den artikel einzustellen:

„Was wollen Sie denn schon wieder mit diesem Blog zum Ausdruck bringen?
Mit der Koranunterweisung hats nicht geklappt, jetzt folgt die Unterweisung in türkischer Political Correctness?“

Und bezieht sich dabei auf zwei dem blog-autor zugeschriebene merkmale: 1. koranunterweisung -> muslim und 2. türkisch. Der inhalt des artikel interessiert überhaupt nicht, ja, der kommentator hat sich womöglich nicht mal die mühe des lesens gemacht, sondern fragt gleich: was willst du türkischer muslim damit erreichen?

Mann kann dies auch so lesen: du türkischer muslim hast mir nichts zu sagen!

Oder, da ja nach dem gefragt wird, scheinbar, was erreicht werden soll, und zudem auf eine unterweisung angespielt wird: du türkischer muslim hast mich nicht zu unterweisen!

In unterweisen steckt ein über-unter-ordnungsverhältnis (nicht zwangsläufig, aber es klingt an), weshalb dieser kommentar letztlich auch so gelesen werden kann: ich lasse nicht zu, dass du mich unter türken und islam unterwerfen willst. – wogegen erst mal nichts zu sagen wäre, wenn da nicht dieser *ton* wäre, dieses: du türkischer muslim willst mir politik beibringen?

Ein mehr oder weniger harmloses geplänkel wäre dies vielleicht, wäre der kommentator ebenfalls türke oder muslim oder einfach auch nur eines von den kleinen grünen männchen

www.amazon.de/kleinen-gr%C3%BCnen-M%C3%A4nnchen-Begegnungen-sexten/dp/3806730156

– aber der kommentator ist einer, der nach weiterem hin- und her den blogautor mit diesem artikel

www.freitag.de/community/blogs/kunibert-hurtig/political-correctness-und-verwandtenhochzeit

streng wissenschaftlich vielleicht nicht des platzes, aber zumindest doch auf einen der unteren plätze verwiesen hat. Denn nach diesem artikel steht unausgesprochen im raum, dass vielleicht nicht jeder türke, aber wie kann mann das schon so genau wissen?! – also im zweifel eben doch jeder türke ein produkt jahrhundertelangen inzests ist: und der führt bekanntlich nicht nur zu körperlichen mißbildungen sondern auch zu schwachsinn und anderen geistigen wie psychischen defekten.

Womit nicht nur der blogautor ‚erlegt‘ war, sondern der außenminister der Türkei gleich mit. Das, was der dem innenminister der BRD zu „rassismus und islamischem terror“ zu sagen hatte, war mit genau demselben makel behaftet wie der blogautor: es war türkisch. Und dazu noch von einem angehörigen der derzeitigen ‚islamischen‘ regierung gesprochen, also bestenfalls semantik oder rhetorik oder rabulistik, kurzum wortklauberei, und in letzter konsequenz selbst „islamischer terror“.

Um allerdings ganz deutlich zu machen, weshalb der innenminister der BRD im gespräch über den terror des trios dieses NSU wie auch den umgang der ermittelnden behörden mit deren angehörigen „rassismus“ und „islamischen terror“ in einem atemzug nennen darf, wird sofort auch noch die (stand 6.12.2011) letzte „muslimische Bombe“ angeschleppt.

der anschlepper begab sich dann auf wissenschaftliche recherche, allerdings nicht ohne dem blogautor noch mal ganz klar gesagt zu haben, was sache ist – nämlich

„Sie,, Muhabbetci, wollen mit Ihren Einlassungen darüber [nämlich dies: Effektivität des Es trifft immer die Richtigen, getötete Glaubensbrüder sind Märtyrer und die Ungläubigen sowieso des Todes. Das, Muhabbetci, steht im Koran; das, Muhabbetci, wird allenthalben praktiziert, das, Muhabbetci, sind für mich die Signale, die von einem Islam ausgehen, dessen Protagonisten sich im blutigen Morast ihrer Selbstvergewisserung suhlen.] hinwegtäuschen, in dem Sie DIE Täter unter den Teppich kehren, und natürlich auch die Toten. Aber daraus wird nichts, Muhabbetci, Sie werden hier nicht als Erzieher auftreten.
KUNI“

und RdH übernahm. Wer mag, kann das im detail nachlesen…. Ich finde, es reicht, sich auf diesen einen satz zu konzentrieren:

„Die Unzulässigkeit, diese Morde als politisch motiviert zu verklären, habe ich oben kurz angeführt: im Islam wirkt der Glaube so stark in die Gesellschaft hinein, weil im Koran so viele ausführliche Regeln den Alltag bestimmen, daß eine Trennung von politischer und religiöser Motivation eine Täuschung ist, in die Irre führt.“

Abgesehen davon, dass der halbsatz über die vielen aus dem quor’an in den alltag hineinwirkenden regeln (und auch noch ausführlichen!) sachlich kurz gesagt quatsch ist, haben wir es hier (mal wieder) mit dem zu tun, was in die FC schon einmal als vorwerfbares charakteristikum des muslim eingeführt wurde, nämlich: der vorwurf der taqqiya. Zu deutsch: die verstellen sich alle, die wollen uns ja nur täuschen – und uns letztlich zu ihrem glauben zwingen. Oder umbringen. Oder beides.

Und da wir ja alle wissen, was von religion zu halten ist – nämlich nix! – und von islam – nämlich nix im quadrat! – wissen wir nun alle ganz genau, was vom blogautor (und ‚seinem‘ außenminister) zu halten ist – nämlich nix mit gurnix im quadrat.

Das nun aber nicht, weil er vielleicht irgendeinen blödsinn geschrieben (oder der außenminister gesprochen) hätte – was dazu berechtigen täte zu erklären, dass dies&das aus seiner feder (seinem munde) blödsinn sei. Sondern weil er muslim ist und türke und versucht uns zu unter-weisen. Und RdH gebührt das verdienst, darauf hingewiesen zu haben (so wie Kunibert das dann in seinem streng wissenschaftlichen blog später ausführt), dass der sich doch nur verstellt. Der kann garnicht aufgeklärt und gebildet sein und aus tiefstem herzen morde (oder die verwandtenehe oder den ehrenmord oder oder oder) verabscheuen, denn der ist muslim und seine religion befiehlt im das töten (wahrscheinlich 1x täglich mindestens) und deshalb ist er ein terrorist. Alles andere ist nur semantik und dass muslime eine rasse für sich seien, täte er doch garnicht behaupten – als ob es darum ginge, dass es eine biologisch klar abgrenzbare entität gäbe, welche als muslim bezeichnet werden könnte!

Zu dem, was üblicherweise folgt nachdem die behauptung in den raum geworfen war, mann habe doch nur auf die religiösen strukturen hingewiesen, kam es dann nicht mehr, denn dann kam Kosok.

Weshalb für mich nun die frage, ob bei derFreitag, genauer bei der moderation von dessen FC, rassismus als „Theorie“ und als „Position“ angesehen wird, beantwortet ist mit einem: irgendwie schon.

Rahab

Rahab
20:33 12.12.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

goedzak

Was man für eine politische Meinung hält, ist oft nur eine distinktive Attitüde.
goedzak

Kommentare 23

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