Size matters!

Liebe Gibt es nicht! Das lässt sich ganz einfach beweisen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Was man von der real existierenden Liebe zu halten hat - nämlich gar nichts - kann man nach einigen wenigen Beobachtungen und kurzem Nachdenken unbezweifelbar feststellen.

Doch zunächst eine Klärung. Was meine ich, wenn ich "Liebe" sage? Ganz einfach, ich meine das, was ihr auch meint! So kann es keine Missverständnisse geben, und ihr werdet sofort wissen, wovon die Rede ist, wenn ich das L-Wort benutze! Natürlich ist mir klar, dass ihr zwar wisst, was ihr meint, es aber nicht sagen könntet. Geht mir auch so. Das kann keiner, aber das muss hier auch nicht sein. Hauptsache, ihr seid euch sicher zu wissen, was ich meine, wenn ich „Liebe“ sage.

Okay. Nun ist mir aber auch klar, dass ihr mit meiner Aussage, es sei so rein gar nichts von dieser von uns definitionsfrei gleich verstandenen Liebe zu halten, nicht einverstanden sein werdet. Ihr werdet zwar die einschlägigen Publikationen etwa von Eva Illouz und Christiane Rösinger schätzen, vielleicht sogar gelesen haben, aber ganz bestimmt bestreiten, dass deren Thesen für euren Liebesalltag relevant sind. Und doch haben sie recht. „Liebe wird oft überbewertet!“ behauptet Rösinger und meint eigentlich, sie sei eine Illusion, ohne die Beziehungspraxis weniger frustrierend wäre. Illouz geht noch weiter und erklärt, dass die Liebe eine Form ohne Inhalt sei, jetzt mal sehr, sehr verkürzt gesagt.

Die Beweisführung ist kompliziert, wird in Buchlänge ausgeführt und man muss sich ziemlich konzentrieren, um was zu verstehen. Ich dagegen kann euch hier einen superknappen und sofort einleuchtenden Beweis für die selbe These bieten!

Schaut euch doch mal einen Tag lang um, registriert alle Paare, die euch begegnen. Denkt fünf Minuten an alle Paare, die Ihr kennt oder gekannt habt. Fällt euch was auf? Gibt es eine Gemeinsamkeit, die bei allen, ich betone, allen diesen Paaren festzustellen ist? - Ach so, nein, dass sie alle heterosexuell sind oder es zumindest vorgeben zu sein, meinte ich jetzt nicht. Das hätte ich natürlich noch sagen müssen, ich in der Heteronormativität befangener Mensch. Also, wenn ich Liebe sage, meine ich die Liebe zwischen zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts. Bei der homosexuellen Liebe, die für Eva Illouz eine Art avantgardistische Bewegung ist, die heute schon im Keim die Liebespraxis der Zukunft vorwegnimmt, liegen die Dinge etwas anders.

Also, ist euch etwas aufgefallen, was allen, aber auch allen Paaren, die ihr kennt oder die euch begegnet sind, gemeinsam ist? Nichts, sagt ihr, nur Unterschiede? Blonde Frauen mit blonden, schwarzen, brünetten, rothaarigen Männern, blonde Männer mit blonden, schwarzen, brünetten, rothaarigen Frauen (...); schlanke Frauen mit schlanken oder dicken Männern, schlanke Männer mit schlanken oder dicken, Pardon, molligen Frauen; hellhäutige Frauen mit hell- oder dunkelhäutigen Männern, hellhäutige Männer mit hell- oder dunkelhäutigen Frauen; kluge Frauen mit klugen oder dummen Männern, kluge Männer mit klugen oder dummen Frauen; schöne Frauen mit schönen oder hässlichen Männern, schöne Männer mit schönen oder hässlichen Frauen; ja, sogar reiche Männer mit reichen oder armen Frauen; reiche Frauen mit reichen oder armen Männern...usw.usf..

Tja, sagt ihr nun, und lehnt euch entspannt zurück, so ist eben die Liebe, sie fällt überall hin, sie überwindet jeden Unterschied.

Jeden Unterschied? Dann sagt mir mal, wie viele heterosexuelle Paare kennt ihr, habt ihr gesehen oder je in eurem Leben getroffen, bei denen der Mann nicht wenigstens eine Kleinigkeit größer ist oder war als seine Partnerin? Eines? Zwei? Drei? Von hunderten! Habe ich recht? Ich habe recht!

Mann oder Frau verlieben sich in blond, klug, stark, reich, lieb, was auch immer, aber sobald blond, klug, stark, reich, lieb ein paar Zentimeter zu klein oder zu groß sind, kommt keine Liebe auf! Ist es so? Es ist so! Kein Mann traut sich, eine größere Frau zu lieben - keine Frau lässt sich herab, einen kleineren Mann zu lieben!!! Damit ist statistisch, also unwiderlegbar bewiesen, dass es für die Liebe kein anderes wesentliches Kriterium als ein Maßverhältnis gibt. Size matters! Was also ist von ihr zu halten? Nichts! Jedenfalls nicht mehr als von einem Maßanzug.

Mir ist vollkommen klar, dass ihr alle, a-l-l-e, jetzt behaupten werdet, dass ich mich irre. Also dann vielleicht doch noch einen Autoritätsbeweis, wenn euch die Ex-Lassie-Singerin Rösinger nicht reicht. „Die Liebe (...) erniedrigt das Hohe und erhöhet das Niedrige (...)“! Das meinte Ludwig Feuerbach so um 1840 und fügte an: „(...) in Liebe, Freude, Schmerz wirft der Mensch die Schranken und Rücksichten weg, die er sonst beobachtet, und enthüllt so sein wahres Wesen.“ Beides ist in den größengenormten Paarungen unserer Zeit leider nicht zu erkennen.

Also, wenn ihr Liebe wollt, die euer wahres Wesen berührt, dann, ihr Frauen, sucht bei den kleinen Männern, und ihr Kerle, traut euch, zu den großen Frauen aufzublicken.

Damit hier auch mal wieder etwas tatsächlich existenziell wichtiges besprochen wird.

13:58 14.02.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

goedzak

Ich beginne wie ein Narr mit Fakten. (Volker Braun)
goedzak

Kommentare 20

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community