Vor und zurück

Thema N° 1 Der Vorhautbeschneidungs-Blog-Hype ist vorüber? Denkste! Einer kommt noch!
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Also, ich, ne, immer mit dem Rad unterwegs, zu Berge, talwärts, über Stock und Stein, Weg und Steg, am Tag und in der Nacht, auf und ab, hin und her, vor und zurück, im Wald und auf der Heide. Die Heide ist harmlos, doch im Wald lauern Gefahren...

Es ist aber nicht nur Angstschweiß, der auf der Haut klebt, wenn man am Abend wieder zu Hause ist. Nein, es ist richtige Im-Schweiße-meines-Angesichts-durchs-Gelände-kurbel-Transpiration. Also hurtig unter die Brause! Wenn das heiße Wasser sprudelt, ist ja auch mal wieder Gelegenheit, einem leider etwas vernachlässigten alten Freund, dem eigenen Körper, zu begegnen. Man hat ihn lange nicht gesehen und grüßt freudig, denkt aber insgeheim, na, der ist aber auch nicht jünger geworden.

Und man entdeckt Dinge, die letztens noch nicht da waren. Zum Beispiel diesen deutlich erhabenen roten Knubbel. Ein seltsames Gewächs, subkutan oder transkutan, so genau kann ich das nicht erkennen, weitsichtig, wie ich inzwischen bin, und ich geh ja nicht mit Lesebrille unter die Dusche. Das manuelle Abtasten ergibt einen unklaren Befund. Wo der Knubbel ist? Na, am Schniedel, und zwar am Schaft. Ob es etwa ein Peniskarzinom ist?

Das Beulchen ist noch klein, aber man weiß ja, wie schnell sowas wächst – falls es kein Mückenstich oder keine Geschlechtskrankheit ist. Während ich mich also in einer gewissen Seelenunruhe abtrockne, nehme ich mir vor, merdeister anzurufen, um ihn zu fragen, für welche Geschlechtskrankheiten solche kleinen rötlichen Beulen ein Symptom sein können.

Vorher aber setze ich mir meine Lesebrille auf, um das factum selbst scharf zu besichtigen. Es befindet sich plötzlich, einen Moment macht mich das stutzig, nicht mehr am Schaft, sondern an der Eichel, was ich mir aber dadurch erkläre, dass die Vorhaut, beim Duschen vorschriftsmäßig zurückgeschoben, beim Abtrocknen wieder vorgerutscht ist.

Und plötzlich offenbart sich mir der wahre Charakter des Phänomens in aller visuellen Deutlichkeit: In der kleinen rötlichen Beule steckt ein dunkler Corpus, ein Zeckenhintern. Ein winziges, aber durstiges Monster versucht zielstrebig, in die blutvollen tieferen Schichten meiner Körperlichkeit vorzudringen! Ohne zu zögern packe ich das Hinterteil des Ungeheuers, ziehe es aus mir heraus, renne nackt und bloß, das Tier zwischen Daumen und Zeigefinger haltend, ins Arbeitszimmer, um es unter einer Lupe zu besichtigen.

Das putzige Wesen rudert desorientiert mit den Ärmchen, Fühlern oder Bohrwerkzeugen. Ich aber empfinde Erleichterung, Schadenfreude und Triumphgefühle. Außerdem bin ich heilfroh, dass sich der Blutsauger nicht direkt in die Schwellkörper dieses meines wertvollen Stücks bohren konnte, weil nämlich die Haut da-vor war!

Ihr könnt euch also denken, welche Position ich in der Frage Vorhaut wegschneiden – Ja oder Nein? einnehme.

16:11 29.07.2012
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Geschrieben von

goedzak

Ich beginne wie ein Narr mit Fakten. (Volker Braun)
goedzak

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