Steuervermeidung vom Menü nehmen

McDonald’s Wollen Sie Ihren Profit hier oder zum Mitnehmen? Wie der zweitgrößte Arbeitgeber der Welt Steuern vermeidet
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Steuervermeidung vom Menü nehmen
Am 18 März 2014 demonstrieren Aktivisten in New York gegen die Lohnpolitik von McDonald´s

Foto: Andrew Burton/Getty Images

McDonald’s steckt in ernsten Schwierigkeiten. Die Umsätze der Fastfood-Kette gehen zurück, weil die Kunden frischeres und gesünderes Essen wollen. Ein Lebensmittelskandal in China hat für schmerzhafte Umsatzeinbrüche in Asien gesorgt. Und auch im amerikanischen Heimatmarkt leidet das Image von McDonald’s: Mitarbeiter und Zivilgesellschaft kritisieren, dass die Konzernzentrale Milliarden US-Dollar aus dem Unternehmen abzieht anstatt in bessere Arbeitsbedingungen in den Restaurants zu investieren. Auch in Europa haben Tausende Mitarbeiter Null-Stunden-Verträge, die ihnen weder ein geregeltes Einkommen noch feste Arbeitszeiten zusichern. In wichtigen Märkten wie Brasilien steht McDonald’s darum wegen Sozialdumpings vor Gericht. Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden.

In Europa, dem wichtigsten Markt von McDonald’s, leiden viele Menschen immer noch unter der Wirtschaftskrise. Umsatz und Kundenzahlen von McDonald’s sind deshalb 2014 weiter gesunken. Der Profit des Burgerbraters bleibt jedoch gewaltig, nicht zuletzt weil der Konzern keine Mühen scheut, seine Steuerlast so gering wie möglich zu halten.

„Wollen Sie Ihren Profit hier oder zum Mitnehmen?“, scheinen sich die Manager in den obersten Etagen von McDonald’s zu fragen. Eine neue Studie von europäischen und US-amerikanischen Gewerkschaften sowie der Aktionsgruppe War on Want liefert Belege für die aggressive und missbräuchliche Steuerplanung von McDonald’s. Diese könnte den europäischen Fiskus zwischen 2009 und 2013 um mehr als € 1 Milliarde Steuereinnahmen gebracht haben.

Ein wichtiger Teil des konzerneigenen „Happy Meals“ soll die Entscheidung gewesen sein, die Europazentrale von Großbritannien in die Schweiz zu verlegen und Lizenzgebühren in Höhe von mehreren Milliarden Euro in ein kleines Unternehmen in Luxemburg umzuleiten. Dieses kleine Unternehmen soll mit seinen gerade einmal 13 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro verbucht haben, auf den es nach eigenen Angaben lediglich 16 Millionen Euro Steuern zahlte.

Ob McDonald’s sich nach Recht und Gesetze verhält und darüber hinaus auch seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt, kümmert nicht nur eine Handvoll „Romantiker“. Dafür ist McDonald’s schlicht zu groß. 2013 setzte McDonald’s in Europa mehr als 20 Milliarden Euro um. Und mit insgesamt 1,9 Millionen Mitarbeitern ist McDonald’s der zweitgrößte Arbeitsgeber der Welt.

Seit Steve Easterbrook am 1. März 2015 den Posten als neuer CEO von McDonald’s angetreten hat, drängen die Teilhaber den Konzern, eine Lösung für die vielen unternehmerischen Herausforderungen zu finden. Aber Entscheidungen über neue Gerichte auf der Speisekarte oder schillernde Werbekampagnen sollten zunächst hintenangestellt werden. Statt dessen sollten die aktuellen Hinweise auf Profitmaximierung und Steuerminimierung in der Chefetage von McDonald’s eine Debatte darüber auslösen, wofür das Unternehmen stehen will und wie es seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen möchte.

In den USA versuchte McDonald’s zuletzt, Rufe nach gerechteren Gehältern mit einer Werbekampagne zu übertünchen, in der Kunden mit Selfies, Umarmungen oder high-fives ihre „Liebe“ für McDonald’s ausdrücken. In Europa waren größere Anstrengungen notwendig, um das Stigma der „McJob“-Kultur abzuschütteln. Jetzt muss das Unternehmen dringend die schmierigen Steuerdeals vom Menü nehmen. Nur so kann uns McDonald’s zeigen, dass es unsere Liebe auch erwidert.

Jan Willem Goudriaan ist EGÖD-Generalsekretär, John Hilary Direktor der Aktionsgruppe War on Want

09:22 12.03.2015
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Jan W. Goudriaan, John Hilary

J. W. Goudriaan ist Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsverband für den Öffentlichen Dienst (EGÖD), J. Hilary Direktor von War on Want
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