gozilla
18.05.2017 | 14:17 14

Zum Kotzen! Da wird ein irakischer Flüchtling

von 4 Biodeutschen verprügelt und die SZ stellt diesen skandalösen Vorgang wie eine juristische Quizfrage dar.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied gozilla

So heißt es in der SZ:

"Im Mai 2016 prügelten vier Männer einen irakischen Flüchtling aus dem Netto-Markt und fesselten ihn an einen Baum. Im Internet verbreitete sich ein Video, das das brutale Vorgehen der Männer zeigt. Die Männer nennen das Zivilcourage. Andere im Ort sprechen von Gewalt, die sich nicht rechtfertigen lässt. Wer hat Recht?"

Selbstverständlich können die "Gutmenschen" nie Recht haben (zumindest nicht in Deutschland), sondern die besonders selbstradikalisierten und gewaltbereiten Bürger der rechten Zivilgesellschaft, die mit brutalstmöglicher Zivilcourage für leitkulturelle Ordnung in Arnsdorf gesorgt haben. Irgendwie so hat die rechte Rechtsordnung unter dem Richter die Angelegenheit offenbar eingeordnet und mit richterlichem Gewicht den bundesweiten Befehl erteilt: "Schlagt die Flüchtlinge tot , wenn sie sich an eurem Eigentum vergreifen." Denn die Täter hätten im Falle einer Verurteilung nur mit einem geringen Strafmaß zu rechnen, so wird der Richter in der SZ wiedergegeben.

Und: "Außerdem sei das öffentliche Interesse nicht allzu groß."

Aus diesem Grunde wurde das Gerichtsverfahren eingestellt. Eine Gemeinde, hoffnungslos gespalten

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (14)

Charlie Schulze 18.05.2017 | 18:08

Salut Gozilla,

Bei aller gesunden Empörung ist Ihre Formulierung

"verprügelt und danach im Wald an einem Baum gefesselt (mit Todesfolge)"

eine irreführende Verkürzung:

Die vor Gericht zur Debatte stehende Freiheitsberaubung bezog sich auf die Vorgänge im Mai 2016, als der besagte Iraker von der selbsternannten Bürgerwehr an einen Baum gefesselt wurde. Seine Leiche wurde, laut Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Dresden, fast ein Jahr später im Wald gefunden, als Todeszeitpunkt Januar 2017 ermittelt, als Todesursache "Unterkühlung" angegeben. Von "gefesselt" ist nicht die Rede, sondern im Gegenteil "wurden keine Anzeichen auf eine äußere Gewalteinwirkung festgestellt".

Nicht, dass die von Ihnen kritisierten Sachverhalte (die Geschichte selbst, die Einstellung des Verfahrens, das mangelnde öffentliche Interesse und die SZ-Berichterstattung) deswegen weniger zum Kotzen wären... Da braucht es gar kein unkorrektes Hochjazzen à la "Todesfolge". Meint jedenfalls, mit gutmenschlichen Grüßen xxx Charlie

Hunter S.T. 20.05.2017 | 09:14

Natürlich war das Zivilcourage. Die mutigen Männer haben von den Jedermannsrechten gebrauch gemacht und den Mann festgenommen und anschließend der Polizei übergeben. Korrekt und vorbildlich und völlig unabhängig von der Todesursache. Na ja, typisch postfaktische Gutmenschen - zum Glück bin ich Verschwörungstheoretiker 😉 eh jetzt wieder die obligatorische Nazikeule geschwungen wird, beschäftigen Sie sich bitte mit dem Begriff Nazitheoretiker... 🐨

luddisback 20.05.2017 | 10:41

ich stelle mir arnsdorf als tiefste sächsische provinz vor. jeder kennt jeden. richter, staatsanwalt, bürger und dorftrottel kaufen ihre brötchen im dem supermarkt, vor dem die besorgten den flüchtling gefesselt hatten. und wer auch immer festgestellt hat, dass der flüchtling später ohne fremdeinwirkung verstarb, kauft dort wahrscheinlich auch ein. genauso wie der dorfpolizist. das ist ein geschlossenes system und die nächsthöhere instanz (sachsen) ist genauso geschlossen. einer der besorgten ist oder war cdu-gemeinderat. die bedrohte staatsanwaltschaft stellte diverse ermittlungen im fall ein (http://www.lvz.de/Mitteldeutschland/Polizeiticker-Mitteldeutschland/Fluechtling-festgehalten-Ermittlungen-gegen-Polizeichef-eingestellt). riecht schön bananig, das ganze.