Klima- oder Demographie-Katastrophe?

Bevölkerungsentwicklung Die emotionale Debatte zum Klimawandel, war Anlass die aktuellen Aussagen und Forderungen mit Fakten und gesundem Menschenverstand zu verifizieren.
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Klima- oder Demographie-Katastrophe?

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Ich bin ein 67-jähriger verheirateter Familienvater mit zwei erwachsenen Kindern und vier Enkeln. Von Beruf Elektroingenieur und keiner Partei verpflichtet, habe ich mich schon seit meiner Jugend für Politik interessiert. Die derzeit hoch emotional geführte Debatte zum Klimawandel, habe ich zum Anlass genommen meine Gedanken einmal geordnet zu Papier zu bringen und die aktuellen Aussagen und Forderungen mit Fakten und gesundem Menschenverstand zu verifizieren.

Warum widersprechen sich Befürworter und Gegner von CO2-Massnahmen so vehement?

Es gibt ganz unterschiedliche Beweggründe. Bei meinen vielen Recherchen im Internet bin ich auf zwei Hauptströmungen gestossen.

  • Wissenschaftler, die anderer Meinung sind, als die etablierte Wissenschaft und eine beliebig grosse Gruppe von Followern auf beiden Seiten.
  • Umweltaktivisten, die Veränderungen wollen, stehen der etablierten Politik entgegen, die klare Beweise als Basis für Veränderungen voraussetzt.

In der Wissenschaft stehen sich also unterschiedliche Meinungen gegenüber. Der Machtkampf um den «Goldenen Gral des Klimas», und damit auch um einen Grossteil der Forschungsgelder, wurde schon vor Jahren von den Etablierten gewonnen. Leider nicht nur mit Argumenten, sondern auch mit Diffamierung. Man versucht die Gegner in die Ecke von Verleugnern und Populisten zu stellen. Der Konflikt manifestiert sich vor allem unter den Followern beider Seiten. Sich nicht mit den Argumenten der Gegner zu befassen, kann sich jetzt aber rächen. Widerspruchsfrei sind nämlich auch die Argumente der Gewinner nicht. Schon die einfache Frage «Warum kommt es zu Eiszeiten?», können sie nicht schlüssig und nachvollziehbar erklären. Zu dieser Zeit waren Menschen aber garantiert nicht die Ursache. Warum sind die Mammuts ausgestorben und heute noch so gut erhalten, dass davon ausgegangen werden muss, sie seien in einem Schnellverfahren tiefgefroren worden. Nur gab es damals ein solches Verfahren gar nicht. Auch dafür gibt es keine Antworten. Die wären aber wichtig. Versteht man die historische Klimaentwicklung nur mangelhaft, wird es auch schwierig die zukünftige vorherzusagen.

Die zweite Gruppe von Menschen, die Umweltaktivisten stützen sich vor allem auf die Wissenschaftler. Wie sollten sie auch anders? Mit 17 oder 25 Jahren wäre auch ich nicht in der Lage gewesen fundierte Argumente zu formulieren. In dieser Gruppe befinden sich auch die Grünen und die Linken. Sie beeinflussen die Politik ganz wesentlich. Diese Gruppierung hat aber einen mächtigen Gegner, die Wirtschaft. Diese will kein Geld ausgeben für die Bekämpfung eines Klimawandels, den sie anzweifelt und dessen Bekämpfung sie als nicht sehr erfolgversprechend einstuft.

Zu diesen zwei Gruppen von Kontrahenten kommt jetzt noch die grosse Mehrheit der Bevölkerung. Die beobachtet das Geschehen, und weiss nicht so recht, was sie davon halten soll. Erinnerungen an die 80er Jahre, in denen das Waldsterben Hochkonjunktur hatte, haben die jungen Demonstranten keine mehr, die über 50jährigen ab er schon. Zu dieser Gruppe zähle ich mich auch. Ich würde mir nie anmassen in der Klimafrage ein Urteil zu fällen, aber Zweifel habe ich schon. Zweifel haben sich in meiner langjährigen Berufszeit in Forschung und Entwicklung immer als gutes Korrektiv erwiesen.


Demonstrationen, Notstände und Erfolgsaussichten

Bei technischen Projekten ist es üblich vor Start eine Analyse über die Erfolgsaussichten zu machen, eine Kosten/Nutzen-Analyse. Dass junge Leute etwas fürs Klima und damit für ihre Zukunft unternehmen wollen, ist grundsätzlich positiv. Begründet ist es vor allem darin, dass Wissenschaftler ihnen das Überleben der Menschheit damit erklären. Was die Wissenschaftler ihnen aber nicht erklären, ist der Umstand, dass die Menschheit noch nie – ein solches Projekt erfolgreich umgesetzt hat. Also beschäftigen wir uns erst einmal mit der Frage, ob ein solches Unterfangen überhaupt Erfolg haben kann. Die grösste und für den CO2−Ausstoss wichtigste Gruppe sind hochindustrialisierte Länder wie die USA, Australien, Japan und viele europäische Staaten. Diese Gruppe ist in sich selbst schon sehr uneinig. Die USA stehen aussen vor, in vielen europäischen Staaten werden die Ziele nur zweitrangig verfolgt. In aufstrebenden Volkswirtschaften, wie China, Indien, Russland, Indonesien, Brasilien usw. hat Wirtschaftswachstum und Luftqualitätsverbesserungen in Städten, eine höhere Priorität vor CO2-Reduktion. In Entwicklungsländern, wie in fast allen afrikanischen Staaten, einigen asiatischen Staaten und einigen mittel− und südamerikanischen Staaten haben Infrastrukturprojekte, Bildung und medizinische Versorgung eine viel höhere Priorität. In Anbetracht dieser Ausgangslage, wird die UNO auch auf dem Klimasektor wenig ausrichten können. Das ist die gleiche Organisation, die auch dafür zuständig wäre, Kriege zu verhindern. Die UNO kann aber nicht besser sein als ihre Mitglieder es sind. Es handelt sich hier eben nicht um ein gut sichtbares nationales Thema wie seinerzeit der Bau von Atomkraftwerken. Kaiseraugst zu verhindern war kein Ding der Unmöglichkeit, wie die Geschichte gezeigt hat. Das Klima zu bestimmen ist da aber ein ganz anderes Kaliber und zeigt viel eher die völlige Fehleinschätzung von Wissenschaftlern, Demonstranten und auch einer Vielzahl von Politikern in der Frage ob die Schweiz oder Europa die globale CO2-Emission beeinflussen kann. Die Schweiz wird hier wenig ausrichten, noch nicht einmal Europa kann da viel bewegen. Es trifft hier der englische «Tongue Twister» den Nagel auf den Kopf:

Whether the weather be cold,
Or whether the weather be hot,
We'll weather the weather,
Whatever the weather,
Whether we like it or not!

Erst wenn die Katastrophe für den letzten Mohikaner sichtbar wird, falls sie denn überhaupt eintritt, wird sich daran etwas ändern. Dann soll es laut Wissenschaft aber zu spät sein. Das ist schwer zu ertragen für einige Menschen, aber es gibt eben keine Weltregierung. Der Tod ist auch schwer zu ertragen, und trotzdem tritt er ein, für jeden von uns.

Ersatz von fossilen Ressourcen durch erneuerbare mit Fakten zum Energieverbrauch

80% des Welt-Energieverbrauchs werden mit Öl, Gas und Kohle gedeckt (Angaben aus SES−Energiestiftung Schweiz). Folglich kommen nur 20 % aus erneuerbaren oder CO2-freien Energien wie Wasserkraft, Solarenergie, Windenergie, Geothermik, Gezeitenkraftwerken und Atomkraft. Diese 20% auf 100% zu vergrössern ist ein Jahrhundertprojekt. Das ist ein Faktor fünf! Fünfmal mehr Atomkraft, Wasserkraft, Solarenergie, Windenergie, Geothermik und Gezeitenkraftwerke weltweit als heute! Nicht einmal unsere Urenkel werden das noch erleben. Windenergie und Solarenergie benötigen gigantische Energiespeicher (Stauseen). Wo sollen die gebaut werden? Wollen wir alle Alpentäler mit Wasser füllen? Der Bau einer so gigantischen Menge an Energieanlagen mit Unterhalt und Erneuerung derselben, wird eine so hohe Energieproduktion erfordern, dass der CO2-Gehalt der Erde anstelle zu sinken, sprunghaft weiter ansteigt. Wenn wir die Atomkraft, die kaum mehr durchsetzbar ist, und die Wasserkraft, die schon weitestgehend genützt wird, miteinrechnen, sieht die Bilanz noch schlechter aus. – Kein erfolgversprechendes Konzept!

Elektroauto als Problemlöser Verkehr?

Dass mit fossilen Ressourcen sorgfältig umgegangen wird, ist heute eigentlich selbstverständlich. Nicht jede Entwicklung hält aber was sie verspricht. Ein Elektroauto hat heute einen ökologischen Fussabdruck analog einem Benziner bis zu einer Fahrleistung von etwa 80‘000 Km oder einem Diesel bis zu etwa 110‘000 Km. Erst darüber hinaus wird das Elektroauto ökologischer. Bei grossen Autos (für Elektroautos heisst das grosse Akkus) oder Autos mit wenig Kilometerleistung (unter 50‘000 Km), lohnt sich ein Elektroauto aktuell in der Ökobilanz überhaupt nicht (Quelle: ADAC). Wenn der Strom mix für die Ladung aus teilweise erneuerbaren Quellen stammt (z.B. CH-Strom mix) sieht die Bilanz etwas besser aus. Entscheidend ist eben, ob der Ladestrom erneuerbar erzeugt wurde oder nicht d.h. aus Wasserkraft, Solarenergie oder Windenergie. Abgesehen davon wären wir heute gar nicht in der Lage so viele Akkus herzustellen. Nicht zu reden von der Umweltbelastung, die eine solche Produktion nach sich ziehen würde. – Ein Meilenstein in der Technik, aber kein Meilenstein in der Ökologie, finde ich als Elektroingenieur.

Technische Lösungen haben die Welt noch nie gerettet

Ich bin trotz meines Berufs, oder vielleicht gerade deshalb, kein undifferenzierter Verfechter technischer Lösungen als Allerheilmittel.

Kurzer Rückblick:

  • Industrialisierung => Dampfmaschinen => Massive Abholzung ganzer Wälder, später Kohleabbau mit den heute bekannten Treibhausgasen.
  • Atomkraft => Atombomben, Atomkraftwerke mit teilweise verehrenden Unfällen => unlösbare Endlagerprobleme
  • Flugindustrie => Massentourismus mit riesigem Ausstoss von CO2
  • Automobil => Massenmobilität und Zersiedelung mit gigantischem Ausstoss von CO2
  • Medizinische Fortschritte bei der Kindersterblichkeit und bei der Lebenserwartung => Bevölkerungsexplosion seit etwa 1950. Das könnte für uns noch das Ende bedeuten!
  • Gigantische Entwicklung von Solaranlagen und Windparks => Wir kennen die negativen Auswirkungen noch kaum => riesige Energiespeicher werden aber benötigt, wenn diese Energiegewinnung Sinn machen soll.
  • Gentechnologie => Wir kennen die negativen Auswirkungen noch kaum => Veränderungen die einmal in die Umwelt gelangen sind nicht mehr wieder korrigierbar. Radioaktivität wird irgendwann wieder abgebaut. Gentechnische Veränderungen sind irreversibel.

Soviel zu technischen Lösungen. Die werden auch das CO2-Problem nicht alleine lösen. Die Menschen haben es noch immer fertig gebracht einen technischen Fortschritt mit zwei neuen Problemen zu ergänzen. Beispiel Antibiotika, eine gute Sache, wird heute vor allem in der Tiermast eingesetzt und macht dadurch viele Erreger wieder resistent.

Sparpotential bei fossilen Ressourcen

Gute Ansätze im Bau von isolierten Häusern, bei der Effizienz von Antrieben bei Autos und Flugzeugen und generell bei allen Maschinen und Elektrogeräten sind vorhanden. Das sind alles Weiterentwicklungen, keine technischen Revolutionen. Auf eine technische Revolution zu hoffen, wie z.B. das Herausfiltern von CO2 aus der Luft und in Felskavernen zu verstauen, ist derzeit keine realistische Option. All diese Einsparungen werden aber zunichte gemacht durch weiteres Bevölkerungswachstum. Es braucht nachhaltigere Beiträge.

Demographie und Bevölkerungsentwicklung

Der nachhaltigste Beitrag wäre weniger Konsumenten, d.h. weniger Kinder. Das war sogar im Schweizer Fernsehen zu sehen und zwar genau mit dieser Gewichtung! Die Erkenntnis ist also bereits da, weshalb dann die Hemmungen sie umzusetzen? Wie so oft in der Welt der grossen Würfe, die in Politik und Wissenschaft so beliebt sind, gehen nahliegende Lösungen oft unter. Oder sie werden wegen mangelnder Zivilcourage verdrängt. Kein Politiker oder Wissenschaftler will sich doch die Finger verbrennen an einem so brisanten Thema wie Demographie oder Bevölkerungsentwicklung. Solange aber kein Wissenschaftler und kein Politiker dieses Problem adressieren will, ist doch die ganze CO2-Debatte nur Geschwätz!

Vor ein paar Jahren war es modern «Etwas anzudenken». Das wurde in den letzten Jahren vorwiegend gemacht. Jetzt wird es aber Zeit «Etwas fertig zu denken». Das dürfte schnell zur Erkenntnis führen: Ohne Bevölkerungsreduktion geht es nicht! Man bedenke, in 50 Jahren könnten wir die Menschheit praktisch zum Aussterben bringen, wenn wir keinen Nachwuchs mehr zeugen. Ein sehr reaktionsschnelles System also, jedenfalls viel schneller als die Reduktion von CO2 durch Ersatz fossiler Energieträger. So löst auch die Natur Überpopulationen in der Tierwelt.

Und hier komme ich jetzt zurück zu den Demonstrationen von SchülerInnen und StudentInnen.

Es liegt in eurer Hand das Bevölkerungswachstum zu beeinflussen. Mit keinem, einem oder maximal zwei Kindern könnt ihr den signifikantesten Beitrag zum CO2 selber entscheiden. Niemand kann euch dreinreden. Wir Alten können zur Bevölkerungsentwicklung nichts mehr beitragen, unsere «Klima−Sündenfälle» liegen alle schon Jahrzehnte zurück. Ihr müsst euch bewusst sein: Halbe Bevölkerung heiss auch halbe CO2-Emission.

Alle anderen Beiträge braucht es natürlich auch, aber die sind nur in moderaten Dosen verträglich, sonst wird das Klima durch den Bau von zu vielen Energieanlagen noch weiter zerstört oder wir verlieren alle unseren Job, weil es keine Flugzeuge und keine Autos und keine Lastwagen mehr gibt.

Die Köpfe der Politiker und Wirtschaftsführer sind seit Jahrzehnten auf Wachstum ausgerichtet, sie müssen zuerst umdenken. Die heute vorhersehbaren Probleme haben nicht nur mit CO2 zu tun, sondern auch mit anderen irreparablen Umweltschäden und absehbaren Auseinandersetzungen um Ressourcen wie Wasser, Nahrungsmittel und Arbeit. Um das zu vermeiden ist eine rasche Stabilisierung der Weltbevölkerung unabdingbar, die dann in Folge in einen massvollen Rückgang übergehen muss. In China wurde das erfolgreich gemacht.

Viele haben Angst vor diesem Szenario. Schauen wir nach Japan, da läuft das bereits und ein Ende ist nicht absehbarer. Die Geburtenrate liegt dort bei 1.44 und eine Einwanderung gibt es kaum. Das heisst die japanische Bevölkerung wird von heute 126 Mio. bis ins Jahr 2040 auf 111 Mio. und bis ins Jahr 2050 auf 102 Mio. sinken (Quelle: Wikipedia). Dieser Bevölkerungsrückgang ist auch dringend nötig. Die ganze Westküste von Tokyo bis Osaka ist heute überbaut zu einer einzigen Stadt von 500km Länge.

In Europa liegt die Geburtenrate im Durchschnitt nicht viel höher, aber hier gibt eine hohe Einwanderung mit allen uns bereits bekannten Folgen.

Sie glauben die Schweiz sei davon nicht betroffen? Die UNO−Bevölkerungsprognose sieht für drei hochindustrialisierte Länder ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum:

Israel, die Schweiz und die USA.

Wenn die Schweiz in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts die 11−Millionengrenze überschreitet, können wir aufhören über CO2−Reduktion und Umweltschutz zu reden. Dann wird auch bei uns eine Stadt von St. Gallen bis Genf Realität werden. Hier muss die Politik korrigierend eingreifen. Mit dieser Steilvorlage der UNO sollte das auch der EU vermittelbar sein.

Ganz anders in Afrika z.B. in Ägypten. Ich war dort 1972. Das Land hatte damals etwa 36 Mio. Einwohner. Letztes Jahr war ich wieder dort. Heute hat Ägypten über 100 Mio. Einwohner, die Geburtenrate liegt immer noch bei 3.27, das Land ist am Verarmen, den Leuten bleibt bald nur noch die Flucht (Quelle: Wikipedia). Es gibt in Afrika 22 zum Teil sehr bevölkerungsreiche Länder wie Kongo, Nigeria oder Tansania mit Geburtenraten über fünf, das heisst im Durchschnitt hat jede Frau fünf Kinder. Die meisten dieser Länder sind sehr arm und haben eigentlich keine Chance diese Misere aus eigener Kraft zu bewältigen. Das Bevölkerungswachstum macht alle Anstrengungen zunichte. Diese Meinung teilt auch die UNO.

Eine abnehmende Bevölkerung bringt ja auch neue Perspektiven: Es hat plötzlich wieder genügend Immobilien, die Preise sinken. Es gibt wieder Platz für Natur, Es gibt weniger Stress im Verkehr, es braucht keine neuen Strassen, die Zersiedelung wird gestoppt, usw.

Quellen

Die Quellangaben beziehen sich auf Zahlen im vorangegangenen Abschnitt.

Wahrheit oder Lüge?

Das Gezerre um die Frage, ob Klimaänderungen menschgemacht oder natürlich seien, ist unnötig, solange nachvollziehbare Fakten die Basis für Entscheidungen bilden. Es geht dabei eben nicht um die Frage ob es wärmer wird und ob wir Menschen das zu verantworten haben.

Nachvollziehbare Fakten für alle

  • Die Weltbevölkerung ist seit ca. 1950 aus dem Ruder gelaufen. (siehe Grafiken)
  • Die fossilen Ressourcen der Erde sind endlich. Einsparungen sind unabdingbar.

Eine angemessene Reaktion auf die beiden vorstehenden Probleme ist in jedem Fall notwendig. Wenn sich die Menschheit auf diese zwei Problemlösungen konzentriert, ist auch dem Klima geholfen.

Ein realistisches Szenario

  1. Politik und Entwicklungshilfe fokussiert auf Demographie und Bevölkerungswachstum. Die Zielvorgabe von 9 Milliarden Menschen muss durch Lenkungsanreize und/oder Lenkungsabgaben durchgesetzt werden. Für Lenkungsanreize müssen alle Länder ihre Ausgabenbudgets anpassen und zwar proportional zum Verbrauch fossiler Energieträger. Das heisst je grösser der Verbrauch an fossiler Energie desto grösser der Beitrag an die Demographie-Kasse. Länder ohne finanzstarke Wirtschaft können sonst ihr Demographie−Ziel nie erreichen. Es sind aber wirkungsvolle Kontrollen einzubauen.
  2. Eine weitere Zunahme des Verbrauchs von Energie muss durch Lenkungsanreize und/oder Lenkungsabgaben kurzfristig verhindert werden. Hier bieten sich beispielsweise Lenkungsabgaben auf alle Energiearten an, die nicht durch private Investitionen zum Eigenverbrauch erzeugt wurden. Im Gegenzug können erwünschte Umrüstungen wie z.B. Wärmepumpen oder andere energiesparende Massnamen vergünstigt werden. Es macht keinen Sinn erneuerbare Energie hier zu bevorzugen, wenn das Ziel Energie einzusparen und nicht nur eine Verlagerung erreicht werden soll. Verfehlen Länder ihr Ziel, erhöht sich ihr Beitrag an die Demographie−Kasse um diesen Betrag.
  3. Die Reduktion des Verbrauchs fossiler Energieträger wird an die Bereitstellung erneuerbarer Energiequellen gekoppelt, d.h. zusätzliche erneuerbare Energiequellen sind zwingend zu 50 oder mehr Prozent in eine Reduktion von fossilen Energieträgern zu investieren. Ziel dieses langfristigen Umbaus ist der vollständige Ersatz fossiler Energie mit erneuerbarer. Das dauert aber bei der heutigen Bevölkerung mehrere 100 Jahre.
  4. Atomkraftwerke sollen bis an ihr technisches Lebensende weiterbetrieben werden, aber nachher durch erneuerbare Quellen ersetzt werden. Das Risiko weiterer Katastrophen wäre mit einem massiven Ausbau zusätzlicher Anlagen nicht tragbar. Der Ersatz von den vier Schweizer Atomkraftwerken durch erneuerbare Energieträger, wird voraussichtlich für dieses Jahrhundert das herausforderndste Ziel darstellen.

Kommentar zu diesem Szenario

Technisch könnte das funktionieren. Politisch umsetzbar ist das derzeit nicht. Deshalb sollen sich die Politiker zum jetzigen Zeitpunkt vor allem um die Demographie kümmern. Das Demographie−Problem führt unabhängig vom Klima zu grossen Verwerfungen und braucht unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Dabei muss allen klar sein: Das kostet viel Geld. Aber der Bau von Mauern, Zäunen und Grenzkontrollen oder gar Kriegen kostet auch viel Geld.

Die Verantwortung hier aber einseitig in Afrika zu suchen, greift zu kurz. Vor 100 Jahren und früher war die Situation in Europa sehr ähnlich. Grossfamilien mit 10 und mehr Kindern dominierten die Gesellschaft. Gute medizinische Versorgung und später Wohlstand und Aufklärung halfen uns die Bevölkerung auf hohem Niveau zu stabilisieren. Als Hauptnutzer von fossilen Energieträgern sind jetzt vor allem die industrialisierten Länder in der Pflicht zu sparen und durch erneuerbare zu ersetzen.

Um es auf eine kurze Formel zu bringen:

  • Wenig industrialisierte Länder leisten ihren Beitrag durch kleinere Geburtenraten
  • Hoch industrialisierte Länder leisten ihren Beitrag durch Einsparung und Ersatz fossiler Energie

Dieser Artikel mit integrierten Grafiken ist zu finden auf:

https://green628.wixsite.com/website/start/klima-oder-demographie-katastrophe

12:22 03.12.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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