Philipp Greifenstein

freier Journalist und Referent, Twitter: @rockToamna, Redakteur des Magazins für Kirche, Politik und Kultur "Die Eule"
Philipp Greifenstein
RE: Die Pflicht ruft | 03.12.2017 | 17:42

Genau um das "Zentrums-Image" Gaulands geht es mir in meinem Artikel. Das ist nämlich vor allem deshalb wirksam, weil es auch außerhalb der Partei gepflegt wird. Nicht unbedingt aus Sympathie, sondern im Falle der ewigen Wiederkehr von Krawatte und Sakko einfach aus Faulheit. Da werden von Beobachtern und Journalisten gleichermaßen lieber die schon ausgetretenen Pfade der Politiker-Charakterisierung bewandert. Irgendwann verfängt so etwas.(Ein anderes Beispiel wäre der "kluge" Christian Lindner. Vor der Bundestagswahl und während der Sondierungen enthielt fast jeder Artikel über Lindner den Hinweis auf seine ungemeine Klugheit. Manchmal auch nur beiläufig und ohne sichtbaren Zusammenhang mit dem Berichtsgegenstand. Das hat sich erst nach dem Scheitern der Sondierungen geändert. Insofern, als dass er als totaler Trottel und machtgeiler Blender hingestellt wird. Von einem Extrem ins andere. Solange sich Politiker-Charakterisierung nur einigen wenigen, stanzenhaften Adjektiven bedienen, ist das leider so.)Noch einmal mit Bezug zu ihrem Kommentar: Gauland hat nicht deshalb kandidiert, damit die Gräben nicht aufklaffen. Er ist selbst jenseits des Grabens. Rechts davon.

RE: Regierung als Wille und Vorstellung | 22.11.2017 | 11:17

Na ja, gleich mit der Unanständigkeit um die Ecke zu kommen, ist dann vielleicht auch etwas harrsch, oder?Ich habe großen Respekt vor der von Bodo Ramelow geführten thüringischen Landesregierung, die sich in vielen Fragen so verhält, wie ich es von einem Linksbündnis, eigentlich einer sozialdemokratischen Regierung erwarte. Übrigens auch nicht zum Schaden des Landes: Ich bezweifle, dass sie in Thüringen in der Breite der Bevölkerung jemanden finden werden, der überhaupt etwas am Regierungshandeln der Koalition auszusetzen hat (mal abgesehen vom Ärger um die Kreisreform).Gerade deshalb ist es ja so ärgerlich, dass sich die LINKE im Bundestagswahlkampf statt auf FDP, AfD und CDU in verhängnisvoller Weise wieder auf die SPD eingeschossen hat. Dass sie sich nach der Wahl fast zerlegt, sich jedenfalls als regierungsuntauglich erweist, steht auf einem anderen, nicht weniger wichtigen Blatt. Solange die LINKE in der SPD ihren Hauptfeind sieht, sehen die Aussichten für eine Rot-Rot-Grüne Regierung mau aus. Als Machtperspektive hat sie vor der Wahl Frau Wagenknecht abgeräumt. Eine Regierungsbeteiligung der LINKEN außerhalb dieses Bündnisses ist nicht möglich.

Also, solange Frau Wagenknecht & Co. im Bund den Ton angeben, gehört die Fundamentalopposition zum Markenkern der Bundespartei.