GrünDonnerstag

Dem Vortrefflichen gegenüber gibt es keine Freiheit, als Liebe.
Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Digitaler Homo Faber | 29.07.2010 | 14:49

Ich denke, man muss hier sehr differenziert herangehen.
Der Filmer und der, der es schaut bedienen sicher gegenteilige, zumindest aber unterschiedliche Bedürfnisse.
Was jemanden dazu bewegt, Dinge aufnehmen, d.h. konservieren zu wollen, kann jemand, der sich nicht in der exakt gleichen Situatiion befand/befindet, nur ahnen, daher sind auch meine Annahmen rein spekulativ. Ich glaube aber, dass es sehr stark darum geht, das Gefühl des Extremen zu bewahren, als quasi autokatartischen Ritus - dass der Fotograf es des Geldes wegen tut, mag richtig sein, doch hat er ja vielleicht aus anderen Motiven angefangen, als er es denn jetzt tut.
Es kann aber auch um den bloßen Willen zu Ruhm, Aufmerksamkeit, etc. gehen.

Bei dem Zuschauer scheint mir das Motiv recht eindeutig: Man möchte dabeisein, sicher nicht bei der Katastrophe, aber doch beim Diskurs.
So ist es doch bei allen möglichen Dingen, die in digitaler Form im Netz kursieren und auf die sich dann soziale Bindungs- und Distinktionsmethodik projiziert.

RE: Frühling für Hitler – zum wievielten Mal eigentlich? | 27.07.2010 | 12:17

ist die Faszination vielleicht Ausdruck zweier Kulturphänomene?
1. Eventuell hat man ja auf der Halbinsel ein Bild von Hitler, dass er Deutschland ja wieder groß gemacht hat von 1933 bis 1942 (sicher aber bis 1939). Dass das nur mit sündhafter Verschuldung möglich war und Hitler ja einen unermesslichen Genozid zu verantworten hat, wird dabei - das ist richtig vermerkt - ausgeblendet.
2. Unter Hitler ging alles schnell. Indien fühlt sich vielleicht immer noch historisch kastriert und möchte nun möglichst schnell aufholen.

RE: BILD: Eine neue Partei »rechts von der Union«? | 25.07.2010 | 21:43

"ansonsten Springer nämlich ganz schnell die zwischen den Zeilen nur mühsam verborgene Drohung umsetzt, eben diese neue Partei zu Lasten der Union ins Parlament zu schreiben. "

Dann bliebe noch die Frage, ob der herbeigedichtete Teil der stramm marschierenden CSU-Monarchisten und weltfremden Turbokapitalisten tatsächlich so dumm wäre, eine reine Protestpartei ins Parlament auch zu wählen.
Falls das Weißbier kühl bleibt und das Geld sich munter vermehrt, stehen die Chancen ja gut!

RE: Der Kampf der Herkunftseliten | 22.07.2010 | 17:35

Zeit, einen Schritt darauf zuzugehen.
Ich denke, dass staatliche Zwangsinstitutionen, wie die Schule sicherlich große Beiträge, vor allem sozialen Zusammenhalt betreffend leisten können, wiewohl ein Bewusstseinswandel nötig wäre, um o.g. auch zu erreichen und den, das erkennen wir denke ich beide an, ist durch keine Legislatur herbeizureden.

RE: Anspruchslose Grüne | 22.07.2010 | 14:27

Demokratie als zwingender Kampfbegriff.
Wer sich sachlichen, zugegebener Maßen technokratischen Argumenten nicht zugänglich zeigt, dessen durchaus gerechtfertigter Verdruss bleibt im Bierdunst des Stammtischs stecken.

RE: Putsch der Eliten | 21.07.2010 | 19:30

Nicht Nivellierung der geistigen Unterschiede ist das Ziel, sondern, das Ziel auf Sicht ist die Beseitigung der Abhängigkeit sozialer Herkunft von Bildungschancen.
Die gewisse sozialdarwinistische Pointe ist sicherlich da, doch gehören soziale Unterschiede zu jeder Gesellschaft.
Sie sollen nur bitte nicht auf Grund von bedrucktem Papier oder einem großen Netzwerk zu Stande kommen.

Es sei angemerkt, dass das Utopia einer klassenlosen Gesellschaft auch für mich sehr attraktiv ist, es scheitert aber an der Realität.

RE: Anspruchslose Grüne | 21.07.2010 | 17:47

Moorburg war juristisch nicht zu stoppen (damit hätte man daher keinen Wahlkampf machen sollen - ich möchte jetzt nicht hören: "Hätten sie vorher wissen müssen", denn auch Parteien können und dürfen sich irren) und das gemeinsame Lernen bis zur 10 konnte der CDU nicht vermittelt werden. Demokratie heißt zwingend Kompromisse.

Ferner glaube ich kaum, dass viele Grünenwähler gegen die Reform gestimmt haben, sie haben 2008 ja für neun Jahre gemeinsames Lernen gestimmt. Ein konservativer Rollback zur preussischen Ordnung halte ich eher für unwahrscheinlich.

RE: Der Kampf der Herkunftseliten | 21.07.2010 | 17:43

"Toll, aber soll ich denn von einem, der Muellmann werden will, verlangen, Latein zu lernen? Grober Quatsch."

Der Kommentar offenbar ein großes intellektuelles Defizit, dem ich gerne abhelfen möchte.
Eine Selektion mit zehn Jahren entbehrt jeder Rechtfertigung. Mit zehn Jahren weiß der spätere Müllmann oder Dr.med. noch nichts von seinem Glück.
Übrigens, wenn der Müllmann Latein lernen will, dann hat er darauf ein genauso hohes Anrecht wie derjenige, der von den Bildungsonanisten der Oberschicht dahin geprügelt wird.

Leistungsfähigkeit ist ein fließender, schwer zu definierender Begriff, es ist wohl die hehre Absicht, jedes Kind nach seinen Neigungen, möglichst breit zu bilden. Auch und nicht zuletzt sozial.

RE: Putsch der Eliten | 21.07.2010 | 17:39

"Was, bitte, hat es mit Gerechtigkeit zu tun, einem Akademikerkind Anrecht auf mehr Bildung zuzubilligen als einem Arbeiterkind? Alle zehnjährigen Menschen haben das Recht auf gleichen Zugang zu Bildungsgütern – ohne Ansehen ihrer Abstammung. Gegen diesen elementaren Grundsatz verstößt das deutsche Schulsystem. Um das einzusehen, braucht man übri­gens keine Pisastudie zu lesen."

Großartig und längst überfällig! Vielen Dank!

Nun, die Angts der Eliten, dass sich der gewinnbringende status quo, perpetuiert eben durch dieses selektive Schulsystem, aufgebrochen wird offenbart die Motive hinter u.a. "Wir-wollen-lernen".
Vom Teil der wohlhabenden Merheitsgesellschaft durch mehr Konkurrenz in die weniger privilegierten Positionen der sozialen Pyramide abzufallen, ist denke ich ganz wesentlich. Ferner sei anzumerken, dass die Deutschen generell ja nun keine Meister der Reformen sind.

RE: Der Kampf der Herkunftseliten | 20.07.2010 | 15:42

corr.: anzumerken, dass eine so weitreichende...