Grüner Salon

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RE: Es müssen doch glückliche Bewohner sein | 19.12.2012 | 17:53

Auch hier eine erste kurze Rückmeldung - das von mir gebrachte Bild zeigt das ID, in meinem Beitrag als aktueller (2011 bezogener) Neubau erwähnt. Also - "zeitgenössische" Architektur, die übrigen 60er-Jahre-Bauten werden nach und nach diesem Stil angepasst (2020 ist im Moment anvisiert). (Da hilft, man mag mir die Spitze gestatten, ebenfalls Lesen und Schauen - in diesem Fall das Lesen meines Beitrags ;). )

Die angegebene Seite ist mir, das habe ich Herrn Leusch ja schon geschrieben, wohlbekannt. Tatsächlich aber bin ich auf architektonischem Gebiet eher ungebildet, von daher bin ich für - respektvolle - Aufklärung immer dankbar. Mein Interesse an Architektur erwacht leider meist erst dann, wenn ich etwas als ausgesprochen hässlich empfinde und mir dann denke: Wie konnte sowas jemals den Zuschlag bekommen? Diese Frage stelle ich mir seit vielen Jahren bei der RUB (wohl das einzige architektonische Werk, von dem ich einigermaßen Ahnung habe), und diese Frage stelle ich mir nun auch beim mir vorher nicht bekannten und oberflächlich und laienhaft betrachtet recht ähnlichen Niemeyerhaus in Berlin.

Später am Abend hoffentlich noch etwas mehr von mir. Jedenfalls habe ich insofern Verständnis für einige etwas rüde Zurechtweisungen von hier vorgebrachten kritischen Kommentaren, als mir ja aus anderen Bereichen, in denen ich mehr zu Hause bin, das Moderne-Bashing zur Genüge bekannt ist und ich mir teilweise oft nur denke: Reg dich ab, lies ein Buch drüber (oder einen wikipedia-Artikel), dann schaus dir irgendwann noch mal an.

RE: Es müssen doch glückliche Bewohner sein | 19.12.2012 | 17:41

Als erste kurze Rückmeldung. Ich werde vielleicht heute abend oder morgen noch mehr dazu schreiben, für den Moment nur ein großes (ernst gemeintes) Dankeschön und der Hinweis, dass die Farben irgendwann um 1990 dazugekommen sind. Vorher - vor meiner Zeit - wars das hübsche einheitliche RUB-Grau.

Die Seite ist mir durchaus bekannt, ich habe ja auch eins meiner Bilder daher. War auch immer einer der wenigen, der vom Hafenkonzept wusste. Aber genug jetzt, später mehr davon, auch etwas grundsätzlicher.

RE: Es müssen doch glückliche Bewohner sein | 18.12.2012 | 15:31

Nur, damits auch bei der richtigen Adressatin landet, noch mal auf den Punkt gebracht (s. voriger Beitrag):

1.) Die Ruhr-Uni ist in den 60ern gebaut worden.

2.) Optisch tun sich der Niemeyer-Bunker und die RUB-Klötze kaum etwas. Man weihe mich also in die feinen Unterschiede zwischen Moderne und Nichtmoderne ein.

RE: Es müssen doch glückliche Bewohner sein | 18.12.2012 | 13:54

"Die Ruhr- Uni hat mit den ästhetischen Ansprüchen der Moderne wenig zu tun."

Man verzeihe mir meine Unbildung. Mir war nur so, als könnte ich eine gewisse Ähnlichkeit zwischen https://www.hkw.de/media/bilder/2007_1/erinnernsiesich/schimetzek/schimetzek006_niemeyer.jpg und http://img.fotocommunity.com/Motive/Architektur-Bauwesen/Ruhr-Universitaet-Bochum-a20942700.jpg ausmachen. Da muss mein Banausentum mit mir durchgegangen sein. Mag mich noch mal jemand erleuchten, warum das eine der Inbegriff der Moderne ist, während das andere nichts mit ihr zu tun hat?

Btw, die Ruhr-Uni hat mit den 80er Jahren nicht viel am Hut. Gebaut wurden die Hauptgebäude in den 60ern.

RE: Es müssen doch glückliche Bewohner sein | 17.12.2012 | 14:13

Ich habe einige Zeit an der Ruhr-Universität Bochum studiert und kenne daher das Grauen vor dem Betonklotz-Baustil nur zu gut, dem auch dieses Haus zuzurechnen ist. Klar, es steht auf Betonstelzen. Klar, es ist keiner dieser Serienplattenbauten. Klar, es steht in einer Parkumgebung (man könnte natürlich auch schöne Häuser in einer Parkumgebung bauen). Aber es bleibt ein schäbiger Fremdkörper, wie die von Rupert Rauch verlinkten Bilder verdeutlichen.

Bei der Ruhr-Universität nicht anders: Der Campus ist dank Lage am Stadtrand und großzügigem Blick aufs Ruhrtal wunderbar gelegen, ist gut angebunden, die Campusforen, vor allem das Hauptforum, sind schön gestaltet, ebenso die Grünflächen zwischen den Gebäuden. Das Audimax ist ein wunderbares Gebäude, allein die anderen, die Hauptgebäude - oh je. Dass die RUB mal die höchsten Suizidraten aller deutschen Unis verzeichnet haben soll, ist zwar so nicht richtig (es haben einfach viele Leute die hohen und allgemein zugänglichen Hauptgebäude entsprechend genutzt), ist aber intuitiv plausibel, wenn man das erste Mal auf dem Campus steht.

Mittlerweile hat man ja mit lustigen Farben abgeholfen, die von den Architekten natürlich nicht vorgesehen waren. Und im Rahmen der Exzellenzhatz und der Campussanierung wird nun eine Wanderung von Sodom nach Gomorrha (man könnte auch sagen: vom Regen in die Traufe) vorgenommen, indem die alten Gebäude entkernt und mit lustigen modernen Plastik- und Glasfassaden eingekleidet werden. Ein großer Neubau steht schon, das ID - flacher, breiter und irgendwie quadratischer als seine Nachbarn. Einladender? Ehrlich gesagt: Ja, ein bisschen. Schöner? Geht so.

http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/mam/images/id_von_oben.jpeg

http://www.abload.de/img/p1040723uuum.jpg

RE: Am Ende gießt es in Strömen | 13.12.2012 | 20:27

Das wollte ich Ihnen auch nie unterstellen, noch Ihnen daraus einen Vorwurf machen. Sollten sich meine Bemerkungen zu biestig lesen, bitte ich das zu entschuldigen, so waren sie nicht gemeint. Es ist mehr eine Verwunderung darüber, dass Kants Transzendentalphilosophie als Begründung oder immerhin als Absicherung oder Unterfütterung für die Zimmermannsche Kompositionsweise dienen können soll - und meine Bemerkungen waren dann eher Ausdruck eines Stutzens, weil da auf einmal zwei mir einigermaßen bekannte Dinge zusammengebracht worden sind, die ich nie miteinander in Verbindung gebracht hätte, und die ich bis jetzt nicht miteinander in Verbindung bringen kann. Nicht etwa, weil ich einen Widerspruch sähe, sondern weil es schlicht nicht "klick" machen will.

Sagen Sie doch bitte, inwiefern Ihnen die vorgeführte Sicht problematisch erscheint. Dann können wir alle etwas lernen.

Oh weia, das habe ich befürchtet. Aber ich nehme die Herausforderung an. Habe gestern schon etwas in meinem Kant-Bestand geblättert - kann es übrigens sein, dass eins der von Ihnen ausgeliehenen Bücher "Zeitphilosophie und Klanggestalt" von H. Beyer ist? Das läge nämlich auch in der hiesigen Stadtbücherei. Vielleicht mache ich morgen mal einen Abstecher dahin.

Bis dahin nur eine Reformulierung Ihrer Darstellung, damit ich auch weiß, ob ich Sie richtig verstanden habe. Es geht darum, dass Zimmermann, anders als serialistische Zeitgenossen, nicht bloß die Arbeit am kompositorischen Objekt als solches im Blick hatte, sondern immer schon die natürlich beschränkte Aufnahmefähigkeit seines Publikums, und zwar soweit, dass diese vorgestellte Hörerperspektive selbst Teil seines kompositorischen Objektes wurde - während sich etwa die erwähnten Boulez und Stockhausen (wenigstens in Zimmermanns Wahrnehmung) damit begnügten, der Komposition selbst gerecht zu werden, sollten doch die Hörer sehen, wie sie damit zurechtkamen. Kant dient hier nun als Fürsprecher, da er ja schon vor geraumer Zeit darauf aufmerksam gemacht hat, dass wir weder die Dinge einfach wahrnehmen, wie sie sind, noch die an sich mit bestimmten Eigenschaften versehenen Dinge interpretierend zu Eindrücken verarbeiten, sondern unsere eigenen Erkenntnisvermögen immer schon aktiv an der Gestaltung der Weise, wie uns die Dinge erscheinen, beteiligt sind. Daher muss der kantianische Komponist berücksichtigen, dass er nicht einfach ein Ding schafft, das dann der (interpretierenden) Wahrnehmung ausgesetzt ist, sondern dass seine Komposition erst dadurch entsteht, dass sie von ihren Hörern im Erkenntnisprozess aktiv gestaltet wird.

Geht das so ungefähr in die von Ihnen intendierte Richtung?

RE: Am Ende gießt es in Strömen | 11.12.2012 | 17:48

Danke für die schnelle und umfangreiche Antwort, ich habe Sie gestern schon gelesen und bin darüber ins Grübeln gekommen, ob man Kant wirklich in diese Richtung lesen und vor den künstlerischen Karren spannen kann. Na gut - in diese Richtung lesen kann man ihn sicherlich (wie man fast alles in viele erdenkliche Richtungen lesen kann, ohne dass die Lektüreergebnisse einer Überprüfung am Text standhalten müssen), und wenn man dabei für sich und vielleicht auch für andere reichhaltige Erträge erzielt, dann ist das ja völlig legitim. Nur kann ich immer noch nicht die Brücke schlagen von meiner eigenen Kant-Lektüre zum künstlerischen Programm, "die Aufnahmefähigkeit der Hörer zu berücksichtigen". Ich muss vielleicht noch ein wenig weitergrübeln, wollte Sie nur nicht so ganz ohne Antwort hier in der Luft hängen lassen.

Den zweiten Punkt, diese typisch deutsche Komponierweise, finde ich sehr interessant; vielleicht verhält es sich in der neueren Literatur ganz ähnlich? Ich habe den (nur auf einige wenige Anekdoten gegründeten) Eindruck, dass deutsche Autoren stärker als z.B. ihre amerikanischen Kollegen dazu neigen, ihre Texte über sich selbst reflektieren zu lassen. Hoffentlich bald noch einige Gedanken von mir dazu.

RE: Rechtsextreme, die sich links verorten | 11.12.2012 | 12:34

Und ich dachte schon, hier ginge es um Antideutsche. Legt die Überschrift irgendwie nahe.

RE: Am Ende gießt es in Strömen | 10.12.2012 | 09:11

Vielen Dank für die Würdigung Zimmermanns. Ich habe Zimmermann über das hier - http://www.youtube.com/watch?v=JPde80v-af0 - kennen gelernt und finde nach und nach tiefer in sein Werk hinein. Photoptosis lässt mich bis jetzt aber kalt bis ratlos, trotz der guten Besprechung. Die Chance, das mal live zu hören, ist wohl leider eher gering.

Nicht ganz klar wird mir allerdings aus dem Artikel, inwiefern nun Zimmermann ein Anhänger der Kantischen Erkenntnistheorie war und in welcher Form sich das in seinen Arbeiten niedergeschlagen hat.

RE: Hidden Track? | 14.11.2012 | 11:35

"Gewaltverherrlichung und Homophonie"

Hihi. Ja, ist halt Musiker, der gute (?) Xavier. Da kann Homophonie schon mal vorkommen.