Das „Internationale Parlament der Blumen“

Grüne Woche Die Planer der Grünen Woche lassen sich einiges einfallen, um die Messebesucher zu beeindrucken. Zusammenhänge um globale Ungerechtigkeiten werden dabei ausgeblendet.
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So werden im „Internationalen Parlament der Blumen“ herausragende floristische Besonderheiten präsentiert. Palmen, Tulpen, Sukkulenten, Azaleen und weitere Blumen und Zierpflanzen aus aller Welt verwandeln die Blumenhalle in einen Parlamentsaal. „Hier nehmen die jeweiligen „Blumen- und Pflanzennationen“ entsprechend ihrer nationalen Herkunft auf bis zu drei Meter hohen, radial angeordneten Blumenterrassen in Pflanzengemeinschaften ihre Plätze ein.“

Da wundert sich der Laie und der Fachmann staunt. Informationen zu den lokalen Auswirkungen und Arbeitsbedingungen des Blumenanbaus wird man auf der Grünen Woche aber sicher vergeblich suchen.

Die wenigsten Schnittblumen werden in den Ländern angebaut, in denen sie verkauft werden. Die meisten Blumen stammen aus südlichen Ländern (Ostafrika und Südamerika) mit optimalen klimatischen Bedingungen. Kenia und Tansania sind die größten Rosenexporteure. Trotz des aufwendigen Transportes in gekühlten Frachtcontainern per Flugzeug ist der Blumenimport immer noch kostengünstiger als die Produktion in Europa. Das liegt u.a. auch an den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und den oft fehlenden Umweltstandards in den Herkunftsländern.
Die Arbeiter*innen arbeiten oftmals für einen unregelmäßigen Hungerlohn, haben nur Kurzarbeitsverträge ohne Anspruch auf Sozialleistungen und keine festgelegten Arbeits- oder Pausenzeiten. Gesundheitlich werden sie durch den Einsatz von Pestiziden und anderen Chemikalien, die auch zu beträchtlichen Umweltschäden führen, belastet. So weisen fast alle in Europa verkauften Rosen giftige Pestizidrückstände auf . Diese sind jedoch nur für die Arbeiter*innen in den Anbauländern gesundheitsgefährlich – Kopf- und Magenschmerzen, gerötete Augen, Atemprobleme und Allergien bis hin zu Fehlgeburten sind die Folge.

Der Blumenanbau verbraucht viel Wasser. Rosen benötigen 60 m³ sauberes Wasser pro Hektar und Tag – Wasser, das in den tropischen Ländern sinnvoller genutzt werden könnte. Die meisten Rosen aus Kenia werden auf Farmen um den Naivasha-See angebaut. Aufgrund des hohen Wasserverbrauchs für die Schnittblumenindustrie droht der See in Trockenperioden auszutrocknen. Auch wird immer wieder mit Chemikalien belastetes Abwasser ungefiltert in den See geleitet. Das zerstört die lokalen Ökosysteme und somit die Lebensgrundlage der Arbeiter*innen und Kleinbauer*innen (Link).

Globale Ungerechtigkeiten werden auf der Grünen Woche nicht thematisiert. Vielleicht soll ja auch ein „Internationales Parlament der Blumen“ eine Gleichberechtigung der einzelnen Menschen und Nationen suggerieren?

15:36 04.01.2014
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Grüne Woche demaskieren!

Wir organisieren anlässlich der „Grünen Woche" in Berlin Aktionstage um gegen das heutige Landwirtschafts- und Ernährungssystem zu protestieren.
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