Wildbret aus tierschutzgerechter Jagd?

Grüne Woche Auf der Grünen Woche ist traditionell auch der Deutsche Jagdverband vertreten, dessen Mitglieder ihr gewaltvolles Hobby im sanften Naturschutzlicht präsentieren werden.
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Auf der Grünen Woche präsentiert sich traditionell auch der Deutsche Jagdverband. 2014 werden die Jäger*innen in der Halle 26a ein Minibiotop anlegen und dort ein paar süße Wildtiere einsperren. Auf 300 Quadratmeter, der Fläche eines mittleren Biergartens, können Kinder sich z. B. Dachse und Waschbären aus der Nähe anschauen. Die Jäger*innen bekommen dazu die Gelegenheit, ihr gewaltvolles Hobby im sanften Naturschutzlicht zu präsentieren. Und wie so oft auf dieser Messe wird kein Hehl daraus gemacht, dass Faszination und Zerstörung zusammengedacht, dass ein Interesse an Tieren in schönster Harmonie mit dem Verzehr ihrer toten Körper stehen soll. In der Messezeitung heißt es auf S. 21:

Die Jäger zeigen in Halle 26a zudem, wie bunt und vielfältig die heimische Natur ist, was die Jäger zu deren Erhalt beitragen und wie gesund und lecker Wildbret ist. Dass dem Hirschgulasch oder der Wildschweinbratwurst eine tierschutzgerechte Jagd vorausgeht, wie diese in Deutschland ausgeübt wird und welche strengen Vorgaben gelten, erfahren Besucher ebenfalls.

Eine Differenz von Schein und Wirklichkeit besteht hier in mindestens drei Punkten.

1. Jagd und Erhalt der Natur: Seit langem wird die These, dass die Jäger*innen einen Beitrag zum Naturschutz leisten, indem sie z. B. Populationen kontrollieren, scharf kritisiert. Jäger*innen tragen z. B. in vielen Fällen durch gezielte Fütterung von Wildtieren zu deren Vermehrung bei, die sie dann als Problem bezeichnen, zu dessen Lösung sie sich berufen fühlen. Dass der Naturschutz gewöhnlich nicht das Motiv beim Jagen ist, geht aus zahlreichen Insiderberichten hervor. Und ganz allgemein gilt: Die Idee, dass die Natur durch das Verletzen und Töten ihrer fühlenden Bewohner zu schützen sei, ist mindestens paradox.

2. Gesundes Wildbret: Während in manchen anderen Ländern das Jagen mit bleihaltiger Munition verboten ist, darf in Deutschland noch damit auf Rehe und andere Waldbewohner geballert werden. Infolgedessen sind dann auch die aus ihren Körpern hergestellten Waren mit Blei belastet und können so ein Risiko insbesondere für Schwangere und Kleinkinder darstellen.

3. Tierschutzgerechte Jagd und strenge Vorgaben: Zunächst ist festzustellen, dass die Jagd nur deshalb mit dem Tierschutzgesetz übereinstimmen kann, weil für sie Ausnahmen festgelegt sind – dass etwa die Betäubung beim Töten wegfallen darf. Das Tierschutzgesetz selbst ist außerdem bekannt dafür, dass es Tiere vor einer Vielzahl von Grauenhaftigkeiten gerade nicht schützt – es wird zu Recht „Tiernutzgesetz“ genannt. Und die Jagd hat ihre ganz speziellen Grauenhaftigkeiten: Eine liegt darin, dass viele Tiere durch die Jäger*innen nur angeschossen werden und langsam und qualvoll sterben. Ein zweites Beispiel ist die in der Fuchsjagd übliche Praxis, Hunde in die Fuchs-Behausungen zu jagen, wo sie oft stundenlang mit den Füchsen kämpfen, bis diese herauskommen, um dort erschossen zu werden. Mit Tierschutz im Sinne der Vermeidung „unnötigen“ Leidens hat die Jagd daher überhaupt nichts zu tun.

Das Hauptproblem ist freilich nicht, dass die Tiere nicht tierschutzgerecht getötet werden. Jedes Tier, das von einer Jägerin oder einem Jäger erschossen wird, wollte nicht sterben. Jedes dieser Tiere hatte Bewusstsein, Gefühle und ein eigenes Leben, das ihm aus bloßem Spaß am Töten oder falsch verstandenem Naturschutz genommen wurde. Viele dieser Tiere hatten auch Angehörige und Freunde, die um sie trauern.
Jagd ist weder notwendig, noch natürlich, noch gut oder nützlich. Jagd ist die Verletzung und Tötung von Individuen als Sport und Hobby.

20:35 11.01.2014
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