Fatalist und der Arbeitskreis NSU

NSU/NSDAP Seit geraumer Zeit gärt es im Netz. Nun widmet SPON dem Blogger Fatalist, der offensichtlich Ermittlungsakten leakte, gar einen Artikel. Wurden Beweismittel gefälscht?
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Fatalist und der Arbeitskreis NSU

Während im Münchener NSU-Prozess der "Rechtsextremismus auf Staatskosten" (FAZ) durch den unglaubwürdigen Auftritt des "größenwahnsinnigen" (SPON) ehemaligen V-Mannes und NSU-Kumpels Tino Brandt repräsentiert wurde, erhielt der Innenausschuss des Bundestages anlässlich einer Sitzung, die den Tod des ehemaligen BfV-Spitzels, Ku-Klux-Klan/European White Knights-Mitglieds und NSU Kontaktes "Corelli" ( Thomas R.) thematisierte, Post vom sogenannten Arbeitskreis NSU.

SPON berichtete, der Arbeitskreis wolle vermeintliche Belege für den "Verdacht der Beweismittelfälschung" im Münchner NSU-Prozess vorlegen und fordere von den Abgeordneten "politische Stellungnahme und weitere Maßnahmen". Ziel der angeblichen Fälschungen sei die Vertuschung weiterer schwerster Straftaten gewesen. Im Folgenden widmet sich SPON den Mitgliedern "des zu Verschwörungstheorien neigenden Arbeitskreises" insbesondere dem Blogger "Fatalist", der seit Monaten Screenshots und gescannte BKA-Ermittlungsakten zum NSU veröffentlicht.

"Fatalist" veröffentlichte im November 2013 im Forum Politikforen.net Auszüge einer CD, die der Verfassungsschutz erst im Frühjahr 2014 erhielt. Auf dem Cover dieser CD prangte das Kürzel "NSU/NSDAP". Ein Hamburger V-Mann hatte diese CD bereits 2006 von "Corelli" erhalten, der 39-jährig an einer nicht erkannten Diabetis verstorben sein soll, kurz bevor ihn "Verteter einer Sicherheitsbehörde" zu der besagten CD am " 3. April 2014" (der Spiegel Ausgabe 17/2014) befragen wollten. Später wurde sein Todeszeitpunkt eingegrenzt auf den Zeitraum 4. April bis 7. April. Unnötig zu erwähnen, dass "Corelli" nicht als Zeuge im NSU Prozess angehört werden sollte.

Heute schreibt das Hamburger Abendblatt :

" Die Generalbundesanwaltschaft (GBA) hat nach Informationen des Abendblatts nun aber den Hamburger V-Mann, der von "Corelli" den Datenträger erhalten hatte, vernommen. Offenbar bestand erst Interesse der Anwaltschaft an dem Neonazi-Informanten, als Medien bereits über die "Corelli"-DVD berichtet hatten. Zu den Inhalten der Zeugenvernehmung äußern sich weder die GBA noch das Landesamt. Im Innenausschuss des Bundestages wurde am Mittwoch der Chef der Hamburger Verfassungsschutzes, Torsten Voß, zur CD und der Quelle befragt. Ein Teil der Sitzung lief hinter verschlossenen Türen ab. Nach Informationen des Abendblatts hatte der Hamburger Informant keine enge Verbindung zu "Corelli", aber es hat mehrere Kontakte und auch Begegnungen zwischen 2005 und 2009 gegeben. Insgesamt soll der V-Mann fünf CDs von "Corelli" erhalten haben. Kurz bevor "Corelli" von den Ermittlern tot in seiner Wohnung in Paderborn gefunden worden war, soll er eine SMS erhalten haben. Ein gewisser "Thommy" habe sich Tage vor dem Tod erkundigt, wie es ihm denn gehe. Wie nun in der Sitzung des Innenausschusses in Berlin herauskam, wurden die Handyverbindungen und auch die Emails des toten V-Manns zwar ausgewertet, aber bisher weder durch das Bundeskriminalamt oder die Staatsanwaltschaft Bielefeld weiter verfolgt."

Blogger "Fatalist", der eben jene CD und diverse andere Dokumente ins Netz stellte behauptet, NSU-CDs wären 2002-2004 zu Tausenden in der Nationalen Szene verteilt worden. Wer ihm die Dokumente zuspielte ist nicht bekannt. Sein Account auf Politikforen.net ist mittlerweile gesperrt. Die vorher frei zugänglichen Postings im Forum sind nur noch nach vorheriger Anmeldung einsehbar. Ein vom Freitag Community-Mitglied preussexx am 30.7.2014 geschriebener Artikel ("Geheime BKA Dokumente im Internet geleakt") ist nicht mehr abrufbar.

“Fatalist”, ein mutmaßlich 48 Jahre alter Bauingenieur, der angeblich in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, lebt, schreibt seit geraumer Zeit zum NSU-Komplex und kommentierte in mehreren Online-Foren. Im Machtelite Blog diskutierte er beispielweise unter dem Nickname “Rolf” mit der nach Irland geflüchteten V-Frau Krokus, bzw. ihrem Lebensgefährten im Kommentarbereich des Artikels “Warum setzte WDR 5 Beitrag über NSU-Ausschuss ab ?” Wenn man allerdings den enormen Output an Online Veröffentlichungen, bzw. Kommentaren von “Fatalist” betrachtet, stellt sich die Frage, ob sich nicht möglichweise mehrere Personen hinter seinem Pseudonym verbergen. Der rechte Zungenschlag “seiner” Postings ist jedenfalls nicht zu übersehen. Die rassistische und antisemitische Rhetorik ist evident. Zudem sorgt “Fatalist” für Verwirrung und Desinformation. So erklärte er beispielweise die von Kontext im Juli 2013 veröffentlichten Phantombilder von Heilbronn bis zum Sommer 2014 zu Fälschungen, obwohl er die Bilder bis vor kurzem nicht hatte und somit überhaupt keine Bewertung vornehmen konnte. Das Ganze wirkt wie die Arbeit eines Agent Provocateurs oder ist er gar das Werkzeug der Personen, die ihm die Ermittlungsakten haben zukommen lassen?

21:03 25.09.2014
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